<
  • English This site is also available in English
  • Kontakt

    Top   Pflanzenteil   Familie   Aroma   Inhaltsstoffe   Herkunft   Etymologie   Diskussion   Bottom

    [ Pflanzenteil | Familie | Aroma | Inhaltsstoffe | Herkunft | Etymologie | Diskussion | Bottom ]

    Schabziegerklee (Trigonella caerulea [Desr. ex Lam.] Ser.)

    Synonyme

    Trigonella caerulea/coerulea: Schabzigerklee-Blüte
    Blühender Schabziegerklee
    botTrigonella coerulea, Trigonella melilotus-caerulea, Melilotus caeruleus, Trifolium caeruleum, Grammocarpus caeruleus
    DänischMølurt
    DeutschBlauer Steinklee, Blauklee, Bisamklee, Brotklee, Hexenkraut, Ziegerkraut, Zigerchrut, Ziegerklee, Käseklee, Blauer Honigklee
    EnglischBlue-white clover, Blue-white trigonella, Blue fenugreek, Sweet trefoil, Curd herb, Blue melilot
    EstnischSinine lambalääts
    FinnischSinisarviapila, Sinihärkylä
    FranzösischTrigonelle bleue, Mélilot bleu, Baumier, Trèfle musque, Trèfle bleu, Lotier odorant, Mélilot d'Allemagne
    ItalienischBalsamo, Loto domestico, Meliloto azzurro, Fieno-greco ceruleo
    LettischZilais sierāboliņš
    NiederländischZevenjaargetijden klaver, Honingklaver soort, Zevengetijdeklaver
    PolnischKozieradka błękitna
    PortugiesischTrevo-azul
    RumänischMolotru albastru, Sulcină albastră
    RussischПажитник голубой
    Pazhitnik goluboj
    SchwedischBlåväppling
    SpanischMeliloto azul
    TschechischPískavice modrá
    Trigonella caerulea: Blühender Schabzigerklee
    Blühender Schabziegerklee

    www.rz.uni-karlsruhe.de

    Trigonella caerulea: Schabzigerklee-Pflanze
    Schabziegerklee-Pflanze

    Verwendeter Pflanzenteil

    Alle oberirdischen Pflanzenteile, bei der Blüte geerntet und immer getrocknet verwendet.

    Pflanzenfamilie

    Fabaceae (Schmetterlingsblütengewächse)

    Geruch und Geschmack

    Getrockneter Schabziegerklee riecht angenehm-würzig, ähnlich dem eng verwandten Bockshornklee, aber milder.

    Inhaltsstoffe

    Nach einer allerdings etwas älteren Arbeit sind α-Keto-Säuren wie Brenztraubensäure, α-Ketoglutarsäure, α-Ketoisovaleriansäure und sogar α-Ketoisocapronsäure für den typischen Geschmack des Schabziegerklees verantwortlich. (Gordian, 86, 9, 1986)
    Das ist erstaunlich; bei Betrachtung nahe verwandter Arten hätte man eher auf Heterocyclen (wie beim Bockshornklee) oder Coumarin (wie in der verwandten Gattung Honigklee, Melilotus) getippt. Andererseits ist es bekannt, daß α-Ketosäuren bei der Lagerung von Wein zu heterocyclischen Aromastoffen weiterreagieren können. (Journal of Agricultural and Food Chemistry, 43, 2616, 1995)

    Leider gibt es keine neueren wissenschaftlichen Arbeiten zum Aromaprofil dieses Gewürzes.

    Die Samen von Schabziegerklee enthalten (ebenso wie die des Bockshornklees) Diosgenin-Glycoside.

    Herkunft

    Den Schabziegerklee findet man außer in den Alpen noch in den Gebirgen Ost- und Südosteuropas sowie dem Kaukasus.

