|
| Blühender Oregano, Standardsorte |
Die Speise, die man heute am meisten mit Oregano assoziiert, ist zweifellos pizza, eine Art offene Pastete: Brotteig wird auf einer Seite mit würzigen Zutaten belegt und gebacken. Brote dieser Art werden in Süditalien wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten gegessen, aber der Legende nach wurde die moderne Pizza im Jahre 1889 geboren, als sich König Umberto mit seiner Gemahlin Margherita in Napoli (Neapel) aufhielt. Pizza, kaum mehr als mit einer Tomatenpaste bestrichenes Brot, war damals bei den verarmten Massen eine tägliche Nahrung, aber um die Königin zu ehren, erfand ein Bäcker eine gehaltvollere Variante der Pizza: Zusätzlich zur roten Tomatenpaste verwendete er weißen mozzarella-Käse und grüne Basilikumblätter, in Anlehnung an die italienische Staatsflagge. Diese Erfindung wurde als pizza Margherita bekannt und verbreitete sich über ganz Italien und, mit gewisser Verzögerung, über die ganze Welt.
Heutige pizze beruhen mehr auf Oregano als auf Basilikum und verwenden eine Vielzahl weiterer Zutaten: Speck, Schinken, Wurst, Fisch, Meeresfrüchte, Pilze, Artischocken, Zwiebel, Knoblauch, Rauke, Oliven, Kapern, Sardellen und vieles mehr haben aus dem Armeleuteessen von einst eine raffinierte Delikatesse gemacht.
Oregano läßt sich auch vorteilhaft zusammen mit eingelegten Oliven, Liebstöckelblättern und Kapern verwenden; anders als andere italienische Kräuter paßt er auch gut zu etwas schärfer gewürzten Speisen. Für die Küchen anderer Mittelmeerländer außer Italien ist er weniger bestimmend, aber er hat einige Bedeutung in Spanien, Frankreich und Griechenland.
Außerhalb des Mittelmeergebietes ist Oregano, eigentlich
überraschenderweise, nur wenig in Verwendung außer an Orten, wo
viele italienische Immigranten leben. Der sehr ähnliche, aber noch
stärkere Geschmack des Mexicanischen Oregano (Lippia
graveolens) ist nicht nur in seiner Heimat México beliebt, sondern
auch im Süden der Vereinigten Staaten. Dort verwendet man ihn zum
Würzen von chili con carne (mit verschiedenen Chilivarietäten geschmortes Fleisch, manchmal auch
mit Bohnen) oder anderen mexicanisch inspirierten Gerichten. Zumeist
kombiniert man ihn mit anderen robusten Gewürzen, z.B. mit verschiedenen
Arten Chilis und Paprika,
getrocknetem Knoblauch (oft auch Zwiebel) und Kreuzkümmel; diese Gewürze
sind bei uns in Chili-con-carne-Gewürzzubereitungen
enthalten.


