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| Poppy flower |
Die homerischen Epen sind zwar voll von Details aus dem Leben des präklassischen Griechenlandes, aber die Information über Ernährung fällt recht dürftig aus. Zwar werden verschiedene Getreide und daraus hergestelltes Brot erwähnt, aber Fisch taucht interessanterweise niemals auf der Tafel auf. Man gewinnt den Eindruck, daß die Krieger der Bronzezeit Fleisch am höchsten schätzten: dainymenoi krea t' aspeta kai methy hedy [δαινύμενοι κρέα τ' ἄσπετα καὶ μέθυ ἡδύ] „unendlich viel Fleisch und süßen Wein schmausend“ und krea amph' obeloisin peirein optan te periphradeos [κρέα ἀμφ' ὀβελοῖσιν πείρειν ὀπτᾶν τε περιφραδέως] „Fleisch auf den Spieß stecken und mit Bedacht braten“ sind die ständigen Formulierungen, die der Dichter zur Beschreibung der Gelage wählt. Die Wortfolge methy hedy „süßer Wein“ ist linguistisch interessant, weil beide Wörter sich von nicht miteinander verwandten Wurzeln der Bedeutung „süß“ ableiten; siehe Bärlauch und Süßholz für nähere Erläuterungen.
Neben dem Mohn werden noch zahlreiche andere Kulturpflanzen genannt: Sehr oft
nennt der Dichter die Olive (Olivenöl,
elaion [ἐλαίον]
und Olivenbaum,
elaia [ἐλαία]),
und auch Zwiebel
(krommyon [κρόμμυον],
siehe dazu auch unter Bärlauch) tritt als
Nahrungsmittel auf. Weiters findet eine Pflanze namens
selinon [σέλινον]
Erwähnung, hinter der Übersetzer Sellerie
oder Petersilie vermuten. Die Farbe der
Morgenröte (Eos [Ἠῶς])
wird sowohl mit Rosenblüten
(rhododaktylos [ῥοδοδάκτυλος] „rosenfingrig“)
als auch mit Safran
(krokopeplos [κροκόπεπλος] „safrangewandet“)
verglichen.
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| Manche Mohnpflanzen bringen rötliche Blüten hervor |
Letztlich gibt es in der Odysseia noch das geheimnisvolle Kraut moly [μῶλυ], das gegen bösen Zauber hilft. Manche vermuten, damit sei Knoblauch oder ein naher Verwandter gemeint, aber normalerweise heißt Knoblauch auf Altgriechisch skorodon [σκόροδον]. Eine andere Vermutung geht in Richtung Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), dessen Gattungsname „Milchblume“ bedeutet, was gut zur homerischen Beschreibung paßt: galakti de eikelon anthos [γάλακτι δὲ εἴκελον ἄνθος] „die Blüte aber der Milch vergleichbar“.
Die Bedeutung Homers für die weitere kulturelle Entwicklung des Abendlandes ist unbestritten. Als sich etwa zu Homers Lebzeiten die klassische Kultur Griechenlands mit ihren Sportveranstaltungen (siehe Lorbeer über die Olympischen Spiele), Dichtern und Philosophen zu neuer Blüte zu entwickeln begann, da galten die Ereignisse der Ilias und der Odysseia als Zeugnisse einer großartigen griechischen Vergangenheit. Über den größten Teil des Altertums wurde Homer nur als der „göttliche Dichter“ bezeichnet; doch nach dem Fall des römischen Reiches versiegte das Interesse an antiker Dichtung. Erst mehr als ein Jahrtausend später, in der europäischen Renaissance, begannen gebildete Kreise wieder, Homer zu lesen. Dieses Interesse kulminierte schließlich in der Ausgrabung des alten Troia, des Schauplatzes der Ilias, durch H. Schliemann.
Auch wenn man heute in der Schule nicht mehr Homer liest, so haben doch Zitate
aus den homerischen Epen in unsere heutige Umgangssprache gefunden: Wir sprechen
von „homerischem Gelächter“ (mit dem die Helden ihre eigene Kampfeslust
anstachelten), von „geflügelten Worten“
(epea pteroenta [ἔπεα πτερόεντα]:
Worte, die zum Gesprächspartner „hinfliegen“
sollen), und der Charme der Heliostochter
Kirke [Κίρκη]
ist im Wort „bezirzen“ unsterblich geworden. Und wem wären schließlich
Skylla [Σκύλλα]
und Charybdis [Χάρυβδις],
zwei Übel, von denen man nur einem entkommen kann, kein Begriff?