    Etymologie

    Schabziegerklee (in der Schweiz meist Schabzigerklee geschrieben) ist nach seiner Verwendung in der Käseherstellung benannt: Das Wort Ziger, heute nur noch in der Schweiz gebräuchlich, bezeichnet die von der Molke getrennten Milchproteine, die man in Österreich allgemein als Topfen und in Deutschland als Quark kennt. Seine Herkunft ist umstritten.
    Trigonella caerulea: Brotkleeblüte
    Blütenkopf des Schabziegerklees

    Die meisten anderen Namen dieser Pflanzen spielen auf die auffällig blauen Blüten an, durch die sich der Schabziegerklee von seinen Verwandten in den Gattungen Trigonella, Trifolium und Melilotus unterscheidet. Beispiele für das Adjektiv „blau“ in den obigen Namen sind schwedisch blå, italienisch azzurro, lateinisch caeruleus (coeruleus, zu coelum „Himmel“), polnisch błękitny und estnisch sinine.

    Andere Namen wiederum sind durch den aromatischen Geruch motiviert, z.B. italienisch balsamo (siehe Zitronenmelisse für die Etymologie von „Balsam“) oder französisch trèfle musque „Moschusklee“ (siehe Muskat über „Moschus“) und lotier odorant „duftender Klee“.

    Ausgewählte Links

    Gewürzkontor Condimento: Schabzigerklee Öko-Brotgewürz Schabzigerklee Hobbybäcker-Versand: Brotklee aus Südtirol Bäckerei Pinzer: Südtiroler Brotklee brotklee.it — Zigainerkraut — Brotklee


    Trigonella caerulea: Südtiroler Brotklee
    Schabziegerklee aus Südtirol (Brotklee)
    Schabziegerklee ist ein in den Alpen heimisches Würzkraut, das außerhalb des Alpenraums kaum bekannt ist. Es dient zum Würzen typisch alpiner Nahrungsmittel: In den Westalpen (Schweiz) setzt man es einigen wenigen Käsearten zu, und in den südlichen Ostalpen (Südtirol) verleiht es lokalem Roggengebäck einen charakteristischen Geschmack.

    Obwohl Käseherstellung in einer weiten Region von Irland bis Zentralasien, oder von Norwegen bis Nordafrika, betrieben wird, so haben doch die Länder West- und Mitteleuropas und besonders der Alpenraum die größte Vielfalt an unterschiedlichen Käsesorten hervorgebracht. Das hat verschiedene Gründe: Milchwirtschaft wird in Mittel- und Nordeuropa wegen der traditionell dünnen Besiedelung und der allgemeinen Toleranz für Milchzucker (Lactose) seit Jahrtausenden betrieben, und so hat auch die Konservierung des Milchproteins als Käse eine sehr lange Tradition. Darüberhinaus schuf die starke geographische Gliederung des gebirgischen Lebensraums die Möglichkeit zur Etablierung kleinräumiger Käsetraditionen und damit zu einer enormen Sortenvielfalt.
    Trigonella caerulea: Brotklee-Blüten
    Schabziegerklee-Blüten

    Milch enthält zwei verschiedene Typen von Proteinen: Casein (Kasein), das bei Behandlung mit Säure oder Labenzym ausflockt, und die löslichen Molkenproteine (Lactoglobuline). Die meisten Käse bestehen aus dem Casein, das nach dem Ausfällen partiell getrocknet und nach verschiedenen Verfahren gereift wird. Zumeist erfolgt die Reifung mit verschiedenen, oft nur lokal vorkommenden Bakterien; manche Käse werden aber auch zusätzlich mit Schimmelpilzen (oft Penicillum-Arten) geimpft, was ihnen ein besonders starkes Aroma verleiht.

    Gewürze spielen bei der Käsebereitung eher eine geringe Rolle. Zwar gibt es einige mit Knoblauch oder zumeist grünem Pfeffer gewürzte Weichkäsesorten, aber andere Gewürze kommen eher selten zum Einsatz. In Süddeutschland kennt man einige mit Kümmel gewürzte Käsesorten; angeblich verwendet man in Frankreich und Holland gelegentlich Kreuzkümmel, aber einen solchen Käse habe ich selbst noch nie gesehen. In Ungarn gibt es natürlich Paprikakäse; der englische cheddar verdankt seine gelbe Farbe den Annattosamen. Besonders Frischkäse wird oft oberflächlich mit getrockneten Kräutern behandelt, vor allem im Mittelmeerraum (Oregano, Thymian).
    Trigonella caerulea: Schabziegerkäse
    Schabzigerkäse

