<
  • English This site is also available in English
  • Kontakt

    Top    Europa    Mittelmeer    (W,C)-Asia    S-Asien    (SE,E)-Asia    Afrika    Amerika    Australien    Bottom

    Geographischer Gewürzindex


    In diesem Index sind die Gewürze nach dem Land geordnet, aus dem sie wahrscheinlich stammen. Da der Gewürzhandel fast so alt ist wie die Menschheit selbst, können wir die natürliche Herkunft vieler Gewürzpflanzen allerdings nicht mehr genau eruieren.

    Für jede Region habe ich auch jene Gewürze angeführt, die heutzutage die wichtigste Rolle in der lokalen Küche spielen. Natürlich können diese Angaben nicht vollständig sein, teilweise, da die Gewürzverwendung selbst kleinräumig variieren kann und teilweise, da ich nicht alle betreffenden Gegenden selbst bereist habe und daher oft auf Information aus zweiter Hand angewiesen bin, und die ist mitunter recht dünn.

    Vielleicht findet der Leser, daß dieser Index sich zu sehr um Asien dreht; das ist nun sicher richtig, doch behaupte ich, daß das nicht (nur) auf meinem persönlichen Interesse für asiatische Küchen beruht, sondern einfach Ausdruck der Tatsache ist, daß so gut wie alle heute wichtigen Gewürze letztlich aus Asien stammen (als Ausnahmen bleiben die amerikanischen Gewürze Chilies bzw. Paprika, Piment und Vanille zu erwähnen). Daher schien es mir folgerichtig, den Asien-Abschnitt dieses Index in mehrere Teile zu gliedern, während nur je ein Abschnitt sich mit amerikanischen und afrikanischen Gewürzen beschäftigt.

    Weiters enthält dieser Index kurze Hinweise zu über 60 Gewürzen, die auf meinen Seiten aus verschiedenen Gründen nicht behandelt werden. Manche von ihnen sind ziemlich obskur, werden nur kleinräumig kulinarisch verwendet, haben sehr spezielle, eher nichtkulinarische, Anwendungen oder verdienen allenfalls historisches Interesse. Andere dagegen sind sehr interessant und würden eine ausführlichere Behandlung lohnen; das Problem liegt aber oft darin, daß ich über diese Pflanzen, vor allem aber über ihre Verwendung in regionalen Küchen, nur wenig Informationen habe. Sollte sich das ändern (vielleicht durch Ihre Mitarbeit?), dann werde ich diesen Pflanzen gerne einen eigenen Artikel widmen.


    Mittel- und Nordeuropa

    Überraschend wenige Gewürze stammen wirklich aus dem gemäßigten Europa, obwohl viele eingeführt wurden. Die Römer brachten einige ihrer Mittelmeergewürze (von denen etliche in Wahrheit aus Westasien stammten) in die Länder nördlich der Alpen, und viele davon gediehen in dem kälteren Klima und waren leicht zu ziehen; einige verwilderten sogar und wurden Teil der lokalen Flora.

    Von den im folgenden aufgeführten Pflanzen wird meist ein mittel- oder nordeuropäischer Ursprung angenommen, auch wenn diese Einschätzung in verschiedener Literatur Schwankungen unterliegt.

    Heute verwenden die europäischen Lokalküchen vor allem Kräuter aus dem Mittelmeerraum, wie etwa Bohnenkraut Lorbeer, Majoran, Oregano, Rosmarin, und Thymian. Die meisten dieser Kräuter gedeihen zwar auch im kühlgemäßigten Klima Mitteleuropas ganz gut, sie werden aber getrocknet heutzutage aus Gründen der Kosten und auch der Qualität zumeist importiert.

    Seit dem Altertum erfreuen sich Zwiebel und Knoblauch großer Beliebtheit in Europa und werden auch viel angebaut. Wegen seines starken Geruchs ist allerdings Knoblauch in Nordeuropa weniger geschätzt; dort betrachtet man Knoblauchgenuß scheinbar als ein Verbrechen an der Gesellschaft. Zwiebel wird weithin eher als Gemüse denn als Gewürz verwendet.

    Ungarn ist für seine Paprika- und Chilisorten sehr bekannt; beide stammen aus der Neuen Welt. Ansonsten werden scharfe Chilies in Europa nur wenig verwendet, außer in einigen Mittelmeerländern und am Balkan.

    Tropische Gewürze sind gewöhnlich keine besonders wichtige Zutat zu traditionellen europäischen Gerichten – mit der Ausnahme von schwarzem Pfeffer, den man auf der ganzen Welt schätzt. Zimt und Gewürznelken werden fast nur zu Süßspeisen verwendet, und Ingwer und Muskat kennt man noch weniger. Obwohl Cardamom in den meisten Ländern Europas fast unbekannt ist, verwenden ihn die Skandinavier gerne zum Würzen von Brot und Pasteten; ähnliches gilt auch für das neuweltliche Piment.

    Es gibt viele weitere in Europa verbreitete Pflanzen, die gelegentlich oder regional begrenzt kulinarisch genutzt werden; manche sind auch nur von historischem Interesse.

    • Dazu gehören vor allem die verschiedenen Trüffelarten (Schwarze oder Périgord-Trüffel, Tuber melanosporum und Weiße oder Alba-Trüffel, Tuber magnatum), deren Fehlen in diesem Gewürzlexikon einen definitiven Mangel darstellt; sie spielten in der französischen Küche des 18. Jahrhunderst eine Hauptrolle und sind trotz ihres hohen Preises auch heute noch kulinarisch von erheblicher Bedeutung.

    • Engelwurz (Angelika, Angelica archangelica, Apiaceae) ist über das ganze nördliche Eurasien verbreitet. Alle Pflanzenteile haben einen starken, durchdringenden Geruch und werden gelegentlich kulinarisch genutzt, vor allem in Nordeuropa (z.B. zu Fischsuppen). Angelika ist jedoch wichtiger für angesetzte Schnäpse und Liköre.

    • Die Haselwurz (Asarum europaeum, Aristolochiaceae/Aristolichiales/Magnoliidae) ist mehrjähriges Kraut europäischer Laubwälder. Das Rhizom enthält ein ätherisches Öl variabler Zusammensetzung und schmeckt angenehm aromatisch. In chinesischen (A. sieboldii, A. heterotropoides) und nordamerikanischen (A. canadensis, „wild ginger“) Verwandten wurde die nephrotoxische Aristolochiasäure nachgewiesen. Die europäische und die nordamerikanische Art dienen gelegentlich als Wildgemüse und Gewürz.

    • Holunder (Sambucus nigra, Caprifoliaceae/Dipsacales/Cornidae) liefert duftende Blüten, die in vielen Teilen Europas zu Süßspeisen verarbeitet werden oder Getränke aromatisieren. Die Früchte dienten früher als Färbemittel für allzu blassen Wein.

    • Gundelrebe (Glechoma hederacea, Lamiaceae) ist ein häufiges Unkraut in West- und Mitteleuropa. Die Blätter, die in ihrem Aroma irgendwo zwischen Minze und Thymian liegen, sind ein interessantes wenngleich wenig genutztes Gewürz; tschechische Rezepte verlangen gelegentlich danach. Früher dienten sie auch zum Bierbrauen.

    • Hopfen (Humulus lupulus, Cannabaceae/Urticales/Hamamelididae) spielt natürlich eine eminente Rolle für die Bierbrauerei, wird aber kaum jemals zum Kochen verwendet. Auch Bier ist, anders als Wein, selten in der Küche anzutreffen (außer, um den Durst des Koches zu stillen).

    • Kalmus (Würzrohr, Acorus calamus, Araceae/Arales/Arecidae) ist zwar wahrscheinlich in Indien heimisch, aber mittlerweile auf der ganzen Nordhalbkugel naturalisiert. Das aromatische Rhizom kann wie Ingwer kandiert werden („Deutscher Ingwer“), wird allerdings nur selten als Gewürz genutzt: Einerseits ist es recht bitter (weswegen man es in vielen Magenbittern findet), und andererseits gilt es durch den hohen Gehalt an β-Asaron als bedenklich. Die pharmazeutische Ware stammt überwiegend von asaronarmen amerikanischen Pflanzen.

    • Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata, Brassicaceae) hat nach Knoblauch riechende Blätter und senfartig scharf schmeckende Samen. Sie wird gelegentlich von der Landbevölkerung, vor allem in Osteuropa, verwendet.

    • Die Pappel (Populus alba, Salicaceae/Salicales/Dilleniidae) hat eigenartig aromatisch riechende Blattknospen bzw. junge Blätter, die angeblich in der Vergangenheit als Würze dienten. Heute werden sie noch zum Aromatisieren von Schnäpsen verwendet.

    • Pimpinelle (Sanguisorba minor, Kleiner Wiesenknopf, Rosaceae) ist eine Wildpflanze Westeuropas, die auch in kleinem Umfang kultiviert wird. Die Pflanze ist reich an Gerbstoffen, die ihren Blättern einen herben Nußgeschmack verleiht; sie dienen als Salatwürze und besonders zur Bereitung der Frankfurter Grünen Sauce (siehe Borretsch).

    • Rainfarn (Tanacetum vulgare, Asteraceae) kommt zwar in ganz Europa vor, wird aber meines Wissens nach nur in England als Gewürz verwendet. Die Blätter verströmen einen starken, nicht unbedingt einladenden Geruch, der vor allem auf das toxische Thujon zurückzuführen ist (siehe auch Eberraute).

    • Sauerampfer (Rumex acetosa und andere Arten, Polygonaceae) ist für den beißend-sauren Geschmack seiner Blätter bekannt, der auf Oxalsäure zurückgeht. Er wird gelegentlich kulinarisch genutzt, z.B. in der Grünen Sauce.

    • Sumpfporst (Ledum palustre, Wilder Rosmarin, Ericaceae/Ericales/Cornidae) ist eine Wildpflanze nährstoffarmer Moore der nördlichen Halbkugel. Es gibt eine Reihe von Unterarten, von denen eine in Kanada als Teepflanze dient (labrador tea). Die europäische Form wurde, wie die ökologisch ähnlich Gagel, als Zutat von gruit-Bier verwendet; die Pflanze ist allerdings nicht ganz harmlos und enthält berauschende Sesquiterpenalkohole.

    • Tripmadam (Mauerpfeffer, Sedum reflexum, Crassulaceae/Rosales) hat sukkulente Blätter mit erfrischendem Geschmack, die man in Westeuropa frisch gehackt zur Garnierung verwendet. Tripmadam war früher besonders für Salate beliebt, scheint aber inzwischen aus der Mode gekommen zu sein.

    • Waldmeister (Galium odoratum, Rubiaceae/Gentianales/Cornidae) wächst wild in den Wäldern West- und Mitteleuropas. Das beim Welken der oberirdischen Pflanzenteile entstehende Coumarin (siehe auch Tonkabohne) bestimmt den Geschmack der traditionellen Waldmeisterbowle.

    Das Mittelmeergebiet

    Die Länder um das Mittelländische Meer, die teilweise zu Europa, zu Asien und zu Afrika gehören, bilden seit dem Altertum einen einzigen Kulturraum. Frühe Handelsrouten für Gewürze (Gewürzstraße) führten bereits im Altertum von Indien über die Arabische Halbinsel zum Mittelmeer. Im warmen mediterranen Klima findet man auch viele einheimische aromatische Pflanzen, und noch mehr wurden durch Handel mit Zentralasien eingeschleppt und setzten sich hier fest.

    Die folgenden Pflanzen stammen wahrscheinlich aus dem Mittelmeerraum; allerdings wird für einige davon, etwa Kreuzkümmel oder sogar die „typisch mediterrane“ Olive, manchmal auch ein zentralasiatischer Ursprung vermutet.

    Asiatische Gewürze wurden in Europa erst während des Hellenismus bekannt. Später, in den Tagen der Römer, blühte der Gewürzhandel gewaltig auf, wobei der Handel von Anfang an fest in Händen der Araber lag. De re coquinaria (verfaßt vom römischen Feinschmecker Apicius) ist das älteste europäische Kochbuch und führt einige tropische Gewürze auf, von denen der lange Pfeffer am beliebtesten war, jedoch werden auch schwarzer Pfeffer, Gewürznelken und chinesischer Zimt (Kassie) genannt. Das rätselhafte Gewürz Silphion, das aus Nordafrika stammte, wurde in der Mitte des ersten Jahrhunderts ausgerottet und später durch den zentralasiatischen Asant ersetzt. Seit fünf Jahrtausenden wird im Mittelmeerraum Olivenöl als Kochmedium benutzt.

    Die Mittelmeerküche unserer Zeit stützt sich mehr auf einheimische oder importierte Kräuter. Basilikum, das ursprünglich aus Süd- oder Südostasien stammt, wächst heute in ganz Südeuropa wild und wird vor allem in Italien in großem Umfang genutzt, ebenso wie der einheimische Oregano. Knoblauch ist in Südeuropa wesentlich beliebter als im Norden. Mitunter verwendet man Safran für regionale Fisch- oder Meeresfrüchtespezialitäten, aber der hohe Preis dieses Gewürzes schränkt den Verbrauch ein. In der ganzen Region verlangen viele Rezepte nach kleinen Chilimengen, aber wirklich feurige Speisen sind nicht typisch.

    Typische Gewürzzusammenstellungen aus Südeuropa sind etwa bouquet garni (siehe Petersilie) oder die bekannte südfranzösische Mischung herbes de Provence (siehe Lavendel).

    an der asiatischen Mittelmeerküste (in der Levante) sind frische Kräuter nicht mehr so vorherrschend, lediglich Petersilie spielt eine bedeutende Rolle. Koriander und Kreuzkümmel sind beliebt, und auch scharfe Gewürze (zumeist schwarzer Pfeffer und Chili) werden häufiger gebraucht. Die getrockneten Beeren des Sumach-Baums sind für den charakteristisch säuerlichen Geschmack vieler levantinischer Gerichte verantwortlich.

    In Nordafrika spielen Chilies eine wesentliche Rolle in feurigen Eintöpfe und Saucen. Koriander und Kreuzkümmel werden beide extensiv verwendet, aber auch afrikanische Gewürze (Paradieskörner) sind beliebt. Von den Gewürzen aus Asiens Tropen finden Zimt und Nelken die meiste Verwendung. All die erwähnten Pflanzen, und noch mehr, finden sich in den berühmten marokkanischen Gewürzmischungen (ras el hanout, siehe Kubebenpfeffer).

    Obwohl auf diesen Seiten eine große Anzahl von Mittelmeer-Kräutern behandelt wird, gibt es noch viel mehr, die gelegentlich ihren Weg in die Kochtöpfe finden. Oft handelt es sich um wilde Verwandte der oben Erwähnten, die von kundigen Familienmitgliedern gesammelt werden, weil ihr Duft den industriell gezogenen Pflanzen überlegen sei. Solche Spezialitäten variieren kleinräumig und werden in Kochbüchern kaum jemals erwähnt. Diese Bemerkung gilt ganz besonders für Kräuter aus der Familie der Lippenblütler wie Thymian, Majoran und vor allem Oregano. Weitere im Mittelmeerraum heimische interessante Pflanzen sind im folgenden aufgeführt.

    • Gelbdolde (Smyrnium olusatrum, Apiaceae), auch als Alexanders Liebstöckel oder Eppich bekannt, ist eine liebstöckel- bis sellerieähnliche Pflanze mit aromatischen Wurzeln, Blättern und Früchten. Ihre kulinarische Bedeutung ist heute sehr gering.

    • Mastix ist das gereinigte Harz von Pistacia lentiscus var. chia (Anacardiaceae), einem Baum, der nur auf der Insel Chios im östlichen Griechenland wächst; allerdings liefern verwandte Arten mastixähnliche Harze minderer Qualität. Mastix war im Mittelalter ein bedeutendes Handelsgut, wird aber heute nur in der griechischen Küche verwendet (siehe Felsenkirsche für weitere Informationen).

