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    Olive (Olea europea L.)

    Synonyme

    pharmOleum Olivarum
    AlbanischUllir
    Amharischኦሊቨ, ዘይት
    Oliva, Zayt
    Arabischزيتون
    زَيْتُون
    Zaytun, Zaytoon
    ArmenischՁիթենի, Ձիթապտուղ, Զեյթուն
    Dziteni, Jiteni, Jitabdoogh, Zeytoon, Zeytun, Jitaptugh, Dzitaptul
    AzeriZeytun
    Зеитун
    BaskischOliba, Oliondo
    BulgarischМаслина
    Maslina
    Chinesisch
    (Kantonesisch)
    橄欖樹 [gaam láam syuh]
    Gaam laam syuh
    Chinesisch
    (Mandarin)
    橄欖樹 [gǎn lǎn shù]
    Gan lan shu
    DänischOliven
    DeutschÖlbaum
    Dhivehiޒައިތޫނި
    Zaithooni
    EnglischOlive
    EsperantoOlivo
    EstnischEuroopa õlipuu, Õlipuu, Oliiv
    Farsiزیتون
    Zeitun
    FinnischÖljypuu
    FranzösischOlive
    FriesischOliif
    Georgischზეთის, ზეთისხილი
    Zetis; Zetiskhili, Zetisxili (Frucht)
    GriechischΕλιά
    Elia
    Hebräischזית
    Zayit
    IsländischÓlífa
    ItalienischOliva
    Japanischオリーブ
    Oribu
    JiddischEylbert, Masline
    Kannadaಆಲಿವ್
    Aliv, Julipe
    KasachischЗәйтун, Зәйтүн ағашы
    Zäytwn; Zäytün ağaşı (Baum)
    KatalanischOastre, Rabell, Ullastre, Olivera
    Koreanisch올리브
    Ollibu
    KroatischMaslina
    LettischOlīvas
    LitauischAlyvos, Europinis alyvmedis
    MaltesischŻebbuġ
    NiederländischOlijf
    PolnischOliwka
    PortugiesischOliveira (Baum), Azeitona (Frucht)
    ProvençalischÓulivié
    Punjabiਜੈਤੂਨ
    Jaitun
    RumänischMăslină, Măslin (Baum)
    RussischОлива
    Oliva
    SchwedischOliv
    SlovenischOljka
    SlowakischOliva európska, Olivovník európsky, Oliva
    SpanischOliva, Aceituna
    SwahiliZeituni
    Tamilசைதூண
    Saidun
    TeluguJaitun
    Thaiมะกอก
    Ma kok
    TschechischOliva, Olivy, Olivovník evropský
    TürkischZeytin
    UkrainischОлива
    Olyva
    UngarischOlíva, Olajfa, Olajbogyó (Baum)
    Olea europea: Reife Oliven
    Reife Oliven

    www.botanikus.de

    Verwendeter Pflanzenteil

    Die Frucht (botanisch eine Steinfrucht), die unreif zart grün und reif schwarzviolett gefärbt ist.

    Die meisten Olivenfrüchte werden zur Herstellung von Olivenöl geerntet; ein kleinerer Teil gelangt in eingesalzener oder eingelegter Form in den Handel.

    Medizinisch benutzt man die Blätter des Ölbaums als blutdrucksenkendes Mittel.

    Pflanzenfamilie

    Oleaceae (Ölbaumgewächse).

    Geruch und Geschmack

    Rohe unreife Oliven schmecken sehr bitter und müssen erst durch Behandlung mit Lauge entbittert werden. Reife Oliven können dagegen direkt eingesalzen oder in Salzlake konserviert werden.
    Olea europea: Oliven
    Oliven in verschiedenen Reifestadien

    mypage.bluewindow.ch

    Olivenöl hat einen sehr variablen Geschmack; die besten Öle weisen ein mildes bis kräftiges, angenehmes Aroma auf, das irgendwo zwischen „blumig“, „fruchtig“ und „frisch“ angesiedelt ist. Mindere Qualitäten können stechend, säuerlich, abgestanden der auch gar nicht riechen.