    Der Schabzigerkäse ist eine Spezialität der kleinen Region um Glarus im gleichnamigen Schweizer Kanton. Dieser Hartkäse wird zweimal gereift und danach mit gemahlenem Schabziegerklee gewürzt, dem er außer dem würzigen Geschmack auch seine blaßgrüne Farbe verdankt. Schabziger wird zumeist, wie auch andere Hartkäsesorten, gerieben als Würze verwendet: So kann er als ungewöhnliche und sehr kräftige Alternative zum italienischen parmigiano für Nudelgerichte verwendet werden, oder man würzt vegetarische Nudelfüllungen damit; in der Schweiz vermischt man ihn auch mit Butter zu einem Brotaufstrich.

    Sieht man von Brotaufstrichen auf der Basis von Frischkäse ab, so werden nur sehr wenige andere Käsesorten mit Schabziegerklee aromatisiert. Überhaupt verwendet man ihn nur sehr selten im Haushalt, obwohl er zum Würzen einiger regionaler Schweizer Kartoffelspeisen gebraucht wird (und dabei eine sehr gute Figur macht). Ich habe gelesen, Schabziegerklee sei eine Komponente in der georgischen Gewürzmischung khmeli-suneli (siehe Majoran), aber das halte ich eher für eine Verwechslung mit dem getrockneten Kraut des Bockshornklees, obwohl Schabziegerklee in Georgien tatsächlich wild vorkommt.
    Trigonella caerulea: Schabzigerklee, Blütenköpfchen
    Blütenstand des Schabziegerklees

    www.rz.uni-karlsruhe.de

    Schabziegerklee taucht aber auch in einer ganz anderen alpinen Spezialität auf, nämlich gewissen südalpinen Broten. Schabziegerklee, auch als Brotklee bezeichnet, wird vor allem in Südtirol (Vintschgau, Pustertal) in sehr geringen Mengen dem Teig von Roggenbroten (Schwarzbrot) oder Roggenbrotfladen zugesetzt. Die ohnehin bereits recht geschmacksintensiven Brote erhalten durch den Schabziegerklee eine ganz besondere, würzige Note. Für diese Verwendung wird die Pflanze nach einem speziellen Verfahren getrocknet, wobei das Aroma durch Fermentation verstärkt wird.

    Schwarzbrot ist generell für die klimatisch weniger begünstigten Teile Europas typisch, da der Roggen hier besser als der Weizen gedeiht. Durch das Fehlen von Kleber (jenem Protein, das Weizenbrotteig elastisch macht) sind Schwarzbrote typischerweise dicht und viel härter als die helleren Weizenbrote; außerdem haben sie einen „dunklen“, erdigen Geschmack, den die damit Aufgewachsenen lieben und in der weißbrotgewohnten Fremde vermissen. Wegen des stärkeren Grundgeschmackes enthalten Schwarzbrotteige oft auch Gewürze, z.B. Kürbissamen, Koriander, Fenchel und Kümmel.

    Im Rest Europas und der Welt wird Brot dagegen zumeist aus Weizenmehl herstellt (Weißbrot); es gibt unzählige regionale Varianten, die sich in der Zusammensetzung des Teiges, dem Fermentationsvorgang und etwaigen Zusätzen wie Milchprodukten, Kartoffeln oder Olivenöl unterscheiden. Weißbrotprodukte werden vor dem Backen oft mit nussig schmeckenden Samen bestreut (Mohn, Sesam und viele andere); manchmal setzt man auch dem Teig würzende Mittel zu, wie geröstete Zwiebeln oder Knoblauch. Im östlichen Mittelmeergebiet gibt es auch Weißbrote, deren Teig mit den gemahlenen Kernen der Felsenkirsche aromatisiert oder die mit Nigellasamen bestreut werden. Im indischen Himalaya aß ich einmal Brot, das auf ähnliche Weise mit Adiowan-Samen gewürzt war, aber das war wohl eher eine Ausnahme und nicht typisch für die Küche in Ladakh.



    Unicode Encoded Mit dem WDG validator validieren Mit dem Validome Validator validieren

    Zuletzt modifiziert am 26 Oct 2002
    Rückmeldungen bitte an