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    Gewürznelke (Syzygium aromaticum [L.] Merr. et Perry)

    Synonyme

    Syzygium aromaticum: Pohon cengkeh afu
    Alter Gewürznelkenbaum auf Ternate
    Syzygium aromaticum/Myristica fragrans: Monas Kota Ternate / Maluku Utara / Indonesia
    Denkmal für Muskat und Nelke am Hauptplatz von Ternate
    Syzygium aromaticum: Nelkenbäume in Sulawesi
    Nelkenbäume in Nordsulawesi
    pharmFlores Caryophylli
    botEugenia caryophyllata, Caryophyllus aromaticus
    Amharischቅርንፉድ
    Krinfud
    Arabischكبش قرنفل
    كَبْش قَرُنْفُل, كَبْشُ قَرَنْفُل
    Kabsh qarunfil, Kabsh qaranful
    ArmenischՉոր Բողբոջ
    Chor Poghpoch, Chor Boghbojh, Chor Bolboj
    AssamesischLaung
    AzeriMixək
    Михәк
    BaskischIltze-kanela
    BengaliLavanga, Labango
    BulgarischКарамфил
    Karamfil
    BurmesischLey nyim bwint, Lay-hnyin
    Chinesisch
    (Kantonesisch)
    丁香 [dìng hèung]
    Ding heung
    Chinesisch
    (Mandarin)
    丁香 [dīng xiāng]
    Ding xiang, Ting hsiang
    DänischNellike, Kryddernellike
    DeutschNelke
    Dhivehiކަރަންފޫ
    Karanfoo
    EnglischClove
    EsperantoKariofilo
    EstnischHarilik nelgipuu, Nelk
    Farsiمیخک
    Mikhak
    FinnischNeilikka
    FranzösischClou de girofle
    GalizischCravo, Cravo de Olor
    Georgischმიხაკი
    Mikhaki, Mixaki
    GriechischΓαρίφαλο, Γαρύφανο, Καρυόφυλλα, Μοσχοκάρφι, Γαρύφαλλο
    Garifalo, Kariofilla, Moschokarfi, Garyfano, Garifano, Karyofylla, Garyfallo, Garifallo
    GujaratiLavang
    Hebräischציפורן
    Tsiporen
    HindiLaung, Lavang
    IndonesischCéngké, Cengkeh
    IsländischNegull
    ItalienischChiodo di garofano
    Japanisch丁字
    ちょうじ
    チョウジ, クローブ
    Chōji, Choji, Kurobu
    Kannadaಲವಂಗ
    Lavanga, Krambu
    KasachischКалампыр, Қалампыр
    Kalampır, Qalampır
    KatalanischClau
    KhmerKhan pluu, Khlam puu
    Koreanisch정향, 정향나무, 클로브
    Jeonghyang, Chonghyang, Jeonghyang-namu, Chonghyang-namu, Kullobu
    KroatischKlinčić
    LaotischKan phou, Dok chan, Kan phu
    LettischKrustnagliņas
    LitauischGvazdikėliai, Kvapnusis gvazdikmedis
    MalayalamGrampu, Krambu, Lavanga
    MalaysischBunga cengkeh
    Marathiलवंग
    Lavang
    Nepaliल्वाङ्ग
    Lwang
    NiederländischKruidnagel
    NorwegischNellik
    OriyaLabanga
    PashtoKala
    PolnischGoździków korzenny, Goździki, Goździki (Plural)
    PortugiesischCravinho; Craveiro-da-índia (Baum); Cravo-da-índia (Brasilien)
    Punjabiਲੌਂਗ
    Laung
    RumänischCuișoareCuişoare
    RussischГвоздика
    Gvozdika
    SanskritShriisanjnan, Lavanga
    SchwedischNejlikor, Kryddnejlikor
    SinghalesischKarabu nati
    SlovenischDišeči klinčevec, Klinčki, Nageljnove žbice
    SlowakischKlinček
    SpanischClavo, Clavo de olor
    SrananNagri
    SwahiliKarafuu
    TagalogClovas de comer, Klabong pako
    Tamilகராம்பு
    Graambu, Krambu, Karambu
    Teluguలవంగాలు, లవంగము
    Lavangalu, Lavangamu
    Thaiกานพลู
    Khan plu, Garn ploo, Kanphlu
    TschechischHřebíček
    TürkischKaranfil
    UrduLoung
    UngarischSzegfűszeg, Szegfű
    VietnamesischĐinh hương
    Dinh huong
    Syzygium aromaticum: Gewueznelke
    Gewürznelken
    Syzygium aromaticum: Frisch geerntete Gewuerznelken
    Zum Trocknen ausgebreitete frischgeerntete Nelken