    Inhaltsstoffe

    Die Blätter und unreifen Früchte des Ölbaums enthalten Oleuropaein, ein phenolisches Seco-Iridoid mit blutdrucksenkender Wirkung. Vor dem Einlegen der Oliven in Salzlake wird das sehr bittere Oleuropaein durch Behandlung mit Natronlauge oder durch Milchsäuregärung weitgehend entfernt; den verbleibenden Resten wird oft eine positive Wirkung zur Verhinderung koronarer Herzkrankheiten nachgesagt.

    Olivenöl wird aus dem ölreichen Mesocarp (Fruchtfleisch) kleinfrüchtiger Olivensorten gepreßt; der Ölgehalt des Mesocarps beträgt bis zu 55%.
    Olea europea: Ölbaumzweig
    Olivenzweig mit unreifen Früchten

    In der Vergangenheit wurde Olivenöl wie andere Pflanzenöle (siehe auch Sesam) in hydraulischen Pressen produziert; aus dieser Zeit stammt der Begriff „kaltgepreßtes Olivenöl“ (italienisch: olio extra vergine di oliva, griechisch partheno elaiolado [παρθένο ελαιόλαδο]), für die ersten Fraktionen mit intensivem Aroma die bei niedriger Temperatur und höchstens 50 bar Druck extrahiert wurde.

    Heute wird Olivenöl fast ausschließlich in Zentrifugenmühlen gewonnen, was viel höhere Ausbeuten an „kaltgepreßten“ Qualitäten ermöglicht. Praktisch alles als Speiseöl im Handel befindliche Olivenöl ist daher „kalt gepreßt“. Die beste Qualität („Tropföl“) wird ohne Zentrifugation, nur durch Sedimentation, gewonnen und ist nur im Spezialhandel erhältlich. Die beste Massenqualität heißt „natives Olivenöl extra“ und darf ebenso wie „natives Olivenöl“ nur durch Zentrifugation ohne Anwendung von Hitze und ohne darauffolgende Raffination hergestellt werden. Als „Olivenöl“ ausgewiesene Produkte sind dagegen in der Regel raffiniert und enthalten zur Geschmacksverbesserung oft kleine Anteile an nativem Olivenöl.
    Olea europea: Reife Olive
    Reife Olive

    Olivenöl besteht, wie alle Pflanzenöle (siehe dazu auch Sesam) aus an Glycerin gebundenen Fettsäuren. Im Olivenöl findet man durchschnittlich 66% Ölsäure, 12% Linolsäure, 9% Palmitinsäure, 5% Eicosensäure und 5% Palmitoleinsäure. Olivenöl kann bis zu 1.5% des acyclischen Triterpenkohlenwasserstoffes Squalen enthalten.

    Ein wesentlicher Qualitätsparameter ist der Gehalt an freien Fettsäuren, der bei nativen Olivenöl extra unter 0.8% liegen muß, während natives Olivenöl bis zu 2% dieser unerwünschten Bestandteile enthalten darf. Freie Fettsäuren entstehen in dem Olivenbrei durch die Aktivität von oliveneigenen Lipasen; ihre Bildung kann nur durch Kühlung und rasche Extraktion eingeschränkt werden. Freie Fettsäuren verschlechtern Geschmack und Temperaturstabilität des Öls.

    Das Aroma von Olivenöl wird im wesentlichen von Aldehyden dominiert (Hexanal, 2-Hexenal). Daneben spielen auch längerkettige Aldehyde, primäre Alkohole (vor allem C6-Körper wie Hexanol, 2-Hexen-1-ol, 3-Hexen-1-ol) und deren Essigsäureester eine Rolle. Zuletzt wurden auch noch hemiterpenoide Aromastoffe gefunden (3-Methylbutanal, 4-Methoxy-2-methyl-2-butanthiol, Ester der 2- und 3-Methylbuttersäure). Das Aromastoffspektrum hängt jedoch stark von Anbaugebiet und Sorte ab.

