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    Mohn (Papaver somniferum L.)

    Synonyme


    Papaver somniferum: Blühender Gartenmohn
    Blühende Mohnpflanzen
    pharmSemen Papaveris
    AlbanischLulëkuqe
    Amharischፓፒ
    Papi
    Arabischخشخاش, أبو النوم
    خَشْخاش, أَبُو النُوم
    Khashkhash, Abu an-num, Abu al-num, Abu an-noom, Abu al-noom
    ArmenischՄեկոն, Մեկոնի Կուտ
    Mekon, Megon; Mekoni Kut, Megoni Good (Samen)
    AssamesischAfugoch
    AzeriXaş-xaş
    Хаш-хаш
    BaskischLobelarr
    BengaliAfing-gach, Posto
    BulgarischГрадински мак, Опиев мак, Маково семе
    Gradinski mak, Opiev mak; Makovo seme (Samen)
    BurmesischBhainzi
    Chinesisch
    (Kantonesisch)
    櫻粟殼 [yìng suhk hohk]
    Ying suhk hohk
    Chinesisch
    (Mandarin)
    櫻粟殼 [yīng sù qiào], 罂粟 [yīng sù]
    Ying su qiao, Ying su
    DänischOpiumvalmue (Pflanze); Birkes, Valmue-frø (Samen)
    DeutschSchlafmohn, Gartenmohn, Ölmohn, Opiummohn,
    Dhivehiއަފިހުން, ކަސްކަސާ
    Afihun, Kaskasaa
    EnglischPoppy, Opium poppy, Garden poppy
    EsperantoPapavo, Papavosemo
    EstnischMagun, Unimagun, Moon
    Farsiخشخاش
    Khash-khash, Shagheyegh
    FinnischUnikko, Oopiumiunikko
    FranzösischPavot des jardins, Pavot somnifère, Pavot à opium
    GälischCodalion, Meilbheag
    GalizischMapoula, Sementes de Mapoula, Adormideira, Durmideira
    Georgischყაყაჩო, ყაყაჩოს თესლი, ხოშხოში
    Khoshkhoshi, Xoshxoshi, Qaqacho; Qaqachos tesli (Samen)
    GriechischΠαπαρούνα, Αφιόνι
    Paparouna, Afioni
    GujaratiKhaskhas
    Hebräischפרג
    Pereg
    HindiPost, Khas-khas, Post dana
    IsländischValmúafræ, Birki
    ItalienischPapavero, Papavero sonnifero
    Japanisch芥子, 罌粟
    けし
    ケシ, ポピー
    Keshi, Papi
    JiddischMon
    Kannadaಅಫೀಮು, ಗಸಗಸೆ
    Aphimu, Gasagase
    KasachischКөкнәр
    Köknär
    KatalanischCascall, Herba dormidora
    Koreanisch아편, 포피, 양귀비
    Apyeon, Apyon, Popi, Yanggwibi
    KroatischMak
    LaotischZa zang
    LettischMagone
    LitauischAguonos, Daržinė aguona
    MalayalamKashakasha
    MalaysischKas Kas
    MaltesischPeprina
    Marathiखसखस
    Khas-Khas
    NiederländischMaanzaad, Slaapbol, Slaappapaver, Heulbol, Maankop
    NorwegischValmue,Opiumsvalmue
    OriyaAphima
    PolnischMak lekarski
    PortugiesischPapoila, Dormideira; Papoula (Brasilien)
    Punjabiਪੋਸਤ
    Post
    RumänischMac, Mac de gradină, Mac somnifer
    RussischМак снотворный, Опийный мак
    Mak snotvornyj, Opijnyj mak
    SanskritAhiphena
    SchwedischVallmo, Opiumvallmo
    SlovenischVrtni mak
    SlowakischMak siaty, Mak
    SpanischAbaba, Adormidera, Amapola, Adormidera soporifera, Amapola real, Semillas de Amapola
    Tamilகசகசா, போஸ்தக்காய்
    Casacasa, Kasakasa, Postakkai
    Teluguగసగసాలు, పోస్తుకాయ, అభిని
    Abhini, Gasagasaalu, Postukaya
    Thaiต้นฝิ่น, ฝิ่น
    Ton fin, Fin
    TschechischMák, Mák setý
    TürkischHaşhaş tohumu
    UkrainischМ'ак снодійний
    Mak snodijnyj
    UngarischMák, Kerti mák
    UrduKhas-khas
    VietnamesischCây thuốc phiện, Vây anh túc
    Cay thuoc phien, Vay anh tuc
    Papaver somniferum: Mohnblüte
    Mohnblüte
    Papaver somniferum: Mohnsamen
    Weiße und graue Mohnsamen

