• English This site is also available in English
  • Kontakt

    Top   Pflanzenteil   Familie   Aroma   Inhaltsstoffe   Herkunft   Etymologie   Diskussion   Bottom

    [ Pflanzenteil | Familie | Aroma | Inhaltsstoffe | Herkunft | Etymologie | Diskussion | Bottom ]

    Mohrenpfeffer (Xylopia aethiopica [Dun.] A. Rich.)

    Synonyme

    pharmFructus Xylopiae
    Arabischفلفل السودان
    فُلْفُل السُّودَان
    Fulful as-Sudan, Fulful al-Sudan, Hab az-Zelim, Hab al-Zelim
    DeutschSelimskörner, Senegalpfeffer, Kanipfeffer, Negerpfeffer
    EnglischNegro pepper, Grains of Selim, African grains of Selim, Moor pepper, Kani pepper, Senegal pepper
    EstnischEtioopia ksüloopia
    FranzösischPiment noir de Guinée, Kili, Graines de Selim, Poivre du Sénégal
    GriechischΑφρικάνικό πιπέρι
    Afrikaniko piperi
    Koreanisch크실로피아
    Kusillipia
    RussischКумба перец, Мавританский перец
    Kumba perets, Mavritanskij perets
    UngarischBorsfa, Arabbors
    IgboUda
    PolnischPieprz murzyński
    PortugiesischPimenta-da-áfrica, Pimenta-do-congo
    Xylopia aethiopica: Getrockneter Mohrenpfeffer
    Mohrenpfefferfrüchte wachsen in Büscheln

    Hinweis

    In westafrikanischen Kochbüchern (Kamerun) wird das Gewürz als kieng bezeichnet, aber ich weiß nicht, aus welcher Sprache diese Bezeichnung stammt.

    Verwendeter Pflanzenteil

    Früchte; die Balgfrüchte sehen wie kleine, leicht schraubig verdrehte Schoten aus: Sie sind dunkelbraun, zylindrisch, 2.5 bis 5 cm lang und 4 bis 6 mm breit; zwischen den Samen zeigen sie deutliche Einschnürungen. Jede Balgfrucht enthält 5 bis 8 nierenförmige Samen von etwa 5 mm Länge; nur die Fruchtwand, nicht aber der Same, ist aromatisch.

    Pflanzenfamilie

    Annonaceae.

    Geruch und Geschmack

    Aromatisch, etwas bitter und ziemlich scharf (etwa wie eine Mischung aus Kubebenpfeffer und Muskat). Für eine vergleichende Diskussion von bitteren Gewürzen siehe Zitwer.

    Mohrenpfeffer wird im Zuge des Trocknens auch oft geräuchert, was einen besonders attraktiven rauchig-pikanten Geschmack ergibt. Siehe auch schwarzen Cardamom für ein anderes Gewürz mit Rauchgeschmack.

    Inhaltsstoffe

    Das ätherische Öl des Mohrenpfeffers (2 bis 4.5%) besteht dominant aus Monoterpenen: Man fand β-Pinen, 1,8-Cineol, α-Terpineol, Terpinen-4-ol, Paradol, Bisabolene und andere. Eine andere Arbeit berichtet von Linalool, (E)-β-Ocimen, α-Farnesen, β-Pinen, α-Pinen, Myrtenol und β-Phellandrene, weiters Spuren von Vanillin und 3-Ethylphenol. (Journal of Agricultural and Food Chemistry, 47, 3285, 1999) (online)
    Xylopia aethiopica: Getrockneter Kilipfeffer
    Getrockneter Mohrenpfeffer

    Unter den nichtflüchtigen Inhaltsstoffen wurden tetracyclische Diterpene des Kaurantyps gefunden; die Kauranstruktur basiert auf dem Tetracyclo[11.2.1.01,10.04,9]hexadekan-Grundgerüst. Kaurane und die strukturell ähnlichen Kolavane und Trachylobane sind auch in der Rinde enthalten. (Phytochemistry, 21, 1365, 1982), (Phytochemistry, 36, 109, 1994)

    Das ätherische Öl der Stammrinde (0.85%) und der Blätter (0.5%) der südamerikanischen Art X. aromatica wurde auch untersucht. Das Rindenöl besteht hauptsächlich aus α-Pinen, trans-Pinocarveol, Verbenon und Myrtenol und unterscheidet sich damit bemerkenswert stark vom Blattöl (Spathulenol, Crypton, β-Caryophyllen und Limonen). (Planta medica, 60, 282, 1994)

    Herkunft

    Tropisches Afrika (Äthiopien bis Ghana), wo außer der Art X. aethiopica auch der Gestreifte Mohrenpfeffer (X. striata) in der lokalen Küche verwendet wird. In Südamerika hat der verwandte Burropfeffer (X. aromatica) ähnliche Anwendungen unter den brasilianischen Indios gefunden.