    • Meerfenchel (Crithmum maritimum, Apiaceae) wächst an allen Küsten Europas, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer. Die sukkulenten, salzig-aromatischen Blätter waren früher eine beliebte Würze und wurden auch eingelegt, besonders in England. Bild: Blühender Pflanze.

    • Pinienkerne (pignoli) werden in Europa von der Mittelmeerpinie (Pinus pinea, Pinaceae/Pinales) gewonnen, im gemäßigten Asien auch von anderen Pinien-Arten. Sie haben ein wunderbares ätherisch-harziges Aroma und spielen speziell in der spanischen und italienischen Küche eine große Rolle, z.B. für pesto (siehe Basilikum).

    • Poleiminze (Mentha pulegium, Lamiaceae) unterscheidet sich im Aroma von anderen Minzen erheblich. Sie wurde bereits in der Antike in der römischen Küche verwendet (siehe Silphion) und wird heute auch in der englischen Küche gelegentlich genutzt; allerdings gilt sie als leicht giftig.

    • Bergminze (Steinquendel, Calamintha nepeta) ist eine aromatische Pflanze, die in Italien regional zum Kochen verwendet wird (nepitella). Der Geschmack erinnert an verwandte Kräuter aus der Familie Lamiaceae: Thymian, Minze, Bohnenkraut und Oregano.

    • Portulak (Portulaca oleracea, Portulacaceae/Caryophyllales) ist ein einjähriges Kraut, das zwar wahrscheinlich im Himalaya heimisch ist, das aber heute in Südeuropa und Westasien auch wild wächst. Obwohl man gekochten Portulak oft als Gemüse ißt, haben die frischen Blätter und Stengel eine knackige Konsistenz und einen erfrischend salzigen Geschmack, der sich gut mit mediterranen kalten Gerichten, z.B. westasiatischen Vorspeisen, verträgt. Die etwas stärker schmeckenden Knospen wurden schon als Kapernersatz versucht.

    West- und Zentralasien

    Viele wichtige Gewürzpflanzen stammen eigentlich aus dieser Region, auch wenn einige davon heute von Marokko bis Vietnam angebaut werden.

    Vielleicht haben auch Kreuzkümmel und einige weitere der im vorigen Abschnitt angegebenen Gewürze ihren Ursprung in Wahrheit im westlichen Zentralasien und wurden bereits in prähistorischer Zeit mit westwärts ziehenden Völkern verschleppt.

    Heute verwenden die persische und arabische Küche eine Vielzahl verschiedener Gewürze, die teilweise aus Indien oder Südostasien stammen. Äußerst geschätzt ist der Cardamom, nicht nur für Speisen, sondern auch als unersetzliche Zutat für authentischen arabischen Kaffee.

    Auf der arabischen Halbinsel ist der Kochstil oft würzig-scharf; das yemenitische zhoug (siehe Koriander), eine feurige chilihaltige Paste, und die aromatisch-scharfe Gewürzmischung baharat aus Saudiarabien (siehe Paprika) können hier als Beispiel dienen.

    Die Kaukasusrepubliken zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer haben vielfach besondere Kochtraditionen entwickelt, obwohl man manches als russischen oder türkischen Einfluß deuten kann. Georgien hat eine sehr milde Küche, die die Aromen getrockneter Kräuter (siehe Majoran über die Mischung khmeli-suneli [ხმელი-სუნელი]) und frischer oder eingelegter Früchte nutzt.

    Eine ähnliche Neigung zu fruchtigen Geschmackstönen findet man auch im benachbarten Azerbaijan (Aserbaidschan) und in Iran. Ein typisch iranisches Gewürz, das leider auf diesen Seiten (noch) fehlt, sind getrocknete Berberitzenfrüchte, Berberis vulgaris (Berberidaceae/Ranunculales), die auf Farsi sereshk (serreschk, zereshk [زرشک]) heißen. Sie werden oft zum Würzen von faschiertem Fleisch oder besonders für Reisgerichte (polo [پلو]) verwendet. Eine andere Quelle von Säure in iranischen Speisen sind getrocknete Limetten (siehe auch Bockshornklee über khoreshte ghorme sabzi).

    Südasien

    Südasien, das von Sri Lanka an der Südspitze der Dekkan-Halbinsel bis zu den Südhängen des Himalaya reicht, weist eine Vielzahl einheimischer Gewürzpflanzen auf; außerdem wurden südostasiatische Gewürze seit Jahrtausenden gehandelt. Daher ist die indische Küche eine der gewürzreichsten und aromatischsten der Welt.

    Eine große Anzahl von in Südasien heimischen Gewürzen wurde bereits in der Antike nach Osten oder Westen exportiert. Deshalb findet man heute vor allem in Südostasien Gewürze, die zwar indischen Ursprungs sind, die aber in der indischen Küche überhaupt nicht verwendet werden (z.B. Zitronengras oder kleiner Galgant); auch einige der heute für die Mittelmeerküche typischen Kräuter wie z.B. Basilikum stammen ursprünglich aus Indien. Die folgende Tabelle zeigt jedoch nur jene in Südasien heimische Gewürze, die auch heute die südasiatische Küche bereichern.

    In der indischen Küche spielt heute zusätzlich noch eine große Anzahl importierter Gewürze eine Rolle. Chilies (von den Portugiesen aus der Neuen Welt nach Asien eingeführt) werden großzügig eingesetzt, besonders im Süden Indiens und in Sri Lanka. Tamarinde (aus Ostafrika) gibt einigen südindischen Curries den typisch säuerlichen Geschmack. Von den europäischen und zentralasiatischen Gewürzen sind Koriander, Kreuzkümmel und Knoblauch heutzutage aus der indischen Küche nicht mehr wegzudenken. Zimt, der ursprünglich aus Sri Lanka stammt, ist nun in ganz Indien beliebt und wird sehr oft mit Gewürznelken kombiniert, die aus Südostasien stammen.

    Der arabisch-zentralasiatische Einfluß auf die südasiatische Küche ist in Pakistan und Nordindien am stärksten ausgeprägt. In diesen Gebieten verwenden die Köche weniger Chilies als duftende Gewürze wie Zimt, Cardamom, Gewürznelken und auch Safran. Es gibt in Indien unzählige Gewürzmischungen, aber die meisten haben wenig oder nichts mit dem Currypulver westlicher Supermärkte zu tun (siehe auch Curryblätter). Viele indische Mischungen (masalas) sind auch weniger Pulver als Pasten aus gemahlenen Gewürzen, Knoblauch, Ingwer und Öl, die nicht gelagert werden und auch niemals in den Handel kommen. Gewürzmischungen nur aus getrockneten Gewürzen sind das bengalische panch phoron [পাংচ ফোরন] (siehe Bockshornklee) und das nordindische garam masala [गरम मसाला, گرم مسالحہ, auch گرم مصالحہ] bzw. das südindische sambaar podi [சாம்பார் பொடி] (für die letzteren beiden, siehe Kreuzkümmel). Für eine weitere südindische Mischung (bese bele Pulver) siehe Kokos.

    Über den nordindischen Moghul-Stil, siehe bei schwarzer Kreuzkümmel; siehe Adiowan über gewürzte Butter (tadka oder tarka). Siehe auch Zwiebel. Einige typische Speisen sind der nordindische duftende biriyani (siehe indisches Lorbeerblatt) und das südindische feurige vindaloo (siehe Tamarinde). Über den indischen gewürzten Tee (chai masala [चाय मसाला]) siehe Cardamom.

    Die Küche Nepals ähnelt der von Indien in vielerlei Hinsicht, und ist ihr in manchen Zubereitungen, z.B. eingelegtem Gemüse (pickles) fast ununterscheidbar. Nepalisches Essen ist meist milder als indisches, und zwar sowohl in der Schärfe als auch im Gebrauch aromatischer Gewürze. Das macht Nepali-Essen aber nicht etwa fade oder geschmacklos, da durch chinesischen Einfluß zusätzliche Geschmacksmittel zur Verfügung stehen, vor allem solche, die durch Fermentation gewonnen werden: Käse, Sojaprodukte und das typisch nepalische gundruk [गुन्द्रुक], getrocknetes fermentiertes Gemüse. Verschiedene Arten von Nudeln zeigen ebenfalls die Nachbarschaft zu China an.