    Verwendeter Pflanzenteil

    Blütenknospen. Auch aus den Blättern läßt sich ein ätherisches Öl gewinnen, aber ich kenne keine kulinarische Verwendung der Blätter (obwohl sie potentiell sicher interessant wären). Die reifen Früchte (Mutternelken) werden nur in den Anbaugebieten genutzt.

    Pflanzenfamilie

    Myrtaceae (Myrtengewächse).
    Syzygium aromaticum: Trocknende Nelken in Zanzibar
    Trocknende Gewürznelken in Sansibar

    Photo © Nicole Meyer

    Geruch und Geschmack

    Intensiver, stark aromatischer und süßer Geruch, starker und brennender Geschmack.

    Inhaltsstoffe

    Gewürznelken können bis zu 15% ätherisches Öl enthalten. Das Aroma des Öls wird vom Eugenol (70 bis 85%) bestimmt, weiters sind Eugenolacetat (15%) und β-Caryophyllen (5 bis 12%) enthalten; diese drei Verbindungen allein machen etwa 99% des ätherischen Öls aus.

    In den Gewürznelken finden sich weiters 2% des Triterpens Oleanolsäure.

    Herkunft

    Der Nelkenbaum ist in den Nordmolukken (Indonesien) einheimisch und wurde von alters her auf den Inseln Ternate, Tidore, Bacan und der Westküste Halmaheras kultiviert. Die Holländer verbreiteten den Baum auch zu anderen Inseln der Region (vor allem Ambon), aber erst nach dem Ende des holländischen Monopols wurde die Pflanze auch in andere Ländern eingeführt.
    Syzygium aromaticum: Sultanat von Pemba und Zanzibar (Staatsflagge)
    Die Flagge des ehemaligen Sultanats von Pemba und Sansibar

    Das bedeutendste Anbaugebiet ist heute die Insel Pemba, die zusammen mit Sansibar einen Teil des Staates Tansania bildet. Die ganze Insel ist mit Nelkengärten bedeckt, und angeblich riecht man ihre Nähe, sobald man sich ihr auf einem Schiff nähert. Das kurzlebige Sultanat von Sansibar und Pemba (1963–1964) hatte zwei Nelkenknospen in der Staatsflagge. Auch andere Inseln östlich von Afrika produzieren Nelken, vor allem Madagaskar.

    In Indonesien ging die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg stark zurück, so daß sogar Nelken eingeführt werden mußten. Seit den 80er Jahren ist Indonesien wieder ein bedeutender Nelkenproduzent, auch wenn relativ wenig von der indonesischen Ernte in den Export gelangt.

    Etymologie

    Der Name Nelke leitet sich von Nagel her, da die Knospen in der Form an Nägel erinnern. Analoge Namen kann man auch in anderen germanischen und germanisch beeinflußten Sprachen finden: Norwegisch nellik, dänisch nellike, isländisch negull, schwedisch neijlikor, holländisch nagel, finnisch neilikka, estnisch nelgi und Sranan nagri.
    Syzygium aromaticum: Mutternelke
    Nelkenbaum mit Mutternelken

    Das Wort Nagel (althochdeutsch nagal) hat Verwandte in praktisch allen indoeuropäischen Sprachen und bedeutet primär „Finger- oder Zehennagel“; die Bedeutung „(Metall-)Stift mit flachem Kopf“ ist sekundär und auf germanische Sprachen beschränkt: altirisch ingen, lateinisch unguis „Nagel“, lettisch nags „Huf“, griechisch onyx [ὄνυξ] „Kralle“, Sanskrit anghri [अंघ्रि] „Fuß“. Die zugrundeliegende indoeuropäische Wurzel läßt sich wegen des schwankenden Vokalismus nur ungefähr angeben: ONGH- bzw. NOGH- „Nagel, Kralle“.