    Die typisch grünlich-gelbe Farbe des Olivenöls ist durch eine Mischung verschiedener gelbgefärbter Carotinoide (β-Carotin, Phytofluen, ξ-Carotin, Lutein, Auroxanthin, Luteoxanthin, Violaxanthin, Neoxanthin, Neochrome) und grünlicher Porphyrinfarbstoffe (Chlorophyll a und b, Phäophytin a und b) bedingt. Der Chlorophyllgehalt beträgt bis 10 ppm.

    Herkunft

    Der Anbau des Ölbaums ist im östlichen Mittelmeergebiet seit fünf Jahrtausenden nachgewiesen. Ob die Pflanze tatsächlich ostmediterranen Ursprungs ist oder aus Zentralasien stammt, ist jedoch nicht bekannt.
    Olea europea: Olivenblüten
    Olivenblüten

    Etymologie

    Olive ist aus lateinisch oliva „Olive; Ölbaum“ entlehnt, das wiederum dem Griechischen entnommen war: elais [ἐλαίς] „Ölbaum“ und elaia [ἐλαία], aus urgriechisch elaiva [ἐλαίϝα], „Olive; Ölbaum“; weiters elaion [ἔλαιον] „Olivenöl“. Diese Namen haben keinen indoeuropäischen Ursprung; man nimmt allgemein an, daß sie aus einer Sprache des östlichen Mittelmeerraums (oft als Semitisch angenommen) in das Griechische Eingang fanden. Da wir aber die botanische Herkunft des Ölbaums nicht kennen, könnte der Name, zusammen mit der Pflanze, auch weiter aus dem Osten stammen. So gibt es einen überraschenden Zusammenhang mit den dravidischen Sprachen, die heute in Südindien gesprochen werden: Sesam, eine lokal wichtige Ölsaat, trägt darin Namen, die dem griechischen elaia ziemlich ähneln, z.B. tamilisch ellu (ausgesprochen yellu [எள்ளு]).

    Die meisten modernen Sprachen Europas haben ein Wort für „Olive“, das sich direkt oder indirekt von lateinisch oliva ableitet. Beispiele dazu sind englisch olive, polnisch oliwka, slovenisch oljka, friesisch oliif, lettisch olīvas und niederländisch olijf. In manchen Sprachen ist der Name etwas stärker verändert, etwa litauisch alyvos und albanisch ullir.
    Olea europea: Olivenblüten
    Olivenblüten
    Olea europea: Olibenblüten
    Olivenzweig mit Blüten

    In den iberischen Sprachen konnte sich der lateinische Name aber interessanterweise nicht durchsetzen, sondern wurde von einer arabischen Entlehnung verdrängt: Spanisch aceituna und Portugiesisch azeitona gehen auf arabisch az-zaytun [الزيتون] „die Olive“ zurück; dagegen bedeuten spanisch oliva und portugiesisch oliveira „Ölbaum“, aber nicht „Olive“. Siehe Kaper für andere Beispiele arabischer Lehnworte in iberischen Sprachen.

    Das arabische zaytun [زيتون] seinerseits ist mit hebräisch zayith [זית] urverwandt und scheint auf eine gemeinsame semitische Wurzel mit der Bedeutung „hervorragen“ zurückzugehen. Durch die weite Verbreitung des Islâm wurde es in viele weitere Sprachen entlehnt, vom Mittelmeer (Portugiesisch azeitona) nach Afrika (Swahili zeituni) und Asien (Georgisch zetis [ზეთის], armenisch jiteni [ձիթենի], kasachisch zäytun [зәйтун], kurdisch zaitun [زةیتوون], Farsi zeitun [زیتون], Punjabi jaitun [ਜੈਤੂਨ], Tamil saidun [சைதூண்], Dhivehi zaithooni [ޒައިތޫނި]). Weitläufiger verwandt ist Maltesisch żebbuġ, für das ein Ursprung in der ebenfalls semitischen Berber-Sprache angegeben wird.

    Infolge der großen Bedeutung des Olivenöles sowohl für die griechische als auch die römische Kultur drang der Name der Olive über lateinisch oleum „Öl“ in fast alle europäischen Sprachen als Gattungsbegriff für flüssige Fette ein, z.B. deutsch Öl, englisch oil, französisch huile, italienisch olio, niederländisch olie, polnisch olej und finnisch öljy.

