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    [ Pflanzenteil | Familie | Aroma | Inhaltsstoffe | Herkunft | Etymologie | Diskussion | Bottom ]

    Muskatnuß und Muskatblüte (Myristica fragrans Houtt.)

    Synonyme für Muskatnuß

    pharmSemen Myristicae
    Amharischገብስ, ገውዝ
    Gabz, Gewz
    Arabischجوزة الطيب, بسباسة, جوز بوّة
    جَوْزَة الطِيب, جوزَة الطِيب
    Jouza at-Teeb, Jouza al-Teeb, Josat at-Tib, Josat al-Tib, Basbasa, Jowz buwwa
    ArmenischՄշկընկոյզ
    Meshgengouz, Mshkenkoyz
    AzeriCövüz, Cövüz qoz
    Ҹөвүз, Ҹөвүз гоз
    BaskischIntxaur muskatu
    BulgarischИндийско орехче
    Indijsko orekhche
    BurmesischMutwinda
    Chinesisch
    (Kantonesisch)
    豆蔻樹 [dauh kau syuh], 肉豆蔻 [yuhk dauh kau]
    Dauh kau syuh, Yuhk dauh kau
    Chinesisch
    (Mandarin)
    豆蔻樹 [dòu kòu shù], 肉豆蔻 [ròu dòu kòu]
    Dou kou shu, Rou dou kou
    DänischMuskatnød
    Dhivehiތަކޫވަހް
    Thakoovah
    EnglischNutmeg
    EsperantoMuskato, Miristiko nukso, Miristiko semo
    EstnischMuskaatpähkel; Lõhnav muskaadipuu (Baum)
    Farsiجوز هندی
    Djus hendi, Jouz hendi
    FinnischMuskottipähkinä
    FranzösischNoix de muscade, Muscade
    GalizischNoz Moscada
    GriechischΜοσχοκάρυδο
    Moschokarido
    GujaratiJayfal
    Hebräischאגוז מוסקט
    Egoz muskat, Egoz musqat
    HindiJaiphal, Taifal, Kathal
    IndonesischPala
    IsländischMúskat
    ItalienischNoce moscata
    Japanischナツメグ
    Natumegu
    JiddischMushkat
    Kannadaಜಾಕಾಯಿ, ಜಾತೀಫಲ
    Jakayi, Jatiphala
    KatalanischNou moscada
    KhmerPock kak
    Koreanisch너트멕, 육두구
    Neotumek, Notumek, Yuktugu
    KroatischMuškatni oraščić
    LaotischChan thed
    LettischMuskatrieksts
    LitauischMuskatas, Kvapusis muskatmedis
    MalayalamJathikka
    MalaysischBuah pala, Pokok pala
    Marathiजायफळ
    Jayphal
    Nepaliजाइफल
    Jaiphal
    NiederländischNootmuskaat
    NorwegischMuskatnøtt
    PolnischGałka muszkatołowa, Muszkat; Drzewo muszkatołowe (Baum)
    PortugiesischNoz-moscada
    Punjabiਜੈਫਲ
    Jaiphal
    RumänischNucșoarăNucşoară
    RussischМускатный орех
    Muskatnyj orekh
    SanskritJatiphala
    SchwedischMuskotnöt
    SinghalesischSadikka
    SlovenischMuškatni orešček
    SlowakischMuškátový orech, Muškátovník voňavý
    SpanischMoscada, Nuez moscada
    SwahiliKungumanga, Basibasi
    TagalogDuguan
    Tamilஆதிபலம், சாதிக்காய், சாதிப்பூ
    Atipalam, Jatikkai, Jatippu
    Teluguజాజికాయ
    Jajikaya
    Thaiจันบ้าน, จันทน์เทศ, ลูกจันท
    Chan thet, Chan ban, Chan ban, Chand nattes, Luk chand
    TibetischZati, Dza ti
    TschechischMuškátový ořech
    TürkischHindistancevizi, Cevz buva†, Küçük hindistan cevizi
    UkrainischМускатний горіх
    Muskatnyj horikh
    UngarischSzerecsendió
    VietnamesischĐậu khấu, Nhục đậu khấu
    Dau khau, Nhuc dau khau