    Verwendeter Pflanzenteil

    Reife Samen.
    Das Genußgift Opium gewinnt man aus den unreifen Samenkapseln.

    Pflanzenfamilie

    Papaveraceae (Mohngewächse).

    Geruch und Geschmack

    Nussig und angenehm.

    Inhaltsstoffe

    Mohnsamen enthalten 40 bis 50% fettes Öl, das durch kalte Pressung in einer Ausbeute von 12 bis 18% gewonnen wird. Es ist reich an ungesättigten Fettsäuren (Iodzahl: 133 bis 144): 60% Linolsäure, 30% Ölsäure, 3% der besonders wertvollen dreifach ungesättigten Linolensäure und weniger als 10% gesättigte Fettsäuren.

    Im ätherischen Öl von Mohnsamen wurden verschiedene aliphatische Aldehyde und Kohlenwasserstoffe gefunden; die für den Geruch hauptverantwortliche Komponente ist 2-Pentylfuran.
    Papaver somniferum: Mohnkapsel mit Schnitt
    Angeschnittene Mohnkapsel
    Papaver somniferum: Mohnblüte
    Mohnblüte

    www.botanikus.de

    Opium ist der getrocknete Milchsaft der unreifen Samenkapseln; jede Kapsel liefert dabei 20 bis 50 mg. Außer Wachsen, Harz, Proteinen und Zuckern enthält es etwa 20% Alkaloide, von denen das Morphin (typischerweise 12%) das wichtigste ist. Opium zum Rauchen (chandu) wird über Feuer geröstet und fermentiert, wodurch sich einerseits der Alkaloidgehalt auf etwa ein Viertel reduziert und andererseits ein spezielles Aroma ausbildet.

    Rohopium wird heutzutage medizinisch kaum verwendet; man bevorzugt entweder ein standardisiertes Produkt (auf genau 10% Morphin) oder man trennt die einzelnen Alkaloide und verabreicht sie dem Patienten in purer Form.

    Opium enthält zwei verschieden Familien von Alkaloiden. Dem Phenanthren-Typ gehören das Morphin (7 bis 23%), Codein (max. 3%), Thebain (max. 3%, meist jedoch wesentlich weniger) und das synthetische Heroin an. Der im Pflanzenreich weiter verbreitete Benzylisochinolin-Typ ist im Mohn mit Narcotin (=Noscapin, bis zu 12%), Papaverin (max. 1.5%) und Narcein (0.2%) vertreten. Die meisten dieser Alkaloide haben in der modernen Medizin ihre eigenen Anwendungen gefunden.

    Die offizielle Opiumproduktion beträgt 2000 Tonnen pro Jahr, das meiste in Indien und der Türkei.
    Papaver somniferum: Mohnblüte und unreife Kapseln
    Mohnblüte und unreife Kapseln

    Der Alkaloidgehalt der Mohnsamen ist sehr gering (50 ppm) und pharmazeutisch unbedeutend. Allerdings kann nach einer reichlichen Mohnmahlzeit durchaus Morphin im Urin nachgewiesen werden, was bei Drogentests eine unerfreuliche Überraschung abgibt.