    Manche slavische Namen der Olive, z.B. bulgarisch maslina [маслина] „Olive“, haben dagegen eine umgekehrte Entwicklung hinter sich: Maslina leitet sich von maslo [масло] „Öl, Fett“ ab, das ursprünglich „Butter“ bedeutete (von der gemeinslavischen Wurzel MAZ- „verstreichen“). Mit bulgarisch maslina verwandte Bezeichnungen für die Olive wurden auch in einige nicht-slavische Sprachen entlehnt, z.B. rumänisch măslin und jiddisch masline.

    Im Bulgarischen wird maslo [масло] „Öl“ nicht für Olivenöl verwendet, das stattdessen als zehtin [зехтин] bezeichnet wird (von Türkisch zeytin „Olive“); für Pflanzenöle gibt es auch den spezialisierten Terminus olio [олио].

    Auf ähnliche Weise sind auch die iberischen Namen für „Öl“ (spanisch aceite, portugiesisch azeite neben óleo) von den jeweiligen Namen der Olive abgeleitet, aceituna bzw. azeitona.

    Auch in anderen Sprachen gibt es oft einen Zusammenhang in den Namen der lokal bedeutendsten Ölfrucht und dem generischen Ausdruck für „Öl, Fett“. Als Beispiele können die Kokosnuß und Sesam dienen.

    Ausgewählte Links

    Nature One Health: Olive Transport Information Service: Olive Oil Pacific Islands Ecosystems at Risk: Olive Olive Trees in Crete Olive Fruit Facts Olive Presses and Mills Tuscany and Italy – Olives and Olive Oil Olive Expert: Through the Mists of Time Composition of Olive Oil Informationsgemeinschaft Olivenöl (olivenoel-info.net) Bilderserie zur Herstellung von extra vergine Olivenöl (Koni Berg) Recipe: Tapenade (homecooking.about.com) Recipe: Tapenade (appetizerrecipe.com) Recipe: İmam bayıldı (Imam bayildi) (cliffordawright.com) Recipe: İmam bayıldı (Imam bayildi) (recipecottage.com) Recipe: İmam bayıldı (Imam bayildi) (recipehound.com)


    Olea europea: Olivenbaum
    Olivenbaum

    www.botanikus.de

    Olea europea: Olivenblüten
    Olivenblüten
    Die Olive gehört zu den Pflanzen mit größter kulturhistorischer Bedeutung für den gesamten Mittelmeerraum: Ägypter, Phönizier, Griechen und Römer kannten und schätzten ihr Öl. Der Ölbaum tritt in den Homerischen Epen auf (siehe Mohn) und wurde in ältester Zeit zur Bekränzung der Sieger von Olympia verwendet; später trat der Lorbeer an seine Stelle. In der klassischen Zeit wurde die Olive vor allem mit der Göttin Pallas Athene, einer Tochter des Zeus, assoziiert. Zahllos sind die Nennungen des Ölbaums und des Olivenöles in der Bibel (siehe Granatapfel), und zwar sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Auch bei den alten Römern (siehe auch Silphion) stand die Olive in hohem Ansehen.

    Oliven werden heute im ganzen Mittelmeerraum angebaut und stellen in allen Mittelmeerländern einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung dar; und zwar wird einerseits das Olivenöl als universelles Bratmedium gebraucht, andererseits werden in Salzlake konservierte Oliven gerne gegessen oder zum Würzen verwendet.

    Eingelegte Oliven sind entweder schwarz oder grün, je nach Reifezustand bei der Ernte. Grüne Oliven werden unreif gepflückt und vor dem Einlegen in Salzlake entweder wiederholt gewässert oder mit Lauge behandelt; durch letzteres Verfahren, das bereits den alten Römern bekannt war, wird einerseits der Bitterstoffgehalt reduziert und andererseits die Konsistenz des Fruchtfleisches verbessert. Schwarze Oliven sind reif geerntet; in Griechenland werden sie ohne Laugenbehandlung eingesalzen oder einer Milchsäuregärung unterzogen, wodurch ein besonders intensiver Geschmack erzielt wird. Oft verfeinert man die Lake, in der man die Oliven einlegt, noch durch Zugabe von Kräutern (Thymian, Oregano) oder Knoblauch.