    Die Bezeichnung von Gewürznelken als „Nägel“ oder „Nagelgewürz“ findet sich auch in anderen Sprachen. Ein Beispiel dafür sind die Namen von Nelken in einigen Sprachen West- und Zentralasiens: Georgisch mikhaki [მიხაკი], Azeri mixək und Farsi mikhak [میخک] hängen mit Azeri mıx und Farsi mikh [ميخ] „Nagel“ zusammen. Letztlich stammt der Name wahrscheinlich aus einer altaischen Sprache, vgl. türkisch mıhlamak und Uighur mih oder mihlimaq „Nagel“

    Auf ähnliche Weise hat auch das hebräischen tsiporen [ציפורן] die doppelte Bedeutung „Gewürznelke“ und „Fingernagel“, obwohl das Hebräische natürlich nicht mit den zuvor erwähnten Sprachen verwandt ist. In seiner althebräischen Form tsipporen [צפרן] tritt das Wort auch im Alten Testament auf, allerdings nur in den Bedeutungen „Fingernagel“ und „Spitze“, aber nicht für das Gewürz. Gewürznelken erreichten den Mittelmeerraum wahrscheinlich erst im ersten oder zweiten Jahrhundert vor Christus.

    Noch eine weitere nicht verwandte Sprache benennt Gewürznelken nach Nägeln: Das baskische iltze-kanela bedeutet wörtlich „Zimt-Nagel“ (iltzatu „Nagel“); Das Gewürz wurde also zugleich nach seiner Form und, wenn auch etwas ungenau, nach seinem Geruch benannt. Siehe indonesischen Zimt für die Etymologie des zweiten Wortbestandteiles.

    Schwedisch kryddnejlikor oder niederländisch kruidnagar sind verstärkende Bildungen ganz analog zu Gewürznelke; für die ersten Bestandteil siehe Bohnenkraut bzw. Beifuß.
    Syzygium aromaticum: Ternate Molukken/Maluku Indonesien
    Blick auf die Insel Ternate von Tidore
    Syzygium aromaticum: Kota Ternate from Gamalama
    Ternate City
    Syzygium aromaticum: Nelkenblüten
    Gewürznelkenblüten

    Englisch clove „Gewürznelke“ hat einige Verwandte in romanischen Sprachen: Spanisch clavo, katalanisch clau, portugiesisch cravinho (vgl. auch Tagalog clovas). Auch diese Namen tragen Assoziationen zu Nägeln: Lateinisch clavus „Nagel“. Das englische clove hat auch die Bedeutung „Zehe“ in der Formulierung „eine Zehe Knoblauch“; diese beiden Bedeutungen sind verwandt und lassen sich semantisch auf das Spalten (engl. cleave) zurückführen. Genauere Betrachtung zeigt, daß unser deutsches Wort „Knoblauch“ ebenfalls zu dieser Sippe gehört (siehe dort über weitere etymologische Zusammenhänge von clavus).

    Aus dem Altgriechischen ist der Name karyophyllon [καρυόφυλλον] für die Gewürznelke überliefert; dabei scheint es sich um eine Zusammensetzung aus karyon [κάρυον] „Nuß“ und phyllon [φύλλον] „Blatt“ zu handeln. Allerdings sind die meisten Namen für Importgewürze im Altgriechischen den Sprachen der jeweiligen Händler entlehnt, z.B. Zimt, Kassie, Sesam, langer Pfeffer, Malabathron und Ingwer; daher hege ich Zweifel am griechischen Ursprung dieses Namens. Wahrscheinlicher ist die volksetymologische Umdeutung eines süd- oder südostasiatischen Lehnwortes. Als Quelle kommen vor allem Sprachen Indiens in Betracht; so gibt es z.B. im Sanskrit den Namen katuka phala [कटुक फल] „scharfe Frucht“ (oder spezieller „scharfes Muskat“) für eine leider nicht identifizierte Pflanze. Da Nelken vorwiegend an den Häfen Südindiens gehandelt wurden, ist es interessant, daß in einigen Sprachen der Region sehr ähnliche Namen für Nelken existieren: Tamil karambu [கராம்பு] und Malayalam karayanpu [കറയാന്പൂ]. Vergleiche auch Thai kanphlu [กานพลู] und Sinhala karabu nati [කරාබු නැටි]; dagegen ist japanisch kurobu [クローブ] aus dem Englischen entlehnt.