    In Burma schließlich liegen die Berührungspunkte zwischen den Küchen Indiens und Südostasiens. Nudeln, Fischpaste, Sojasauce und Sesamöl auf der einen und Cardamom, Zimt, Curcuma und Kreuzkümmel auf der anderen Seite bezeugen das gemischte Erbe und geben dem burmesischen Kochstil einen einzigartigen und sehr geschmackvollen Charakter.

    Entsprechend meiner Leidenschaft für indische Küche habe ich die indischen Gewürze ziemlich vollständig behandelt. Trotzdem gibt es einige, von denen ich noch zuwenig weiß, als daß ich eine detaillierte Beschreibung dazu verfassen könnte:

    • Da ist vor allem Kokam (kokum, [कोकम] Garcinia indica, Clusiaceae/Theales/Dilleniidae) zu erwähnen, das in Südwestindien ein wichtiges Säuerungsmittel vor allem für Fischcurries darstellt. Bild: getrocknete Frucht. In Sri Lanka kennt man ein ähnliches Gewürz namens goraka [ගෝරකා], wahrscheinlich Garcinia cambogia.

    • Ein wenig bekanntes indisches Gewürz ist das bengalische radhuni [রাধুনি] oder randhuni, das außerhalb von Bengalen kaum erhältlich ist. Dabei handelt es sich um Trachyspermum roxburghianum (Apiaceae), das auf Hindi ajmud heißt und oft mit Adiowan verwechselt wird. Sein Aroma ist mit geröstetem Bockshornklee oder Sellerie zu vergleichen; in außerbengalischen Varianten von panch phoron wird es durch Senfsamen ersetzt (siehe Nigella).

    • In Nepal kocht man mit jimbu [जिम्बु], einer einheimischen Lauchart (Allium wallachii, Alliaceae), deren Gebrauch ich unter Schnittlauch behandle.

    • Der Hahnenkamm (Celosia argentea var. cristata, Amaranthaceae/Caryophyllales) ist als Zierpflanze auch in Europa bekannt. In Indien dienen seine roten Blüten (lal murghka) als Färbemittel.

    • Der Meerrettichbaum (Moringa oleifera, Moringaceae/Capparales) ist in Nordindien (Himalaya-Südrand) heimisch. Der äußerst vielseitige einsetzbare Baum liefert unter anderem mit seinen unreifen Früchten ein nahrhaftes Gemüse (engl. drumsticks); aus den reifen Samen gewinnt man das interessante Ben-Öl, und die Blätter werden medizinisch genutzt. Die Wurzelrinde und Wurzel sind reich an Glucosinolaten, die ihnen einen krenartig scharfen Geschmack verleihen. Allerdings wird diese Würze in Indien relativ selten verwendet.

    • Der wildwachsende Baum Buchanania lanzan (Anacardiaceae) liefert eßbare Samen (chironji [छीरोंजी]), die nach Mandeln schmecken und die im Nordosten Indiens für Desserts verwendet werden.

    • Die Pflanze Saussurea lappa (syn. S. costus) (Asteraceae) wächst nur in der indischen Region Kashmir; in Indien kennt man sie als putchuk, im Westen eher unter dem Namen Kostuswurz. Die getrocknete Wurzel verströmt ein starkes Aroma, das hauptsächlich in der Parfümerie genutzt wird; aus dem spätantiken bis frühmittelalterlichen Europa sind aber auch Kochrezepte damit überliefert.

    • Ähnliches gilt auch für die Narde (Nardostachys jatamansi, Valerianaceae/Dipsacales/Cornidae) ebenfalls eine Himalayapflanze mit großer Bedeutung für die Parfümerie und, zumindest heute, praktisch ohne kulinarische Anwendung. Die Alpenpflanze Speik (Valeriana celtica) diente seit dem Mittelalter als billigerer Ersatz für die teure Narde.

    Südost- und Ostasien

    Wegen seines tropischen Klimas weist Südostasien eine große Anzahl einheimischer aromatischer Pflanzen auf; diese werden in den lokalen Küchen zumeist frisch bevorzugt. Die Molukken oder Gewürzinseln, eine Ansammlung kleiner und kleinster Archipels zwischen Asien und Australien, sind die Heimat von Muskat und Gewürznelken und standen daher vom späten Mittelalter bis in die ersten Jahrhunderte der Neuzeit im Brennpunkt der Interessen europäischer Kolonialmächte .

    Heute spielen fast alle dieser Gewürze (mit der Ausnahme von Zimt, Gewürznelken und Muskat, die nicht viel gebraucht werden) in zumindest einer der wichtigen Küchen Südostasiens eine bedeutende Rolle. Weiters findet man fast überall Chilies (besonders in der feurigen Küche Thailands), Ingwer und Knoblauch. Von überregionaler Bedeutung ist auch die Kokosnuß, sei es in Form von Kokosmilch oder Kokosöl.

    In Südostasien haben sich viele eigenständigen kulinarischen Richtungen entwickelt, doch werden Gewürze zumeist frisch verwendet, und auch frische Kräuter wie Basilikum, Minze und Korianderblätter sind vor allem in Vietnam, Kambodscha und Thailand beliebt. Starke Fischwürzen sind in allen Ländern der Region essentiell: Fischsaucen in Thailand (nam pla [น้ำปลา]) und Vietnam (nuoc mam [nước mắm]), Garnelenpasten in Malaysia und Indonesien (trassi, terasi) und Burma (gapi) sowie die einzigartige Süßwasserfischpaste prahok in Kambodscha. Fischsauce ist unter dem Namen yu lu [魚露] auch in Südchina bekannt, spielt aber in der chinesischen Küche generell eine geringe Rolle.

    Die Thai-Küche verwendet noch viele weitere Gewürze (z.B. Kaffernlimettenblätter, Zitronengras und Fingerwurz) und sonstige aromatische Zutaten wie Fischsauce und Trockenfisch; sie ist durch großzügigen Einsatz von Chilies extrem scharf. Über thailändische Curries siehe bei Kokosnuß. Siehe auch Basilikum und Minze für weitere thailändische Rezepte.

    Weniger dominant würzt man in Kambodscha und Vietnam, und auch auf den Philippinen schmeckt das Essen recht mild. Für die philippinische Küche sind außer Knoblauch und Ingwer vor allem die Annatto-Samen charakteristisch, die von den Spaniern aus Südamerika eingeführt wurden; außer auf den Philippinen und Marianen werden sie in Asien kaum verwendet, bis auf ein paar Rezepte aus Vietnam.

    Eine einzigartige Eigenheit der vietnamesischen Küche ist die massive Verwendung von frischen Kräutern. Vietnamesische Köche verwenden dabei teilweise Kräuter, die in anderen Ländern kaum (vietnamesischer Koriander, langer Koriander) oder auch gar nicht (Reisfeldpflanze, Chamäleonpflanze) bekannt sind. Es gibt noch weitere, die auf diesen Seiten bisher fehlen.

    Die Anziehungskraft der chinesischen Küche beruht weniger auf der Verwendung getrockneter Gewürze als auf der Vielzahl an Fleisch- und Gemüsezutaten mit unterschiedlicher Farbe, Form und Konsistenz sowie den vielfältigen Koch-, Gar- und Bratmethoden; allerdings wird in ganz China das Fünf-Gewürze-Pulver (wu xiang fen [五香粉]) gerne zum Würzen von gebratenem oder gebackenem Fleisch verwendet (siehe Sternanis). Die meisten Gerichte werden in China mit verschiedenen Sojaprodukten gewürzt, von denen Sojasauce (jiang you [酱油]) am bekanntesten ist; für authetisch chinesisches Essen braucht man aber weitere wie süße Bohnenpaste (hoisin hai xian jiang [海鮮酱]), scharfe Sojapaste (douban jiang [豆瓣酱]) und fermentierte schwarze Sojabohnen (dou chi [豆豉]). Besonders ausgeprägt mild ist die kantonesische Küche, die vor allem für exotische Fleischsorten (Hund, Katze, Affe, Schlange, …) bekannt ist.