    Synonyme für Muskatblüte

    ArabischFuljan
    Chinesisch
    (Mandarin)
    肉豆蔻皮 [ròu dòu kòu pí]
    Rou dou kou pi
    DänischMuskatblomme
    DeutschMacis
    EnglischMace
    EsperantoMiristiko floro
    EstnischMaasis, Muskaatõis
    FinnischMuskottikukka
    FranzösischFleur de muscade, Macis
    GujaratiJaypatri
    Hebräischמייס
    Mays
    HindiJavitri, Javinthri
    IndonesischSekar pala, Fuli
    IsländischMúskathýði, Masi
    ItalienischMace
    Japanischメース, ニクズク
    Nikuzuku, Mesu
    Kannadaಜಾಜಿಪತ್ರ, ಜಾಕಾಯಿ ಪತ್ರಿ, ಜಾಪತ್ರೆ
    Jajipatra, Jakayi patri, Japatre
    Koreanisch메이스
    Meisu
    KroatischMacis, Muškatni cvjetić
    LitauischMacis, Muskato žiedai
    MalaysischKembang pala
    Marathiजायपत्री
    Jaypatri
    NiederländischFoelie
    NorwegischMuskatblomme
    PortugiesischMacis
    Punjabiਜਵਤਰੀ
    Javatri
    RumänischFrunzișoarăFrunzişoară, Membrana de nucșoarăMembrana de nucşoară
    RussischСушёная шелуха мускатного ореха, Мускатный цвет
    Sushonaya shelukha muskatnogo orekha, Muskatnyj tsvet
    SanskritJatipatra
    SchwedischMuskotblomma
    SinghalesischWasa-vasi
    SlovenischMuškatni cvet
    SlowakischMuškátový kvet
    SpanischMacia, Macis
    Teluguజాపత్రి
    Japatri
    Thaiดอกจันท, ดอกจันทน์เทศ
    Dok chand, Dok chand nattes
    TschechischMuškátový květ
    TürkischBesbase†
    UngarischSzerecsendió virág
    Myristica argentea: Makassarmuskat
    Makassarmuskatnüsse
    Myristica fragrans: Muskatbluete (Mazis)
    Muskatblüte (Macis)
    Myristica fragrans: Banda-Muskatnuss
    Banda-Muskatnuß
    Myristica fragrans: Muskat-Same mit umhüllendem Arillus
    Muskatnuß umhüllt von Muskatblüte

    Verwendeter Pflanzenteil

    Die Muskatnuß ist keine Nuß, sondern der innere Kern (Keimling, Embryo) einer pfirsichartigen Frucht. Die Muskatblüte ist der zugehörige Arillus, ein dünnes, ledriges Gewebe zwischen dem Kern und dem Fruchtfleisch; Muskatblüte ist bei der Ernte leuchtend rot oder purpur gefärbt, nimmt aber nach dem Trocknen eine dumpfere, bernsteingelbe Färbung an.

    Zerbrochene, von Insekten und Pilzen befallene Nüsse werden im Handel als „BWP-Ware“ (broken, wormy, punky) bezeichnet; aus ihnen dürfen nur noch Muskatöl bzw. Muskatextrakt (Oleoresin) gewonnen werden. Gelegentlich werden sie aber auch gemahlen und gelangen illegalerweise in den Verkauf. Wegen der sehr realistischen Gefahr aflatoxinbildender Schimmelpilze auf BWP-Nüssen sollte man daher keine gemahlenen Muskatnüsse kaufen. Ganze Nüsse erhalten darüberhinaus ihr Aroma viel länger.

    Das Fruchtfleisch der Muskatfrucht ist hart, fast holzig, und sehr sauer. In Indonesien bereitet daraus herrliche Marmelade mit feinem Muskataroma (selei buah pala). Andere Nutzungsmöglichkeiten des Fruchtfleisches sind mir nicht bekannt.

    Pflanzenfamilie

    Myristicaceae (Muskatnußgewächse)

    Geruch und Geschmack

    Beide Gewürze haben einen aromatischen, harzigen und warmen Geschmack. Der Muskatblüte sagt man meist ein etwas feineres Aroma nach, aber der Unterschied ist nicht besonders groß. Nach dem Mahlen verliert Muskat seinen Geschmack sehr rasch; am besten schabt oder reibt man die nötige Menge Muskat frisch vor Gebrauch von einer ganzen Nuß ab.

    Inhaltsstoffe

    Die Muskatnuß enthält etwa 10% ätherisches Öl, das aus Terpenkohlenwasserstoffen (Sabinen und Pinene; daneben Camphen, p-Cymen, Phellandren, Terpinen, Limonen, Myrcen; zusammen etwa 60 bis 80%), Terpenabkömmlingen (Linalool, Geraniol, Terpineol; zusammen 5 bis 15%) und Phenylpropanen (Myristicin, Elemicin, Safrol, Eugenol und Eugenolderivate; zusammen 15 bis 20%) besteht. Aus der letzteren Gruppe ist das Myristicin (Methoxysafrol, typischerweise 4%) für die halluzinogene Wirkung großer Muskatmengen verantwortlich.
    Myristica fragrans: Reife Muskatfrucht
    Reife Muskatfrucht mit sichtbarem Samen und Arillus

    Diese halluzinogene Wirkung ist allerdings relativ schwach, so daß man große Mengen Muskat benötigt (für einen „Trip“ rechnet man eine halbe bis ganze Muskatnuß). In dieser Dosierung können andere Bestandteile des Muskatöles bereits erhebliche Nebenwirkungen verursachen, vor allem extreme, länger andauernde Übelkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Muskatprodukten. Auch die halluzinogenen Phenylpropane sind Lebergifte und bei Dauergebrauch alles andere als harmlos.