    Das altgriechische karyophyllon [καρυόφυλλον] ist nicht nur im neugriechischen garifalo [γαρίφαλο] „Gewürznelke“ erhalten, sondern erreichte über das lateinische gariofilum auch einige moderne romanische Sprachen (italienisch garofano, französisch girofle). Weiters in diese Sippe gehören türkisch karanfil, bulgarisch karamfil [карамфил], kasachisch qalampır [қалампыр], Dhivehi karanfoo [ކަރަންފޫ], Swahili karafuu und einige Namen in semitischen Sprachen: Arabisch qaranful [قرنفل] und amharisch krinfud [ቅርንፉድ].

    In einigen Sprachen teilen die Gewürznelken einen Namen mit der duftenden Zierpflanze Dianthus caryophyllatus, so z.B. deutsch Nelke, italienisch garofano, griechisch garifallo [γαρύφαλλο] und russisch gvozdika [гвоздика]. Im Englischen kennt man die Zierblume auch als gillyflower; dieses Wort hängt etymologisch mit griechisch karyophyllon zusammen und ist daher mit den im vorigen Absatz genannten Namen für Gewürznelken verwandt.

    Eine andere Gruppe von Namen für Nelken findet man in Indien, z.B. Urdu lung [لونگ], Hindi und Punjabi laung [लौंग, ਲੌਂਗ], Bengali labango [লবংগ] und Telugu lavangalu [లవంగము]. Für diese Namen wird meist ein malaiischer Ursprung vermutet, obwohl Nelken in modernem Indonesisch und Malay cengke heißen. Vgl. aber Tagalog klabong.
    Syzygium aromaticum: Gewürznelkenschiff
    Modell eines Segelschiffes aus Gewürznelken (Molukken-Kunsthandwerk)

    Auf Tamil und Malayalam bedeutet ilavangam [இலவங்கம், ഇലവംഗം] überraschenderweise jedoch „Zimtbaum“. Manche Wörterbücher listen allerdings auch „Nelke“ als Nebenbedeutung.

    Der botanische Gattungsname Syzygium leitet sich von griechisch syn [σύν] „zusammen, mit“ und zygon [ζυγόν] „Joch“ (von zeugnynai [ζευγνύναι] „verbinden“) ab. Diese Benennung bezieht sich auf die Blütenblätter, die zu einer haubenartigen Struktur verwachsen sind.

    Die chinesische Bezeichnung für Gewürznelken ist ding xiang [丁香], auch als ting hsiang oder ähnliches transkribiert und als dinh huong [đinh hương] ins Vietnamesische und als chong-hyang [정향] ins Koreanische entlehnt. Dabei steht xiang“ einfach für „Gewürz, Wohlgeruch“. Dieses Zeichen ist oft Bestandteil der Namen von Gewürzen oder aromatischen Zubereitungen und kommt auch im Namen Hongkong vor (kantonesisch heung gong, Mandarin xiang gang [香港] „duftender Hafen“). Der Bestandteil ding“ bedeutet meist „klein“ und bezeichnet übrigens auch eine Schneidetechnik, Fleisch in ziemlich kleine Stücke zu schneiden; andere mögliche Bedeutungen sind „vier“ oder ein männlicher Vorname. Somit ergibt sich die Bedeutung von ding xiang wohl einfach als „kleines aromatisches Ding“.