    Traditionellerweise wird feurig-scharfes in China Essen nicht besonders geschätzt, außer in zwei zentralchinesischen Provinzen: Hunan [湖南, ] und Sichuan (Szechuan) [四川, ], das man auch Tian-fu [天府] „Land des Überflusses“ nennt. In beiden Provinzen, aber besonders in Sichuan, schwelgt man gerne in Chilies und Knoblauch; außerdem schätzt man auch das starkriechende Sesamöl und den einheimischen Szechuanpfeffer. Ein wichtiges Würzmittel für zentralchinesische Gerichte ist doubanjiang [豆瓣酱], eine scharfe rote Bohnenpaste. Durch starke innerchinesische Migration wurden die scharfe Sichuan- und Hunan-Küchen allerdings in den letzten Jahren in weiten Teilen Chinas bekannt und beliebt.

    Einige chinesische Gerichte werden unter Ingwer (gong bao [宫保], ein schnell gebratenes Hühnergericht aus Szechuan), Orange (au larm, ein Rindfleischeintopf aus Szechuan), und Chili (mapo doufu [麻婆豆腐], Bohnenkäse mit Schweinehack in einer scharfen Sauce, Rezept aus Szechuan) kurz besprochen. Siehe auch Sternanis über das Fünfgewürzepulver (wu xiang fen [五香粉]) und chinesischen Zimt über das Rotschmoren (hongshao [红烧]) und das Kochen in einer master sauce (shui lu [水鹵]).

    Die japanische Küche beschränkt sich selbst auf äußerste Einfachheit, was Gewürze angeht: Nur der Szechuanpfeffer (bzw. eine sehr nah verwandte japanische Art) findet als Tischwürze entweder allein oder gemischt mit Mandarinen- bzw. Orangenschale und mit Chilies in Form der Gewürzmischung shichimi tōgarashi [七味唐辛子] Verwendung. Ansonsten stammt der Geschmack japanischer Speisen von den jeweiligen Zutaten, auf deren Frische und sachkundige Zubereitung höchster Wert gelegt wird, von getrockneten Algen und Tang, verschiedenen Sojaprodukten und anderem fermentierten Getreide (miso [味噌, みそ]). Eine scharfschmeckende Wurzel, Wasabi, wird in Form einer grünen Paste zu sashimi [刺身, さしみ] (rohem Fisch) und sushi [ 寿司, すし] (Reisbissen) serviert; aromatische Blätter (z.B. Perilla, Wasserpfeffer und die jungen Blätter der Szechuanpfeffers) dienen als duftende und ästhetische Garnierung.

    Im Gegensatz dazu findet man im äußersten Osten Ostasiens, in Korea, eine sehr deftig-würzige und scharfe Küche, deren Geschmack zum großen Teil von Chilies, geröstetem Sesam und Knoblauch bestimmt ist; außerdem werden sauer und scharf eingelegte Gemüse (kim chi [김치]) sehr geschätzt. Starkschmeckende Sojaprodukte wie den jang ([된장], auch doen jang oder doin jang geschrieben, eine Sojapaste ähnlich dem japanischen miso), und gochu jang ([고추장], auch kochu jang, eine Chili-Bohnen-Paste) bestimmen den Geschmack vieler koreanischer Speisen.

    Auf den unzähligen Inseln Indonesiens haben sich teilweise recht unterschiedliche Regionalküchen entwickelt, was auch mit unterschiedlichen Lebensweisen (Urwaldnomaden, Ackerbauern, Seefahrer; dörflich oder städtisch geprägten Kulturen), religionsbedingten Speisetabus (Moslems, Christen, Hindus, Buddhisten, Animisten), regionalen Klimagegebenheiten (tropischer Tieflanddschungel, Bergurwald, Hochland oder Trockengebiet) und vielen anderen Faktoren zusammenhängt.

    Die meisten indonesischen Küchen verwenden wenig bis keine süßen Gewürze, was umso bemerkenswerter ist, als Gewürznelken, Muskatnüsse sowie der indonesische Zimt ja in Indonesien heimisch sind. Stattdessen sind Ingwer, Zwiebel, Knoblauch und moderate Mengen an Chilies, daneben Galgant und Curcuma die üblichsten Gewürze. Indonesische Gerichte verlangen häufig nach einer Garnelenpaste (trassi) sowie nach Soja-Sauce (kecap), von der es auch eine dickflüssige, stark gesüßte Variante gibt (kecap manis). Eine merkliche Süße durchzieht vor allem die jawanischen Gerichte, während ich in Sumatra eher scharf gegessen habe und Bali die größte Gewürzvielfalt aufweist.

    Beispielhaft sind einige Highlights der indonesischen Küchen unter großem Galgant (rendang, ein Büffelgericht aus West-Sumatra), Szechuanpfeffer (sangsang, ein Schweinefleischgericht aus Nord-Sumatra), Kokos (ayam pa'piong, ein geschmortes Huhn aus Sulawesi), Mango (der in ganz Indonesien erhältliche Fruchtsalat rujak) und kleinem Galgant (bebek batulu, eine Bratente aus Bali) abgehandelt. Über indonesische Gewürzmischungen (bumbu) siehe Zitronengras, über balinesische Küche siehe indonesisches Lorbeerblatt und über Jawa-Küche siehe Tamarinde.

    In den vielfältigen Kochstilen der Region spielen noch viele weitere aromatische Kräuter eine Rolle, so verschiedene Arten von Lauch (Allium) in China (vor allem A. tuberosum, siehe auch Schnittlauch). In der chinesischen Provinz Sichuan werden angeblich auch regionale und in der Literatur unbenannte Himalaya-Kräuter zum Kochen verwendet. Weiters sind erwähnenswert:

    • Betelpfefferblätter (Piper betle, Piperaceae) spielen als Bestandteil des Betelbissens im tropischen Süd- und Südostasien eine große Rolle. Zum Kochen dienen sie jedoch meines Wissens nach nur in Thailand (phlu [พลู]) und Vietnam (la lot [lá lốt]), wo man Reis- oder Fleischbissen in die aromatischen Blätter wickelt. Die verwandte Art Piper sarmentosum (auf Thai cha plu [ช้าพลู]) kann ebenso verwendet werden.

    • Fackelingwer (Etlingera elatior, Zingiberaceae) ist ein einzigartiges Gewürz, dessen Blüten in Malaysia und Singapore (bunga kantan) Curries würzen.

    • Ambramalve (Moschusmalve, Ambrette, Abelmoschus moschata, Malvaceae/Malvales/Dilleniidae), eine enge Verwandte der vorangehenden Art, hat aromatische Samen, von denen das Gerücht behauptet, sie würden als Kaffeegewürz gebraucht; allerdings weiß ich nicht einmal, wo diese Verwendung vorkommen soll.

    • Ginseng (Panax ginseng, Araliaceae/Araliales) ist vor allem als teure Droge in der traditionellen chinesischen Medizin bekannt, und als Aromatikum für angesetzte Schnäpse. Er wird aber auch als Gewürz für Speisen verwendet, vor allem in Korea.

    • Kamminze („Vietnamesische Melisse“, Kammminze, Elsholtzia ciliata, Lamiaceae) dient in Südvietnam (rau kinh gioi [rau kinh giới]) gelegentlich als Bestandteil der Kräutergarnitur (siehe vietnamesischer Koriander). Bild: Blatt.

    • Breitblättriger Thymian (cubanischer Oregano, indischer Borretsch, Plectranthus amboinicus, Coleus amboinicus, Lamiaceae) ist eine in Südostasien heimische, heute aber auch in der Karibik verwildert vorkommende Pflanze mit stark riechenden Blättern, deren ätherisches Öl reich an Carvacrol ist. Sie wird in Indonesien (daun jinten), besonders aber in Vietnam (rau day tan las [rau tần dầy lás]) zum Garnieren von Speisen genutzt.