    Eingelegte Oliven sind eine beliebte Dekoration zu kalten Speisen, besonders aber zu pikanten Saucen. Natürlich schmecken sie besonders gut zu Spezialitäten aus den Mittelmeerländern. Der Geschmack von Oliven läßt sich verstärken, wenn man sie fein hackt und mit Olivenöl übergießt. Fügt man zu einer derartigen Paste aus schwarzen französischen Oliven und gutem Olivenöl noch Knoblauch, Anchovis (fermentierten Fisch) und Kapern hinzu, entsteht daraus die südfranzösische Vorspeise und Würzpaste tapenade, eine ausgezeichnete Beilage zu frischen baguettes.

    Zu warmen Speisen werden Oliven fast nur in den Küchen der Mittelmeerländer verwendet. Mit Zwiebeln, Knoblauch, Kapern und grünen (manchmal auch schwarzen) Oliven gewürzte Tomatensaucen sind für Italien charakteristisch; ihren letzten Schliff erhalten sie durch frische Kräuter (Basilikum, Oregano und Weinraute). In solchen Saucen kann man Fleisch garen oder sie einfach zusammen mit Nudeln (pasta) servieren. Auch die italienische Pizza wird oft, besonders in Süditalien, mit zumeist schwarzen Oliven belegt (siehe Oregano).

    Wesentlich bedeutsamer als eingelegte Oliven ist allerdings das Olivenöl, für dessen Produktion 90 Prozent aller Oliven angebaut werden. Natives Olivenöl extra (extra vergine) ist in seinem Geschmack und Aroma außerordentlich variabel, und jeder, der einige Sorten durchprobiert hat, wird andere Präferenzen entwickeln. Manche Öle sind subtil blumig und leicht im Geschmack, andere intensiv fruchtig und schwer. Es lohnt sich, verschiedene Öle in der Küche vorrätig zu haben.

    Die Vielzahl an unterschiedlichen Geschmacksrichtungen beim Olivenöl läßt sich auf zwei Ursachen zurückführen: Qualität der Olivenfrüchte und die Methode der Gewinnung.
    Olea europea: Blühender Ölbaumzweig
    Blühender Olivenzweig

    Bestes extra vergine Olivenöl entsteht immer aus einer Mischung verschiedener Olivensorten, die in verschiedenen Reifestadien gepflückt werden. Darüber hinaus üben Klima, Boden und Höhenlage einen erheblichen Einfluß aus. Weiters müssen die Oliven nach dem Pflücken möglichst rasch weiterverarbeitet werden; in der Zwischenzeit sind sie trocken zu halten und schonend zu lagern, um das Ausbilden von Druckstellen zu vermeiden.

    Beim eigentlichen Preßvorgang schließlich kommt eine Besonderheit der Oliven zum Tragen, die bei den meisten anderen Ölfrüchten wegfällt: Der hoher Wassergehalt. Beim Vermahlen der Oliven bildet sich daher keine mehr oder minder trockene Paste, sondern eine viskose Öl-in-Wasser-Emulsion. Fettspaltende Enzyme (Lipasen) können unter diesen Bedingungen das Olivenöl rasch zersetzen; diesem Abbau kann man nur durch Kühlen und rasche Verarbeitung entgegenwirken. Für beste Qualität darf die Temperatur beim Vermahlen nicht über 25 °C steigen, was spezielle Techniken bei den Mahlwerken erfordert.

