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    Parakresse (Spilanthes acmella Murr. und Spilanthes oleracea L.)

    Synonyme

    Spilanthes acmella/oleracea: Husarenknopf Blüte
    Parakresse-Blütenkörbchen
    Chinesisch
    (Mandarin)
    金鈕扣 [jīn chǒu kòu], 六神草 [liù shén cǎo]
    Jin chou kou, Liu shen cao
    DänischParakarse
    DeutschBrasilkresse, Husarenknopfblume
    EnglischParacress, Toothache plant, Brazil cress
    EstnischHarilik nööpkakar
    FinnischParakrassi, Spilantes
    FranzösischCresson de Para, Spilanthe des potagers; Brèdes mafanes, Brèdes mafana (Madagaskar)
    IndonesianJotang
    ItalienischSpilante
    Japanischキバナオランダセンニチ
    Kibana-oranda-senniti
    Koreanisch파라크레스
    Parakuresu
    NiederländischHuzarenknoop, Paratuinkers, Braziliaanse cresson
    PortugiesischAgrião do Brasil, Agrião do Pará, Pimenteira; Jambú, Jambú do rio (Brasilien)
    Russisch Спилантес, Масляный кресс
    Spilantes, Maslyanyj kress
    SchwedischTandvärksplanta, Parakrasse
    SpanischJambu
    Thaiผักคราดหัวแหวน, ผักคราด, ผักเผ็ด
    Phakkhraathuawaen, Phak krat, Phak phet, Phak tumhu
    TschechischPlamatka
    UngarischAbécefű, Szenyefű, Huszárgomb
    VietnamesischCúc áo, Cúc nút áo, Núc áo rau
    Cuc ao, Cuc nut ao, Nuc ao rau

    Spilanthes acmella/oleracea: Parakresse Blätter und Blüte
    Parakresse

    Verwendeter Pflanzenteil

    Blätter und besonders die Blütenkörbchen, bevorzugt frisch.

    Pflanzenfamilie

    Asteraceae (Korbblütengewächse)

    Geruch und Geschmack

    Parakresse ist geruchlos; ihr Geschmack entwickelt sich im Mund langsam von angenehm pikant-salzig zu einer ganz erheblichen, prickelnd-brennenden Schärfe, die im Mund ein taubes Gefühl zurückläßt. Ein Biß in eine Parakresseblüte ist ein Erlebnis, das man lange nicht vergißt!

    In ihrer Organoleptik ähnelt Parakresse einigen anderen Gewürzen, vor allem dem Szechuanpfeffer, aber auch dem Wasserpfeffer und dem tasmanischen Pfeffer, weniger aber den echten Kressen oder bekannten scharfen Gewürzen wie Pfeffer und Chili. Siehe auch Mohrenpfeffer über scharfe Gewürze allgemein.
    Spilanthes oleracea: Zahnwehpflanze mit Blüten
    Blühende Parakresse

    www.desert-tropicals.com

    Inhaltsstoffe

    Der scharfe Geschmack geht auf das ungesättigte Alkamid Spilanthol zurück, das mit über 1% in den Blüten am höchsten konzentriert ist; daneben wurden die ebenfalls scharfschmeckenden Isobutylamide der Hendeca-2E,7Z,9E-triensäure und der Hendeca-2E-en-8,10-diinsäure gefunden. Andere Arbeiten erbrachten auch den Nachweis von ähnlichen polyungesättigten Alkamiden mit 9 C-Atomen. Chemisch und auch physiologisch erinnern diese Stoffe an die Alkamide (Sanshoole) im Szechuanpfeffer. (Chem. Express, 7, 153, 1992), (Bioscience, Biotechnology and Biochemistry, 56, 795, 1992), (Phytochemistry, 51, 729, 1999)

    Daneben wurden auch scharfe nichtflüchtige Sesquiterpene gefunden, z.B. Polygodial und Eudesmanolid II. Polygodial ist der dominante scharfe Inhaltsstoff in Wasserpfeffer und tasmanischem Pfeffer. (Chem. Express, 6, 993, 1991)

    Parakresseblüten enthalten nur Spuren eines ätherischen Öls, in dem Limonen, β-Caryophyllen, Z-β-Ocimen, γ-Cadinen, Thymol, Germacren D und Myrcen nachgewiesen wurden. (J. Essent. Oil Res., 3, 369, 1991), (J. Essent. Oil Res., 5, 693, 1993)

    Herkunft

    Beide Arten der Parakresse stammen aus Südamerika und sind im tropischen Brasilien heimisch.

    Etymologie

    Parakresse ist nach der nordbrasilianischen Provinz Pará benannt. Dasselbe gilt übrigens auch für die Paranuß oder Brasilnuß (Bertholletia excelsa, Lecythidaceae/Theales/Dilleniidae). Über die Bedeutung des Namens Kresse siehe Kresse.