    • Vereinzelt hört man Berichte, wonach die scharfschmeckenden Samen bestimmter Aronstabgewächse (z.B. Elefantenohr, Colocasia gigantea, Araceae/Arales/Arecidae) in Südostasien als Pfefferersatz dienen.

    • Die Schmetterlingswicke (Schmetterlingserbse, Ternate-Schamblume, Clitoria ternatea, Fabaceae) hat große, intensiv blaue Blüten, die in Thailand (anchan, anjan [อัญชัน]) und Malaysia (bunga telang) zum Färben von Desserts dienen. Heutzutage werden sie meist durch synthetischen Lebensmittelfarben ersetzt. Bild: Blüte

    • Die Früchte des Baums Garcinia atroviridis (Clusiaceae/Theales/Dilleniidae) werden vor allem in Malaysia (asam gelugur) als Säuerungsmittel verwendet, ähnlich wie andere Garcinia-Arten in Südindien und Sri Lanka.

    • Aleurites moluccana (Euphorbiaceae/Euphorbiales/Dilleniidae) liefert Samen („Kerzennuß“, kemiri), die sich sehr häufig in indonesischen Gewürzmischungen finden, obwohl sie eher fade schmecken. Siehe auch Zitronengras.

    • Ein interessantes Gewürz stammt von dem in Indonesien wachsenden pangi- oder kepayang-Baum Pangium edule (Flacourtiaceae/Violales), dessen Samen (kluak oder kluwak auf Indonesisch und pamarassan in bahasa toraja) in einigen wenigen indonesischen Regionalküchen, z.B. Ostjawa oder Zentralsulawesi, als Quelle für eine dunkle Farbe, einen nussigen Geschmack und eine leicht ölige Konsistenz dienen. Zur Entwicklung des charakteristischen Aromas und zur Entgiftung müssen die blausäurehaltigen Samen nach der Ernte erst fermentiert werden, wobei sie eine dunkle, fast schwarze Farbe annehmen. Bild: Ungeschälter und geschälter Same (100 dpi).

    • Kampfer (Campher) ist seit jeher ein bedeutender Duftstoff, wurde aber nie viel zum Kochen verwendet. Doch aus China kennt man historische Rezepte von mit Kampfer gewürzten halbgefrorenen Desserts, und dort wird er auch heute noch gelegentlich verwendet, etwa für die berühmte mit Teeblättern und Kampferholz geräucherte Ente (Szechuan-Küche). Unter dem Namen „Kampfer“ werden zwei verschiedene Produkte verstanden: Der bekanntere chinesische bzw. japanische Kampfer ist chemisch 2-Bornanon und stammt vom japanischen Kampferbaum (Cinnamomum camphora; Lauraceae); er gilt als minderwertig. Wesentlich teurer ist der Sumatra-Kampfer oder Kampfer von Baros, der aus reinem Borneol besteht und aus dem Sumatra-Kampferbaum (Dryobalanops camphora, Dipterocarpaceae/Malvales/Dilleniidae) gewonnen wird.

    • Sandelholz (Santalum album, Santalaceae/Santalales/Rosidae) stammt von einer parasitischen Pflanze, die in den Wäldern der Kleinen Sundainseln (wahrscheinlich Timor) heimisch ist. Sandelholz wird heute vor allem in Südindien angebaut und dort zu Räucherstäbchen verarbeitet. Trotz seines starken Aromas wurde es aber nie viel zum Kochen verwendet.

    Afrika

    Nur sehr wenige afrikanische Gewürze wurden je im Westen bekannt. Ich kenne eigentlich nur vier, wobei die Herkunft des Sesams umstritten ist:

    Bis zum Zeitalter der Entdeckungen (15. Jahrhundert, siehe dazu beim schwarzen Pfeffer) wurden die ersten beiden als billiger Pfefferersatz in Europa gehandelt, sie verloren aber nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien an Bedeutung. Heutzutage sind sie kaum noch bekannt und oft nur schwer erhältlich.

    Silphion ist der Name eines legendären Gewürzes nordafrikanischer Herkunft, das im Rom der Kaiserzeit sehr beliebt war und diese Beliebtheit mit der Ausrottung bezahlen mußte. Seine botanische Identität ist heute nicht mehr sicher bekannt.

    Die Tamarinde stammt wohl aus Ostafrika, wird aber mittlerweile in den Tropen aller Kontinente angebaut und spielt in den Küchen Indiens, Südost-Asiens und auch Lateinamerikas eine große Rolle.

    Sesam ist heutzutage eine der wichtigsten Ölpflanzen der Menschheit, doch wird nur ein geringer Teil der Ernte als Gewürz verwendet. Sesamhaltige Spezialitäten findet man überall in der Alten Welt, von Europa bis Korea.

    Die afrikanische Küche unserer Zeit ist stark von der arabischen beeinflußt, besonders nördlich des Äquators und im Osten, wo der Islâm vorherrscht. Im Süden findet man starken kolonialen Einfluß, einerseits durch die Europäer und andererseits durch Immigranten aus Indien oder Malaysia. Ostafrika bietet eine arabisch und indisch eingefärbte, aber trotzdem sehr eigenständige Küche, und in West- und Zentralafrika findet man sehr autochthone Kochtraditionen.

    In Westafrika (Nigeria, Kamerun, Ghana, Benin) kocht man oft sehr scharf bis extrem scharf; als Quelle von Schärfe dienen aus der Karibik importierte sehr scharfe Chiliessorten. Diese Küchen sind außerdem durch reichliche Verwendung anderer starker Aromen, z.B. Trockenfisch, geräuchertes Fleisch und geröstete Erdnüsse charakterisiert. Auch das als Kochmedium genutzte unraffinierte Palmfett von Elaeis guineensis trägt zum typischen Geschmack bei. Letztlich verwendet man noch eine ganze Anzahl lokaler Gewürze, die allerdings (mit eventueller Ausnahme von Paradieskörnern und, mit viel Glück, Mohrenpfeffer) kaum jemals außerhalb der Region erhältlich sind.

    Dagegen findet man in den von Weißen bewohnten Gebieten Nordafrikas subtile Gewürzmischungen auf der Basis von Kreuzkümmel und Koriander, aber auch die aromatischen Gewürze aus Asien sind bekannt und beliebt. Über die sehr komplex zusammengesetzte marokkanische Mischung ras el hanout siehe Kubebenpfeffer. Weitere afrikanische Gewürzmischungen, die arabischen bzw. indischen Einfluß demonstrieren, sind das tunesische gâlat dagga (siehe Paradieskörner) und das äthiopische berbere (siehe langer Pfeffer).

    Das tropische Afrika ist heute ein wichtiges Anbaugebiet für viele Gewürze aus anderen Kontinenten, die zu Exportzwecken angebaut werden; besonders wichtig ist Nigeria als Ingwerproduzent. Auf den Inseln vor Afrikas Ostküste werden viele Gewürze auch für den europäischen Markt produziert: So liefert die Insel Réunion (früher unter den Namen „Bourbon“ bekannt) Vanille, Piment und rosa Pfeffer, und Sansibar ist der wichtigste Gewürznelkenproduzent der Welt.

    Von weiteren afrikanischen Gewürzen ist mir nicht viel bekannt, was natürlich nicht heißt, daß es sie nicht gibt. So gibt es z.B. in Afrika die sogenannten Duftpelargonien, die manchmal auch fälschlich „Duftgeranien“ genannt werden; sie gehören aber nicht in die Gattung Geranium, sondern in die eng verwandte aber unterschiedliche Gattung Pelargonium (Geraniaceae/Geraniales). Diese Kräuter zeigen ein erstaunliches Spektrum an Düften; am häufigsten kommen zitronen- oder rosenähnliche Duftnoten vor, aber man kennt auch nach Minze, Zimt und sogar Cardamom riechende Sorten. Trotzdem spielen sie in der Küche keine Rolle, auch wenn einige von ihnen für die Parfümindustrie genutzt werden.

    In Westafrika liegt noch erhebliches Gewürzpotential brach. Dort gibt es eine große Anzahl von lokalen Gewürzen, die man außerhalb der Region kaum bekommen kann; in einigen Fällen, etwa der akob-Rinde oder der felom-Früchte (oder Samen?), kenne ich die botanische Identität gar nicht. Auch die in der folgenden Liste angeführten Gewürze stammen größtenteils aus dem westafrikanisch-zentralafrikanischen Raum.