    In manchen Büchern wird ding xiang allerdings als „Nagel-Gewürz“ interpretiert. Ich vermute, daß hier einfach eine Verwechslung mit dem homophonen ding [] „Nagel“ vorliegt. Allerdings könnten die beiden ding-Wörter miteinander verwandt sein; immerhin kann man mit einem Nagel einen Gegenstand spalten, um kleinere Teile zu erhalten. Möglicherweise hat sich auch die Schreibung verändert: Ich kann nicht ausschließen, daß Nelken früher einmal als 钉香 geschrieben wurden; aber für all das habe ich keine Belege gefunden. Folglich halte ich die Bedeutung „Nagel-Gewürz“ für ding xiang [丁香] für ziemlich zweifelhaft.

    Ausgewählte Links

    A Pinch of Cloves (www.apinchof.com) The Epicentre: Cloves Chinese Herb Database: Cloves Medical Spice Exhibit: Cloves chemikalienlexikon.de: Acetyleugenol Transport Information Service: Cloves Sorting Syzygium names (www.plantnames.unimelb.edu.au) The Mythic Chinese Unicorn zhi: The Cinnamon Route (via web.archive.org) The Economist: A Taste of Adventure


    Syzygium aromaticum: Nelken-Blüte
    Nelken-Blüte

    Gama lama auf Ternate / Maluku Utara / Indonesia
    Der Vulkan Gamalama dominiert die ganze Insel Ternate
    Gewürznelken sind ein uraltes Gewürz und wurden wegen ihres außergewöhnlich starken Aromas seit jeher von Köchen in Europa, Nordafrika und dem größten Teil Asiens sehr geschätzt.

    Der Handel zwischen der „Nelkeninsel“ Ternate und dem kaiserlichen China läßt sich mindestens 2500 Jahre zurückverfolgen. Nelken wurden im alten China nicht nur zum Kochen verwendet (s.u.), sondern auch zur Desodoration der Raumluft; wer sich um eine Audienz beim Kaiser bemühte, mußte zuerst eine Nelke kauen, um etwaigen Mundgeruch zu vertreiben. Arabische Händler brachten die Gewürznelken noch in der Spätantike nach Europa, wo sie teuer gehandelt wurden.

    Als die Europäer in der frühen Neuzeit schließlich die sagenhaften Gewürzinseln gefunden hatten, versuchten sie mit allen Mitteln, die Gewürzversorgung zu sichern. Dem staunenden Besucher zeigen sich heute auf der kleinen Insel Ternate (9 km Durchmesser) Forts aller Seefahrernationen Europas: Mindestens zehn Befestigungen portugiesischen, spanischen, englischen und schließlich holländischen Ursprungs haben sich bis heute zumindest in Trümmern erhalten. Letztlich gewannen die Holländer die Vorherrschaft und erhielten das ganze 17. Jahrhundert über ein Monopol aufrecht, das ihnen enorme Profite garantierte.

    Doch haben die Holländer auf Ternate viel weniger Spuren hinterlassen als auf den muskatproduzierenden Banda-Inseln. Immer noch bewohnt der islâmische Sultan der Insel seinen mit chinesischem Porzellan aller Epochen geschmückten Palast (kraton), opfert traditionsbewußt auch hinduistischen Göttern und besteigt bei einem drohenden Ausbruch des Inselvulkans Gamalama (1700 m) sein magisches Kanu, um den Berg durch dreimaliges Umrudern der Insel zu besänftigen, wie es bereits seine Vorfahren in hinduistischer und vorhinduistischer Zeit getan haben mögen. Man sollte sich aber von diesem Bild idyllischer Rückständigkeit nicht täuschen lassen; Ternate ist wirtschaftlich produktiv, fungiert als Verwaltungszentrum für die Nordmolukken und der Sultan ist als Repräsentant der indonesischen Regierung auch oft mit internationalen Missionen betraut. Letztlich habe ich kaum einen anderen Ort in Indonesien gesehen, dessen Bewohner einen so ausgeprägten Lokalpatriotismus zeigen.