    Der Gattungsname Spilanthes bedeutet „befleckte Blume“ (griechisch spiloma [σπίλωμα] „Fleck“ und anthos [ἄνθος] „Blume, Blüte“; das bezieht sich auf die dunklen Pollen, die die hellen Blütenblätter beflecken. Der Artname oleracea kommt von holus, einer lateinischen Bezeichnung für ein Blattgemüse und bezieht sich wohl auf die Eßbarkeit der Blätter; acmella scheint dagegen auf die Schärfe anzuspielen: Griechisch akme [ἀκμή] „Spitze“, verwandt mit lateinisch acer „scharf, spitz“.

    Namen wie schwedisch tandvärksplanta oder englisch toothache plant „Zahnwehpflanze“ erklären sich aus der lokalanästhetischen Wirkung der Alkamid-Inhaltsstoffe, die bei Zahnschmerzen zu einer zeitliche befristeten Schmerzlinderung führen kann. Aus demselben Grund tragen nordamerikanische Verwandte des Szechuanpfeffers ähnliche Namen („Zahnwehbaum“).

    Ausgewählte Links

    Sorting Spilanthes names (www.plantnames.unimelb.edu.au) Receita: Pato no Tucupi (www.gastronomias.com) Receita: Pato no Tucupi (www.kalamares.com.br) Recipe: Pato no Tucupi (www.wsd1.org) Receita: Tacacá (jangadabrasil.com.br) Receita: Tacacá (pratofeito.com.br) Ricetta: Tacacá (www.cookaround.com) Recette: Romazava (Madascar beef stew) (cuisine.linternaute.com) Recette: Romazava (Malagasy beef stew) (cuisine.linternaute.com)


    Spilanthes acmella/oleracea: Husarenknopfblume
    Blühende Parakresse
    Die Parakresse hat mit den anderen Kressen nur den Namen gemein – kulinarisch unterscheiden sich diese Pflanzen ganz erheblich. Die flüchtigen Isothiocyanate der gewöhnlichen Kressen bewirken eine rasche Schärfe in Mund und Rachen, die sich bis in die Nase ausdehnt und auch rasch wieder vergeht; dagegen entwickelt sich die Schärfe der Parakresse langsamer und bleibt auf Mund und Rachen beschränkt, wo sie zunächst ein eigenartiges, kitzelndes Gefühl und danach eine gewisse Taubheit hervorruft. Die Schärfe der Parakresse ist besser kochfest als die der echten Kressen, aber bei langem Kochen werden die Blätter mild und können als Gemüse gegessen werden.

    Die kulinarische Verwendung der Parakresse ist heute auf das tropische Brasilien (vor allem die Provinzen Acre, Amazonas, Pará und Ceará) beschränkt, wo die Pflanze vor allem in der Kochkunst der Indio-Bevölkerung eine Rolle spielt. Das stärkehaltige Wurzelgemüse Maniok ist in verschiedenen Formen die Grundlage der Ernährung, und da Maniok nicht nach viel schmeckt, würzt man maniokbasierte Speisen gerne mit scharfen Gewürzen. Parakresse ist dazu sehr beliebt; die Blätter werden unzerkleinert mitgekocht und auch mitgegessen.
    Spilanthes oleraceae/acmella: Husarenknopfblüte
    Parakresse mit Blüten

    Eine gebratene und danach in abgekochtem und mit Knoblauch gewürzten Maniok-Preßsaft (tucupí) geschmorte Ente (pato no tucupí) ist eine in allen Amazonasprovinzen beliebte Speise. Dagegen ist tacacá eine dicke, mit Maniok gebundene Suppe aus getrockneten Garnelen und manchmal auch Süßwasserfisch, die in Pará und den Nordwestprovinzen in vielen Varianten gegessen wird. Beide Speisen werden mit Knoblauch und Parakresse gewürzt, oft auch mit Chili, wobei die Verwendung zweier scharfer Gewürze eine einzigartige Geschmacksnote ergibt, vergleichbar nur der Kombination von Chili und Szechuanpfeffer in der Sichuan-Küche.

    Außerhalb Brasiliens ist die Parakresse wenig bekannt und findet kaum kulinarische Anwendung; allerdings werden gekochte Blätter einer eng verwandten Art im tropischen Südostasien gelegentlich als Gemüse gegessen, und die frischen Blätter dienen manchmal zur Garnierung, z.B. in Westjawa, wo sie zu scharfem sambal gereicht werden (siehe Chili).

    Da Parakresse in ihre Schärfe weder dem Pfeffer noch dem Chili gleicht, ist sie für innovative Köche eine interessante Alternative, die man mit unterschiedlichem Resultat zusammen mit anderen scharfen Gewürzen oder alleine verwenden kann. Ich fand, daß sie sich gut statt Pfeffer in europäischen Speisen macht, denen sie eine unkonventionelle, prickelnde und dabei subtile Schärfe verleiht.



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    Zuletzt modifiziert am 26 Oct 2002
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