    Herkunft

    Mohn stammt wahrscheinlich aus Westasien; allerdings wird neuerdings auch ein Ursprung im westlichen Mittelmeergebiet in Betracht gezogen. In jedem Fall wird Mohn in Europa seit dem Neolithikum kultiviert, ist also eine der ersten europäischen Kulturpflanzen.

    Etymologie

    Deutsch Mohn und niederländisch maan haben weitere Verwandte in nordgermanischen Sprachen (norwegisch und dänisch valmue, schwedisch vallmo), die sich von altnordisch valmugi ableiten. Weiters gehören armenisch megon [մեկոն] altgriechisch mekon [μήκων] und altslavisch maku in diese Sippe; in modernen slavischen Sprachen heißt Mohn fast ausnahmslos mak [мак], vgl. auch rumänisch mac und lettisch magone. Für dieses weitverbreitete Wort ist keine Etymologie bekannt, wahrscheinlich stammt der Name letztlich aus einer untergegangenen Mittelmeersprache.
    Papaver rhoes: Wilder Mohn Blüten
    Klatschmohn ist eine verbreitete Unkrautpflanze Europas
    Eschscholtzia californica: Goldmohn
    Goldmohn (Eschscholtzia californica) ist eine Zierpflanze

    Der Gattungsname Papaver ist der lateinische Name der Mohnpflanze, entzieht sich aber ebenfalls einer weiteren Analyse. Auf lateinisch papaver gehen einige Namen für Mohn in romanischen Sprachen zurück, z.B. französisch pavot, portugiesisch papoila und auch englisch poppy (altenglisch popæg). Auch das amharische papi [ፓፒ] gehört, wahrscheinlich als junge Entlehnung, zu dieser Sippe. Paradoxerweise ist auch der neugriechische Name paparouna [παπαρούνα] von dieser Wurzel abgeleitet. Im Ungarischen bezeichnet pipasc jedoch die verwandte Wildpflanze Klatschmohn (Papaver rhoes).

    Der Artname somniferum „schlafbringend“ (somnus „Schlaf“ und ferre „bringen“) spielt auf die narkotische Wirkung des Opiums an, ebenso das spanische adormidera (von lateinisch dormire „schlafen“). Vgl. auch arabisch abu an-num [ابو النوم] „Vater des Schlafes“ für Mohn.

    Von Westasien bis Südostasien findet man in einem riesigen Gebiet verwandte Namen für Mohn: Türkisch hašhaš, georgisch khoshkhoshi [ხოშხოში], kurdisch khash-khash [خةشخاش], Arabisch, Farsi und Urdu khash-khash [خشخاش], Hindi khas-khas [खसखस], Telugu gasagasaalu [గసగసాలు], Tamil casa casa [கசகசா], Dhivehi kaskasaa [ކަސްކަސާ] und zuletzt Malaysisch kas kas. Der Ursprung dieser Gruppe von Namen ist mir nicht bekannt.
    Papaver bracteatum: Hüllblatt-Mohn
    Mohn-Ziersorte (wahrscheinlich P. bracteatum)

    Einige indische Sprachen bilden ihre Namen für Mohn von einer anderen Wurzel: Bengali posto [পোস্তো], Hindi und Punjabi post [पोस्त, ਪੋਸਤ], Telugu postukaya [పోస్తుకాయ], und Tamil postakkai [போஸ்தக்காய்]. Zur Zeit des frühen Kolonialismus wurde dieser Name auch ins Englische als post oder posto übernommen, wo er sowohl für die Mohnpflanze als auch für ein aus Mohnköpfen bereitetes betäubendes Getränk steht. Dieses Getränk erfreute sich im 17.ten Jahrhundert an den moghulischen Höfen Nordindiens beträchtlicher Beliebtheit.