    • Verschiedene Arten der Gattung Aframomum (Zingiberaceae) liefern eßbare Früchte und scharfschmeckende Samen, z.B. Aframomum danielli und Aframomum citratum („mbongo“). Siehe auch Paradieskörner.

    • Die verwandte Gattung Amomum kommt ebenfalls im ganzen tropischen Afrika, von Senegal bis Äthiopien, vor. Einige Arten haben aromatische Samen, die früher auch als Cardamon-Verfälschungen in Europa auftauchten. Siehe auch schwarzer Cardamom.

    • Es gibt auch in Afrika heimische Pfefferarten, z.B. Piper clusii (siehe Kubebenpfeffer).

    • Auch die vielen einheimischen Zanthoxylum-Arten (Rutaceae) könnten als Quelle für Schärfe dienen, aber dazu kenne ich keine ergiebige Literatur (siehe Szechuanpfeffer über asiatische Verwandte).

    • Die als „Kalebassenmuskatnüsse“ bekannten Samen von Monodora myristica (Annonaceae) spielten im 16. Jahrhundert als Muskat-Verfälschung eine gewisse Rolle; sie werden heute auch auf Jamaica angebaut. Über die Verwendung der Kalebassenmuskatnuß in heutigen afrikanischen oder karibischen Küchen ist mir jedoch nichts bekannt.

    • Die ölreichen Samen des Baums Ricinodendron heudelotii (Euphorbiaceae/Euphorbiales/Dilleniidae) haben einen ausgeprägten Geschmack und werden als Gewürz und Bindemittel für Saucen verwendet (lokale Namen njangsa, njasang).

    • Wilde Mango oder Busch-Mango heißt die Frucht der tropischen Bäume Irvingia gabonensis und I. wonbolu (Irvingiaceae/Sapindales/Rosidae); es existiert aber nur eine weitläufige botanische Verwandtschaft zur Mango. Die getrockneten und gemahlenen Samen sind als ogbono bekannt und verleihen westafrikanischen Hühnerspeisen („Saucen“) eine klebrige Konsistenz und wahrscheinlich auch etwas Geschmack.

    • Koseret [ኮሰርት] ist Amharisch für das Gewürzkraut Lippia adoensis (Verbenaceae). Die Blätter werden in der äthiopischen Küche verwendet, z.B. für kitfo [ክትፎ], einer Speise aus feingehacktem rohen Rindfleisch mit gewürzter Butter. Das ätherische Öl wird von Linalool dominiert; in den meisten Kochbüchern wird dieses Kraut daher kommentarlos durch das ebenfalls linaloolreiche Basilikum ersetzt. Siehe auch langer Pfeffer über die äthiopische Gewürzmischung berbere.

    • Hibiskus (Hibiscus sabdariffa, Malvaceae/Malvales/Dilleniidae, arabisch karkadi [كركديه]), eng verwandt mit einigen beliebten Zierpflanzen, liefert fleischige, purpurrote Kelche, aus denen man ein erfrischend säuerlich schmeckendes Aufgußgetränk herstellen kann, das in Nord- und Westafrika als Nationalgetränk in großem Umfang genossen wird. Gelegentlich liest man auch von der Verwendung getrockneter Hibiskuskelche in salzigen Speisen, z.B. indischen oder malaysischen Curries.

    Amerika

    Der Beitrag der beiden Amerikas zur Liste der international bekannten Gewürze ist unglücklicherweise ziemlich gering, auch wenn ein amerikanisches Nachtschattengewächs praktisch alle Küchen der Welt verändert hat. Die weitgehende Unbekanntheit vieler anderer amerikanischer Gewürze liegt aber nicht daran, daß es keine gäbe, sondern eher an der schlechten Informationslage Europas in Bezug auf Lateinamerika. In den USA sind viele mittel- und südamerikanische Gewürze besser bekannt und auch leichter erhältlich.

    Weil sich die Kochgewohnheiten im nördlichen Amerika (USA und Kanada) aus europäischen Traditionen entwickelt haben und daher von diesen nicht sehr verschieden sind, ist der Gewürzverbrauch generell recht niedrig (die südlichen Bundesstaaten der USA mit ihrer mexicanisch beeinflußten Küche sind von dieser Aussage selbstverständlich auszunehmen). Zur Zeit wird nur eine einzige in Nordamerika heimische Pflanze auf diesen Seiten besprochen: Sassafras (Filè) hat große wenn auch nur regionale Bedeutung in der Küche von New Orleans.

    Piment wurde aus der Karibik bzw. aus México nach Europa eingeführt; sein zweiter Name, Neugewürz, bezieht sich auf den Ursprung in der Neuen Welt. Vanille ist in México heimisch und wurde bereits von den Azteken zum Würzen eines schokoladenartigen Getränkes verwendet (auch Kakaobohnen stammen aus México). Ein mexicanisches Gewürzkraut, das außer den Azteken auch bereits den Maya bekannt war, ist der Jesuitentee. Auch die Verwendung gerösteter Kürbissamen in Mittelamerika ist eine präkolumbianische Sitte; das mitteleuropäische Kürbiskernöl ist jedoch eine recht neue Erfindung.

    Aus Südamerika stammen die Annatto-Samen, die in der einheimischen Küche viel verwendet werden, und der Rosa Pfeffer; letzterer ist auch in Europa in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden und taucht oft in Gerichten der nouvelle cuisine auf. Weitere südamerikanische Gewürze sind die Tonkabohne und die Parakresse, die aber außerhalb ihrer Produktionsländer kaum Anwendung gefunden haben. Auch die Zitronenverbene führt in der Küche nur ein Schattendasein.

    Das bei weitem wichtigste Gewürz aus den beiden Amerikas sind aber Chilies bzw. Paprika, die zwar wahrscheinlich aus dem Amazonas-Gebiet bzw. aus Kolumbien stammen, die aber bereits vor Ankunft der Europäer in den Südstaaten der heutigen USA gehandelt wurden. Heute sind sie auf allen Kontinenten beliebt und besonders aus den tropischen Ländern Amerikas, Asiens und Afrikas nicht mehr wegzudenken.

    Einige weitere Pflanzen Nord-, Mittel- und Südamerikas sind auf diesen Seiten leider noch nicht enthalten. Dazu gehören:

    • Der Californische Lorbeerbaum (Umbellularia californica, Lauraceae) hat stark aromatische Blätter, die aber inzwischen selbst in den USA zugunsten des gewöhnlichen Lorbeers weitgehend vom Markt verschwunden sind.

    • Der Wohlriechende Fieberstrauch (Lindera bezoin, Lauraceae) ist in den östlichen Vereinigten Staaten heimisch. Alle Teile der Pflanze riechen stark und angenehm. Die getrockneten Früchte wurden in der Vergangenheit als Ersatz für Piment verwendet.

    • Bereits die frühen Siedler tranken Tee aus den Blättern von Wintergrün (Gaultheria procumbens, Ericaceae/Ericales/Cornidae), einem Zwergstrauch des nördlichen Nordamerika. Das ätherische Öl besteht fast ausschließlich aus Methylsalicylat (Salicylsäuremethylester) und spielt auch heute noch eine Rolle als Würze für spezielle Zuckerwaren in den USA und in Canada.

    • Monarde (Blumenmelisse, Monarda didyma und Verwandte, Lamiaceae), ist ebenfalls eine Teepflanze der Pionierzeit, die die Abhängigkeit vom teuer importierten Tee aus Asien verringerte (Boston Tea Party). Mit ihrem zitronenartigen, zugleich aber auch thymianhaft strengem Aroma eignet sich Monarde auch zum Kochen. Siehe auch Zitronenmelisse.

    • Auch aus nordamerikanischen Sumach-Arten (Anacardiaceae) lassen sich wohlschmeckende saure Getränke herstellen (z.B. Glatter Sumach, Rhus glabra), aber eine kulinarische Verwendung analog zu dem mediterranen Sumach ist mir nicht bekannt.