    Erstaunlicherweise werden Gewürznelken heute in der Küche der Molukken nicht (oder zumindest äußerst selten) verwendet; in ganz Indonesien sind sie gar kein wichtiges Gewürz. Dennoch verbrauchen Indonesier mehr als 50% der Welternte. Aber, oh weh!, nicht zum Essen, sondern zum Rauchen: Die mit Nelken aromatisierten Zigaretten (kretek, Nelkenzigaretten) sind extrem beliebt und so gut wie jeder (männliche) Indonesier raucht sie mit Begeisterung. Ihr süßlicher, räucherstäbchenartiger Duft liegt über allen indonesischen Restaurants, Bussen, Märkten und Büros (siehe Tonka über gewürzten Tabak).
    Syzygium aromaticum: Filter Kretek Cigarettes Gudang Garam International
    Indonesische Gewürznelkenzigaretten (kretek)

    Es ist nicht möglich, alle Küchen, in denen Nelken verwendet werden, aufzuzählen; sie sind bei den Chinesen beliebt, spielen eine wichtige Rolle in Sri Lanka, werden in großem Umfang von der mogulischen Küche Nordindiens genutzt (siehe auch schwarzer Kreuzkümmel), erfreuen sich großer Beliebtheit im Mittleren Osten und in vielen arabischen Ländern und sind ein übliches Gewürz in Nordafrika. In all diesen Ländern liebt man sie vor allem zu Fleischspeisen; oft würzt man auch Reis mit ein oder zwei Nelken. In Äthiopien wird Kaffee oft zusammen mit einigen Nelken in der sogenannten „Kaffeezeremonie“ geröstet (siehe dazu auch Cardamom). Nur in Europa scheint ihr starker Geschmack wenig Anklang zu finden; Man verwendet sie vor allem zu Süßspeisen, allen voran zu Kompotten (oft zusammen mit Zimt). Gekochter Reis wird oft mit Nelken gewürzt. In Frankreich fügt man Nelken häufig langsam gekochten Eintöpfen oder schmackhaften Fleischbrühen hinzu; in England verwendet man sie dagegen besonders zu eingelegtem Gemüse (pickles).

    Es wird nicht überraschen, daß auch viele Gewürzmischungen Nelken enthalten. Sie sind eine essentielle Zutat zu dem chinesischen Fünf-Gewürze-Pulver (siehe Sternanis), tauchen oft im Curry-Pulver auf (siehe Curryblätter), bestimmen den Charakter der mogulischen Variante des nordindischen garam masala (siehe Kreuzkümmel) und sind auch im arabischen baharat (siehe Paprika) enthalten. Als Beispiele für den weißafrikanisch-arabischen Raum seien das marokkanische ras el hanout (siehe Kubebenpfeffer), das tunesische gâlat dagga (siehe Paradieskörner) und das äthiopische berbere (siehe langer Pfeffer) genannt. Auch die klassisch französische Mischung quatre épices (siehe Muskat) enthält Nelken. Letztlich sind Nelken auch in México in die einheimische Küche eingegangen (siehe Paprika über mole-Saucen).

    Der Geschmack der bekannten Worcestershire Sauce (auch Worcester geschrieben), eines anglo-indischen Beitrages zur internationalen Küche, ist ebenfalls von Nelkenaroma bestimmt. Die Sauce besteht aus verschiedenen Gewürzen (neben Nelken häufig noch Knoblauch, Tamarinde, Paprika oder Chilies), weiters Fischextrakt, manchmal Sojasauce, Melasse, Essig (oder Zitronensaft) und Salz. Es gibt kein „Originalrezept“; deshalb können sich die Produkte verschiedener Hersteller deutlich voneinander unterscheiden. Mir schmeckt diese Sauce am besten zu Gemüse, aber das kann eine Frage des persönlichen Geschmackes sein; in der englischen Küche wird sie auch für Fleisch und besonders Rührei viel verwendet, und man kann alle Arten von Saucen oder Bratensäften damit abrunden.

    Wie viele andere britische Ortsnamen hat auch Worcester eine ungewöhnliche Aussprache: [ˈwʊ.stə].



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    Zuletzt modifiziert am 6 May 2004
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