    Die Bezeichnung Opium für den eingedickten Milchsaft der unreifen Mohnkapsel wird seit der Antike verwendet und geht auf griechisch opos [ὄπος] „Pflanzensaft“ zurück; das Wort wurde auch ins Arabische (ubim [أوبيم]) und ins Farsi (afyun [افیون]) entlehnt. Sanskrit ahiphena [अहिफेन] „Mohn, Opium“ gehört derselben Sippe an, wurde aber sekundär unter Bezug auf die Gefahren des Opiumkonsums an ahi [अहि] „Schlange“ und phena [फेन] „Schaum, Speichel“ angelehnt. Davon abgeleitet sind Marathi aphu und Telugu abhini [అభిని] „Opium“. Vergleiche auch koreanisch apyon [아편] „Mohn, Opium“.

    Ausgewählte Links

    Plant Cultures: Opium Poppy A Pinch of Poppy Seeds (www.apinchof.com) Nature One Health: White Poppy Transport Information Service: Poppy seeds Sorting Papaver names (www.plantnames.unimelb.edu.au) Pflanzen des Capitulare de Villis: Mohn (biozac.de) The Iliad (translated by Samuel Butler) The Odyssey (translated by Samuel Butler) Homer, Iliad (μῆνιν ἄειδε θεά, Perseus Project) Homer, Odyssey (ἄνδρα μοι ἔννεπε, Perseus Project) The Chicago Homer Greek – English – Greek Lexicon (kypros.org) Schlafmohn (giftpflanzen.de) Desirable Herb and Spice Varieties: Poppy The Pernicious Opium Poppy Recipe: Germknödel (thepassionatecook.typepad.com) Opium poppy (purdue.edu)


    Papaver somniferum: Opium Poppy flower
    Poppy flower

    www.rz.uni-karlsruhe.de

    Mohn ist eine alte europäische Kulturpflanze, die bereits in der Ilias [Ἰλιάς] des sagenhaften griechischen Dichters Homeros [Ὅμερος] erwähnt wird. Die Ilias (und die etwa zeitgleiche Odysseia [Ὀδυσσεία]) ist bei weitem die älteste europäische Dichtung; sie wurde im 8.ten Jahrhundert aus mündlicher Überlieferung schriftlich fixiert, erzählt aber Ereignisse, die sich etwa 500 Jahre früher abgespielt haben mögen. Sie gibt einzigartige Einblicke in die Lebensbedingungen der ausgehenden Bronzezeit, da sie viel vom alltäglichen Leben und Denken der Menschen beschreibt.

    Die homerischen Epen sind zwar voll von Details aus dem Leben des präklassischen Griechenlandes, aber die Information über Ernährung fällt recht dürftig aus. Zwar werden verschiedene Getreide und daraus hergestelltes Brot erwähnt, aber Fisch taucht interessanterweise niemals auf der Tafel auf. Man gewinnt den Eindruck, daß die Krieger der Bronzezeit Fleisch am höchsten schätzten: dainymenoi krea t' aspeta kai methy hedy [δαινύμενοι κρέα τ' ἄσπετα καὶ μέθυ ἡδύ] „unendlich viel Fleisch und süßen Wein schmausend“ und krea amph' obeloisin peirein optan te periphradeos [κρέα ἀμφ' ὀβελοῖσιν πείρειν ὀπτᾶν τε περιφραδέως] „Fleisch auf den Spieß stecken und mit Bedacht braten“ sind die ständigen Formulierungen, die der Dichter zur Beschreibung der Gelage wählt. Die Wortfolge methy hedy „süßer Wein“ ist linguistisch interessant, weil beide Wörter sich von nicht miteinander verwandten Wurzeln der Bedeutung „süß“ ableiten; siehe Bärlauch und Süßholz für nähere Erläuterungen.