    Etymologie

    Xylopia ist eine Kontraktion aus griechisch xylon pikron [ξύλον πικρόν] „bitteres Holz“ und aethiopia bezieht sich auf die Herkunft des Baums (obwohl er tatsächlich in Ghana häufiger ist).

    Ausgewählte Links

    Southern Sky Botanicals: Indigenous Plants of Ghana Spearson Limited: Medicinal and Aromatic Plants Lists – Africa Identification of the Key Aroma Compounds in Dried Fruits of Xylopia aethiopica (purdue.edu) Aromates, épices et condiments du monde entier Gewürzamt: Mohrenpfeffer


    Xylopia aethiopica: Reifende Früchte von Kanipfeffer
    Unreife Mohrenpfeffer-Fruchtstände

    Quelle unbekannt

    Mohrenpfeffer wurde als Pfefferersatz im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa gehandelt, verschwand aber mit der allgemeinen Verfügbarkeit von aus Indien importiertem schwarzen Pfeffer im Laufe des 16. Jahrhunderts. Danach wurde er nur gelegentlich, nämlich zu Kriegs- und Notzeiten, in Europa verkauft – zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg bis etwa in die Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhundert. Soviel ich weiß, ist er heute außerhalb der Produktionsländer nur schwer zu bekommen.

    Der Begriff „Gewürz“ wird sehr oft mit „scharf“ assoziiert, aber es ist bemerkenswert, daß nur vergleichsweise wenige Pflanzen sich dazu eignen, Gerichten einen scharfen und beißenden Geschmack zu verleihen. Weiterhin muß festgehalten werden, daß der bekannteste Vertreter aller scharfen Gewürze, Chili, aus der Neuen Welt stammt und vor dem sechzehnten Jahrhundert in Europa, Asien und Afrika nicht zur Verfügung stand, obwohl er heute aus der Küche dieser Kontinente nicht mehr wegzudenken ist.

    Daraus wird auch klar, warum schwarzer Pfeffer als das „schärfste verfügbare Gewürz“ bis zum Ende des europäischen Mittelalters eine so bedeutende Stellung innehatte. Viele Gewürze wurden zu verschiedenen Zeiten als Pfefferersatz gebraucht, aber alle haben ihre Einschränkungen: Die Schärfe von Zwiebel, Knoblauch und Isothiocyanatdrogen (z.B. weißer Senf oder Kren) ist nicht kochfest; manche scharfe Gewürze sind nicht besonders ergiebig (Mönchspfeffer, Paradieskörner); an anderen wiederum stört der bittere Nebengeschmack (Kubebenpfeffer, Mohrenpfeffer). Die einzige wirklich funktionierende Alternative, langer Pfeffer, wurde wiederum zu einem noch höheren Preis als schwarzer Pfeffer gehandelt. Frischer Ingwer war im mittelalterlichen Europa nicht erhältlich, stellte aber die wichtigste Quelle von Schärfe für asiatische Köche dar.

    Es ist wenig offensichtlich, warum Menschen den scharfen Geschmack eigentlich so sehr lieben. Dazu gibt es einige verschiedene Erklärungsansätze: So soll Schärfe den unangenehmen Geschmack von nicht mehr ganz frischen Zutaten verdeckt haben, der hohe Preis des Pfeffers habe seinen Ruf als Statussymbol begründet oder die kulinarische Verwendung habe sich aus der medizinischen entwickelt. Wahrscheinlicher ist die Beliebtheit scharfer Gewürze jedoch rein biochemische Ursachen hat: Der Körper nimmt Schärfe als Schmerz wahr und reagiert mit der Bildung von Endorphinen, die neben ihrer analgetischen Wirkung auch stimulierende und euphorisierende Wirkung entfalten.

    Einige Gewürze erzeugen im Mund ein prickelnd-brennendes Gefühl, oft gefolgt von Taubheit. Dieser eigenartige Geschmack wird in vielen Büchern ebenfalls als „Schärfe“ bezeichnet, auch wenn ich ihn als etwas ganz anderes empfinde. Das bekannteste dieser Gewürze ist der ostasiatische Szechuanpfeffer; andere Beispiele sind der tasmanischer Pfeffer, der eurasische Wasserpfeffer und die südamerikanische Parakresse. In manchen Küchen werden diese Gewürze zur Erzielung ganz besonderer kulinarischer Effekte mit konventionellen scharfen Gewürzen kombiniert.



    Unicode Encoded Mit dem WDG validator validieren Mit dem Validome Validator validieren

    Zuletzt modifiziert am 5 Apr 2003
    Rückmeldungen bitte an