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| Mohnfeld im niederösterreichischen Waldviertel |
In der Antike lag die Hauptbedeutung des Mohns in den aus seinem Samen gepreßten Öl. Außerdem wurden die Samen oft für mit Honig gesüßte Süßspeisen verwendet, die oft auch Sesam und Mandeln enthielten und die dem griechischen baklava [μπακλαβά] unserer Tage ähnlich waren. Die Zugabe von kleinen Mengen Pfeffer war eine charakteristische Eigenschaft der antiken mediterranen Küche (siehe auch Silphion über die Küche im römischen Reich). Die narkotische und schmerzlindernde Wirkung des Milchsaftes war bereits den griechischen Ärzten bekannt; Mohn als Genuß- und Suchtgift ist im Westen aber eine sehr junge Entwicklung.
Mohnöl ist heute eine Spezialität und wird nur in sehr geringer Menge hergestellt; die üblichste Qualität ist ein kaltgepreßtes Salatöl (siehe auch Sesam über Pflanzenöle allgemein). Die geringe Produktion erklärt sich teilweise auch mit den gesetzlichen Restriktionen und Kontrollen, denen Mohnbauern in Westeuropa ausgesetzt sind und die den Zweck haben, einen Mißbrauch der Anbaufläche zur Opiumproduktion zu verhindern. Unter den klimatischen Bedingungen Europas hergestelltes Opium wäre aber von sehr geringer Wirkung.
In Europa verwendet man Mohnsamen zumeist, um Backwaren einen besonderen Geschmack zu verleihen, ähnlich wie Sesam- oder Nigellasamen im Nahen Osten. Auf Mohn basierende Füllungen findet man gelegentlich in croissants oder den bekannten österreichischen Nachspeisen, die man Strudel nennt. Diese Rezepte stammen größtenteils aus Böhmen, von wo sie während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie nach Österreich kamen. Ein weiteres Beispiel für diese ebenso süße wie kalorienreiche Kochtradition ist der Germknödel, dessen anregend-saure Füllung aus Powidl, einem sehr konzentrierten Zwetschkenmus, besteht und der mit großzügigen Mengen einer Mohn-Staubzucker-Mischung und geschmolzener Butter serviert wird. Mohnsamen werden aber kaum zu pikanten Speisen gebraucht.
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| Mohnkapseln knapp vor der Reife |
Auch in Asien wird der Mohnanbau betrieben; zumeist allerdings nicht zu kulinarischen Zwecken, sondern zur Gewinnung von Opium. Das berühmt-berüchtigte „Goldene Dreieck“ an der Grenze zwischen Burma, Thailand und Laos ist übrigens zu Unrecht als Opiumquelle bekannt geworden, da der Mohn erst in höheren Lagen das richtige Wirkstoffspektrum entwickelt. Bergvölker in diesen drei Ländern und auch in Vietnam und China benutzen Opium seit Jahrhunderten als das einzige Genußmittel, das ihnen ihr hartes Leben bietet; die weite Verbreitung des Opiumrauchens unter ethnischen Chinesen und Vietnamesen ist allerdings durch die Politik Englands und Frankreichs im vorigen Jahrhundert bedingt. Anders als in Gemeinschaften mit langer Tradition im Umgang mit dieser Droge erwies sich die Neueinführung des Opiums in diesen Ländern als verheerend.
In China erstritten sich die Briten durch den Opiumkrieg (1840–42) das Recht auf Opiumimport in das Reich der Mitte, womit nicht nur ein unmittelbarer Gewinn erzielt werden konnte, sondern viele Verwaltungsbeamte in materielle und psychische Abhängigkeit zu England und dessen Mittelsmännern gerieten. Die resultierende Korruption trug wesentlich zum rascheren Verfall des Kaiserreiches bei. Die Franzosen in Vietnam erzielten aus ihren Monopolen für Opium, Salz und Alkohol (ab 1890) enorme Gewinne und erhielten sich durch großzügige Versorgung die Loyalität des Adels.
Mohn wird aber in Asien auch gelegentlich zum Kochen verwendet. So sind
gemahlene Mohnsamen in der mogulischen Kochkunst Nordindiens (siehe auch Zwiebel und schwarzer
Kreuzkümmel) ein Mittel, um Saucen anzudicken; bei hellen Saucen kommt
dazu eine spezielle Mohnsorte mit rahmgelben Samen zum Einsatz. Mohnsamen werden
in der Küche Begalens (in Nordost-Indien) häufig verwendet und
harmonieren sehr gut mit den eher leichtgewürzten Speisen Bengalens
(siehe auch Nigella). Der nussige
Geschmack des Mohns wird auch in Japan sehr geschätzt und paßt sehr
gut zu den nur leicht gewürzten Gerichten dieses Inselreiches. Mohn ist
in der japanischen Gewürzmischung shichimi togarashi
(siehe Szechuanpfeffer) enthalten.