    Neben dem Mohn werden noch zahlreiche andere Kulturpflanzen genannt: Sehr oft nennt der Dichter die Olive (Olivenöl, elaion [ἐλαίον] und Olivenbaum, elaia [ἐλαία]), und auch Zwiebel (krommyon [κρόμμυον], siehe dazu auch unter Bärlauch) tritt als Nahrungsmittel auf. Weiters findet eine Pflanze namens selinon [σέλινον] Erwähnung, hinter der Übersetzer Sellerie oder Petersilie vermuten. Die Farbe der Morgenröte (Eos [Ἠῶς]) wird sowohl mit Rosenblüten (rhododaktylos [ῥοδοδάκτυλος] „rosenfingrig“) als auch mit Safran (krokopeplos [κροκόπεπλος] „safrangewandet“) verglichen.
    Papaver somniferum: Mohnblüte
    Manche Mohnpflanzen bringen rötliche Blüten hervor

    Letztlich gibt es in der Odysseia noch das geheimnisvolle Kraut moly [μῶλυ], das gegen bösen Zauber hilft. Manche vermuten, damit sei Knoblauch oder ein naher Verwandter gemeint, aber normalerweise heißt Knoblauch auf Altgriechisch skorodon [σκόροδον]. Eine andere Vermutung geht in Richtung Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), dessen Gattungsname „Milchblume“ bedeutet, was gut zur homerischen Beschreibung paßt: galakti de eikelon anthos [γάλακτι δὲ εἴκελον ἄνθος] „die Blüte aber der Milch vergleichbar“.

    Die Bedeutung Homers für die weitere kulturelle Entwicklung des Abendlandes ist unbestritten. Als sich etwa zu Homers Lebzeiten die klassische Kultur Griechenlands mit ihren Sportveranstaltungen (siehe Lorbeer über die Olympischen Spiele), Dichtern und Philosophen zu neuer Blüte zu entwickeln begann, da galten die Ereignisse der Ilias und der Odysseia als Zeugnisse einer großartigen griechischen Vergangenheit. Über den größten Teil des Altertums wurde Homer nur als der „göttliche Dichter“ bezeichnet; doch nach dem Fall des römischen Reiches versiegte das Interesse an antiker Dichtung. Erst mehr als ein Jahrtausend später, in der europäischen Renaissance, begannen gebildete Kreise wieder, Homer zu lesen. Dieses Interesse kulminierte schließlich in der Ausgrabung des alten Troia, des Schauplatzes der Ilias, durch H. Schliemann.

    Auch wenn man heute in der Schule nicht mehr Homer liest, so haben doch Zitate aus den homerischen Epen in unsere heutige Umgangssprache gefunden: Wir sprechen von „homerischem Gelächter“ (mit dem die Helden ihre eigene Kampfeslust anstachelten), von „geflügelten Worten“ (epea pteroenta [ἔπεα πτερόεντα]: Worte, die zum Gesprächspartner „hinfliegen“ sollen), und der Charme der Heliostochter Kirke [Κίρκη] ist im Wort „bezirzen“ unsterblich geworden. Und wem wären schließlich Skylla [Σκύλλα] und Charybdis [Χάρυβδις], zwei Übel, von denen man nur einem entkommen kann, kein Begriff?
    Papaver somniferum: Mohnfeld im Waldviertel/Niederösterreich
    Mohnfeld im niederösterreichischen Waldviertel

    www.mohndorf.at

    In der Antike lag die Hauptbedeutung des Mohns in den aus seinem Samen gepreßten Öl. Außerdem wurden die Samen oft für mit Honig gesüßte Süßspeisen verwendet, die oft auch Sesam und Mandeln enthielten und die dem griechischen baklava [μπακλαβά] unserer Tage ähnlich waren. Die Zugabe von kleinen Mengen Pfeffer war eine charakteristische Eigenschaft der antiken mediterranen Küche (siehe auch Silphion über die Küche im römischen Reich). Die narkotische und schmerzlindernde Wirkung des Milchsaftes war bereits den griechischen Ärzten bekannt; Mohn als Genuß- und Suchtgift ist im Westen aber eine sehr junge Entwicklung.