    Nach dem Mahlen, das eigentlich eher eine Art Pürieren ist, wird das Öl durch Sedimentation (Tropföl) oder Zentrifugation abgetrennt. Das durch erneutes Prozessieren des wäßrigen Rückstandes, oft bei etwas höherer Temperatur, hergestellte Öl ist wesentlich weniger aromatisch. Jedes auf diese Art hergestellte Öl darf als „natives Olivenöl“ oder (wenn der Gehalt and freien Fettsäuren es zuläßt) sogar als „natives Olivenöl extra“ vermarktet werden.
    Olea europea: Olivenzweig mit Blüten
    Olivenzweig mit Blüten

    www.desert-tropicals.com

    Native Olivenöl extra sollte eigentlich nur für kalte Speisen verwendet werden, da die Aromastoffe hitzeempfindlich sind: Beim Erhitzen gehen sie verloren, oder können gar zu unangenehmen Geschmacksnoten führen. Das von vorneherein aromaärmere native Olivenöl ist dagegen besonders zum vorsichtigen Braten geeignet. Die Hitzebeständigkeit ist allerdings schlechter als bei raffinierten Pflanzenölen, und daher brät man in Olivenöl immer „sanfter“ (bei geringerer Temperatur, die das Bratgut nicht wirklich bräunen läßt) als etwa in Erdnuß- oder Sonnenblumenöl. Will man die Temperaturbeständigkeit von Olivenöl erhöhen, so kann man es mit Butter oder besser Butterschmalz mischen, was auch geschmacklich eine Bereicherung sein kann.

    Kaltgepreßtes Olivenöl gibt den Speisen Südeuropas, Westasiens und Nordafrikas viel von ihrem typischen Geschmack. Man verwendet es für Salate, die westasiatische Kichererbsenpaste hummus (siehe Sesam), kalte Vorspeisen (in Israel als mezes bekannt) und die für den ostmediterranen Raum typischen Weizensalate (tabbouleh, kısır; siehe Petersilie). Olivenöl wird auch oft für würzige Pasten wie das ägyptische dukka (siehe Thymian) und die berühmte provençalische Knoblauchmayonnaise aïoli verwendet. Italienische Nudeln (pasta) werden manchmal mit etwas Olivenöl gekocht, um ein Verkleben zu vermeiden; öfter schwenkt man sie aber nach dem Kochen in Olivenöl, um den Geschmack zu verbessern.

    Alltägliche Gerichte wie gebratenes Gemüse (Zucchini, Auberginen, Paprika) gewinnen durch Verwendung von Olivenöl einen typisch mediterranen Charakter, besonders, wenn man sie mit etwas Joghurt oder Tomatensauce serviert. Ein Beispiel aus der türkischen Küche ist imam bayıldı („der İmam fiel in Ohnmacht“, angeblich wegen des Wohlgeschmacks), in Olivenöl geschmorte Auberginen mit einer würzigen Füllung aus Tomaten und Knoblauch. Gemüse in Olivenöl zu braten verbraucht ziemlich viel Öl; oft erreicht man ein ähnliches Resultat, wenn man frittiertes Gemüse vor dem Servieren so gut als möglich vom Frittieröl befreit und mit bestem nativen Olivenöl beträufelt.

    Der Geschmack von Olivenöl harmoniert ausgezeichnet mit dem Aroma mediterraner Kräuter. In den Mittelmeerländern wird Olivenöl oft mit einigen Zweigen Rosmarin, Lavendel, Estragon oder, auf Zypern, mit frischen Kapern aromatisiert. Die meisten frischen Kräuter lassen sich gut in Olivenöl konservieren; die Aromastoffe können sich dabei in dem Öl besser als in einem wäßrigen Medium entwickeln. Ein sehr bekanntes Rezept dieser Art ist das ligurische pesto, eine Paste von Basilikum in Olivenöl.

    Nicht nur das sanfte Aroma von Kräutern, sondern auch die Schärfe von Chilies wird in einem fetten Medium besser freigesetzt. In Italien werden kleine scharfe Chilies (peperocini) in Olivenöl eingelegt, wodurch eine feurige Würze (olio santo) entsteht. Ein ähnliches chile oil habe ich auch in Arizona kennengelernt. Je nach Geschmack, kann man es tropfen- bis eßlöffelweise verwenden. Auch in einigen Versionen des yemenitischen zhoug (siehe Koriander) wird die Schärfe grüner Chilies durch Olivenöl aufgenommen.



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    Zuletzt modifiziert am 18 May 2003
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