    • Anisysop (Agastache foeniculum, Lamiaceae) ist ein in Nordamerika heimischer Lippenblütler, der aber nicht besonders eng mit Ysop verwandt ist. Die breiten Blätter haben ein starkes Aroma nach Anis oder Süßholz, werden aber zum Kochen kaum genutzt. Bilder: Blatt, blühende Pflanze, Blütenstand.

    • Der sogenannte Weiße Zimt (Canella winterana, Canellaceae/Magnoliales) ist die Rinde eines in der Karibik und in Florida heimischen Baums. Weißer Zimt wird gelegentlich als Alternative zu echtem Zimt verwendet, obwohl mich weißer Zimt mit seinem scharf-aromatischen Geschmack eher an Galgant oder Kalmus erinnert. Bild: Blühender Zweig, Getrocknete Rinde (100 dpi).

    • Die Westindischen Lorbeerblätter (auch: Karibische Lorbeerblätter) stammen von Pimenta racemosa (Myrtaceae), nach manchen Quellen auch vom eng verwandten Pimentbaum. Sie haben ein starkes Nelkenaroma und werden vor allem auf Jamaica und Cuba verwendet.

    • Mexicanische Lorbeerblätter sind dagegen wieder etwas anderes und stammen von Litsea glaucescens (Lauraceae), einem eng mit dem echten Lorbeer verwandten Baum.

    • In Mittelamerika werden oft Kräuter wie „Oregano“ oder „Majoran“ in Kochbüchern erwähnt, aber ich nehme an, daß damit in erster Linie lokale Pflanzen gemeint sind. Mindestens zwei verschiedene Arten werden in der Literatur als „Mexicanischer Oregano“ bezeichnet: Poliomintha longiflora (Lamiaceae) und Lippia graveolens (Verbenaceae). Es gibt noch weitere aromatische Kräuter in den Gattungen Lippia, Plectranthus und Coleus (Lamiaceae), die lokale kulinarische Anwendungen gefunden haben.

    • Die in México heimische Pflanze Crotalaria longirostrata (Fabaceae) wird in der Küche der Provinz Oaxaca verwendet, wo der milde, bohnenartige Geschmack der frischen Blätter Suppen und tamales würzt. Einheimische Namen sind chepil, chipil und chipilín.

    • Der Name hierba de conejo („Kaninchenkraut“) bezieht sich auf ein Kraut, mit dem man in Tabasco und Veracruz Bohnenspeisen würzt. Die botanische Identität wird in verschiedenen Quellen mit Tridax coronpifolia (Asteraceae) und Castilleja lanata (Scrophulariaceae) angegeben.

    • Die herzförmigen Blätter von Peperomia pseudoalpina (Piperaceae) dienen in einigen Provinzen von Zentralméxico (Puebla, Veracruz, Oaxaca) als Gewürz. Sie heißen unter anderem tequelite und cilantro silvestre, wobei sich letzterer Name „Wald-Koriander“ auf den korianderartigen Geschmack und das wilde Vorkommen bezieht.

    • Ein weiteres korianderähnlich schmeckendes Gewürzkraut Mittelamerikas ist Porophyllum tagetoides (Asteraceae), in México unter anderem als pepicha, pipitza, tepicha und chepiche bekannt.

    • Der Peruanische Koriander (Porophyllum ruderale Asteraceae) heißt in México papalo oder papaloquelite und in Perú und Bolivien killi oder quillquiña. Sein Aroma wird in der Literatur als zwischen Korianderblättern und Rauke beschrieben, hat aber meiner Meinung nach von beiden nicht allzu viel. Die frischen Blätter werden wie Koriander verwendet, vor allem zu salsa (Bolivien: sarsa).

    • Der Gewürztagetes (Tagetes minuta und Tagetes elliptica, Asteraceae) ist ein typisches Gewürzkraut der bolivianischen und peruanischen Anden; in den Kochbüchern ist er meist mit seinem Quechua-Namen huacatay (Aymara wacataya) bezeichnet. Das Kraut hat ein eigenartiges, würzig-frisches Aroma und kann nur frisch verwendet werden; allerdings läßt sich eine pesto-ähnliche Paste (Salsa de Huacatay, black mint sauce) daraus bereiten, die das Aroma ganz gut bewahrt.

    • Ebenfalls aus Perú kommt die Zierpflanze Heliotrop (Sonnwendblume, Vanilleblume, Heliotropium arborescens, Boraginaceae), deren entfernt nach Vanille duftende Blüten in der europäischen Küche manchmal zum Würzen von Backwaren, Pudding oder Sorbets dienen. Bild: blühende Pflanze.

    • Die Erdnuß (Arachis hypogaea, Fabaceae) stammt aus Südamerika, wird aber mittlerweile weltweit als Ölpflanze oder als Quelle von pflanzlichem Protein angebaut. Geröstete Erdnüsse spielen in Westafrika und Südostasien (Thailand, Indonesien) eine große Rolle als Gewürz.

    • Die Gattung Ocotea (Lauraceae) enthält einige Bäume mit aromatischen Blättern, Rinden und Fruchtkelchen, die vor allem bei den im Amazonasgebiet heimischen Arten O. pretiosa und O. quixos nach Zimt riechen. Im 16. Jahrhundert ging eine große spanische Expedition auf der Suche nach diesem Gewürz fast bis zum letzten Mann zugrunde (siehe Annatto). Nach seiner Entdeckung konnte „Amerikanischer Zimt“ jedoch bis heute keine kulinarische Bedeutung erlangen, auch wenn die verwandte Art O. sassafras zur Gewinnung von Safrol in Brasilien kommerziell angebaut wird.

    • Das Süßblatt (Stevia rebaudiana) stammt aus dem Hochland von Paraguay und wird von der indigenen Bevölkerung traditionell als Süßungsmittel, vor allem für Mate-Tee, verwendet. Die frischen oder getrockneten Blätter schmecken intensiv süß, wofür Diterpen-Glycoside (Steviol, Steviosid) verantwortlich sind. Heute wird die Pflanze auch in Japan angebaut; Stevia-Extrakt spielt am japanischen Süßstoff-Markt eine große Rolle, konnte sich in anderen Ländern aber noch nicht durchsetzen.

    Australien

    Wenige australische Pflanzen haben es je zu wirtschaftlicher Bedeutung gebracht, wobei die Makadamia-Nuß (Macadamia integrifolia und M. tetraphylla, Proteaceae/Proteales/Rosidae) das wichtigste Beispiel ist. In Australien wachsen aber viele aromatische Pflanzen, von denen einige eine Rolle in den Küchen von morgen spielen könnten.

    Beide der hier aufgeführten Gewürze sind heute außerhalb Australiens kaum bekannt und noch viel weniger in Gebrauch, aber in unserer globalen Welt kann sich das rasch ändern. In Australien werden noch weitere einheimische Geschmacksmittel verwendet, die man als Gewürze bezeichnen könnte: Die erbengroßen getrockneten Beeren der Buschtomate (bush tomato, Solanum centrale, Solanaceae) haben einen komplexen Geschmack, der dem von italienischen sonnengetrockneten Tomaten nicht unähnlich ist, wenngleich weniger fruchtig und dafür würziger. Ein anderer Kandidat sind geröstete Akaziensamen (wattle seeds), die von verschiedenen Akazienarten stammen, z.B. Acacia victoriae, A. sophorae und A. murrayana (Mimosaceae/Fabales). Beide Pflanzen haben eine lange Geschichte traditioneller Verwendung durch die Aborigines.

    Aus Ozeanien sind mir keine speziellen Gewürze bekannt, doch gibt es eine auf Tahiti vorkommende Verwandte der Vanille. Der Ursprung der Kokospalme war lange Zeit bei Botanikern umstritten: Vielfach wurde ein ozeanischer oder pazifischer Ursprung angenommen, aber mittlerweile scheint es jedoch festzustehen, daß die Pflanze aus Asien stammt.



    Unicode Encoded Mit dem WDG validator validieren Mit dem Validome Validator validieren

    Rückmeldungen bitte an