    Mohnöl ist heute eine Spezialität und wird nur in sehr geringer Menge hergestellt; die üblichste Qualität ist ein kaltgepreßtes Salatöl (siehe auch Sesam über Pflanzenöle allgemein). Die geringe Produktion erklärt sich teilweise auch mit den gesetzlichen Restriktionen und Kontrollen, denen Mohnbauern in Westeuropa ausgesetzt sind und die den Zweck haben, einen Mißbrauch der Anbaufläche zur Opiumproduktion zu verhindern. Unter den klimatischen Bedingungen Europas hergestelltes Opium wäre aber von sehr geringer Wirkung.

    In Europa verwendet man Mohnsamen zumeist, um Backwaren einen besonderen Geschmack zu verleihen, ähnlich wie Sesam- oder Nigellasamen im Nahen Osten. Auf Mohn basierende Füllungen findet man gelegentlich in croissants oder den bekannten österreichischen Nachspeisen, die man Strudel nennt. Diese Rezepte stammen größtenteils aus Böhmen, von wo sie während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie nach Österreich kamen. Ein weiteres Beispiel für diese ebenso süße wie kalorienreiche Kochtradition ist der Germknödel, dessen anregend-saure Füllung aus Powidl, einem sehr konzentrierten Zwetschkenmus, besteht und der mit großzügigen Mengen einer Mohn-Staubzucker-Mischung und geschmolzener Butter serviert wird. Mohnsamen werden aber kaum zu pikanten Speisen gebraucht.
    Papaver somniferum: Mohnkapseln
    Mohnkapseln knapp vor der Reife

    Auch in Asien wird der Mohnanbau betrieben; zumeist allerdings nicht zu kulinarischen Zwecken, sondern zur Gewinnung von Opium. Das berühmt-berüchtigte „Goldene Dreieck“ an der Grenze zwischen Burma, Thailand und Laos ist übrigens zu Unrecht als Opiumquelle bekannt geworden, da der Mohn erst in höheren Lagen das richtige Wirkstoffspektrum entwickelt. Bergvölker in diesen drei Ländern und auch in Vietnam und China benutzen Opium seit Jahrhunderten als das einzige Genußmittel, das ihnen ihr hartes Leben bietet; die weite Verbreitung des Opiumrauchens unter ethnischen Chinesen und Vietnamesen ist allerdings durch die Politik Englands und Frankreichs im vorigen Jahrhundert bedingt. Anders als in Gemeinschaften mit langer Tradition im Umgang mit dieser Droge erwies sich die Neueinführung des Opiums in diesen Ländern als verheerend.

    In China erstritten sich die Briten durch den Opiumkrieg (1840–42) das Recht auf Opiumimport in das Reich der Mitte, womit nicht nur ein unmittelbarer Gewinn erzielt werden konnte, sondern viele Verwaltungsbeamte in materielle und psychische Abhängigkeit zu England und dessen Mittelsmännern gerieten. Die resultierende Korruption trug wesentlich zum rascheren Verfall des Kaiserreiches bei. Die Franzosen in Vietnam erzielten aus ihren Monopolen für Opium, Salz und Alkohol (ab 1890) enorme Gewinne und erhielten sich durch großzügige Versorgung die Loyalität des Adels.

    Mohn wird aber in Asien auch gelegentlich zum Kochen verwendet. So sind gemahlene Mohnsamen in der mogulischen Kochkunst Nordindiens (siehe auch Zwiebel und schwarzer Kreuzkümmel) ein Mittel, um Saucen anzudicken; bei hellen Saucen kommt dazu eine spezielle Mohnsorte mit rahmgelben Samen zum Einsatz. Mohnsamen werden in der Küche Begalens (in Nordost-Indien) häufig verwendet und harmonieren sehr gut mit den eher leichtgewürzten Speisen Bengalens (siehe auch Nigella). Der nussige Geschmack des Mohns wird auch in Japan sehr geschätzt und paßt sehr gut zu den nur leicht gewürzten Gerichten dieses Inselreiches. Mohn ist in der japanischen Gewürzmischung shichimi togarashi (siehe Szechuanpfeffer) enthalten.



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    Zuletzt modifiziert am 27 Apr 1999
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