    Das ätherische Öl aus der Muskatblüte (Macisöl, Aetheroleum Macidis) enthält etwa dieselben Aromakomponenten wie das der Muskatnuß, allerdings ist der Gehalt an Terpenen (fast 90%) gegenüber dem an Phenylpropanen (10%) leicht erhöht.

    Sowohl Muskatnuß als auch Muskatblüte enthalten ca. 2% Lignane (Diarylpropanoide) als Dimerisationsprodukte der im ätherischen Öl vorkommenden Phenylpropan-Verbindungen, z.B. Dehydrodiisoeugenol.

    Herkunft

    Das natürliche Vorkommen des Muskatbaums ist auf die Banda-Inseln, einen kleinen Archipel im Osten Indonesiens (Molukken), beschränkt. Die Hauptproduktionsländer sind heute Indonesien (Ostindische Muskatnüsse, Export u.a. nach Europa) und Grenada (Westindische Muskatnüsse, Export vorwiegend in die USA).

    Muskatnüsse werden anhand ihrer Masse in Qualitätsklassen eingeteilt. Im Handel sind große Nüsse mit bis zu 8 g am geschätztesten und erzielen die besten Preise. In Grenada gibt man die Größenklasse als Anzahl der Muskatnüsse pro englisches Pfund an und spricht von 55er-Nüssen (8.2 g) bis 65er-Nüssen (7.0 g). Die kleinsten ganz in den Handel kommenden Nüsse sind die 160er mit nur 2.8 g. Noch kleinere Nüsse und Nußfragmente werden als BWP-Ware gehandelt.

    Zwei andere Muskatarten findet man mitunter als Verfälschung echter Muskatnüsse oder -blüten: M. argentea, die Makassar- oder Papuamuskatnuß, aus Neuguinea und M. malabarica, die Bombaymuskatnuß, aus Südindien. Während letztere überhaupt kein Aroma hat, beschreibt die Literatur den Geruch ersterer als stechend und wintergrünartig. Sie lassen sich an ihrer Form erkennen: Echte Banda-Muskatnüsse sind kugel- bis eiförmig und in ihrer längsten Abmessung höchstens eineinhalbmal so groß wie in ihrer kürzesten, während die anderen beiden Arten viel stärker prolate (in die Länge gezogene) Samen bilden und somit eher an Eicheln erinnern.
    Myristica fragrans: Grenadas Staatsflagge
    Die Flagge von Grenada zeigt eine Muskatnuß, das Hauptexportprodukt der Insel.

    Etymologie

    In vielen europäischen Sprachen leitet sich der Name der Muskatnuß vom lateinischen nux muscatus „Moschus-Nuß“ ab, wobei der „Nuß“-Teil oft weggelassen oder der Landessprache angepaßt wird: Baskisch intxaur muskatu, Dänisch muskatnød, finnisch muskottipähkin, französisch muscade, jiddisch mushkat, lettisch muskatrieksts, slowakisch muškátový orech, russisch muskatnyj orekh [мускатный орех], griechisch moschokarido [μοσχοκάρυδο], armenisch meshgengous [մշկընկոյզ] und hebräisch egoz muskat [אגוז מוסקט]. Auch das englische nutmeg gehört in diese Reihe; die mittelenglische Form ist notemugge.

    Der Name „Moschus“ bezeichnet einen Duftstoff, der seit der Antike aus dem im Himalaya heimischen Moschustier, einem etwa hundegroßen Hirschverwandten, gewonnen wird. Moschus geht über lateinisch muscus auf griechisch moschos [μόσχος] zurück, das aus dem persischen moshk (modernes Farsi moshk [مشک]) entlehnt wurde. Zugrunde liegt wahrscheinlich Sanskrit mushka [मुष्क] „Hoden“, da nur die männlichen Moschustiere riechen und ihre Duftdrüsen oft mit Hoden verglichen und auch gleichgesetzt wurden.
    Myristica fragrans: Muskatnuss und Muskatbluete
    Frisch gepflückte Muskatnüsse mit purpurner Muskatblüte

    Der arabische Name der Muskatnuß, jouz at-tib [جوزة الطيب] „aromatische Nuß“ geht von einer ähnlichen Vorstellung wie lateinisch nux muscatus aus.

    In manchen Sprachen heißt die Muskatnuß auch „Indische Nuß“, obwohl sie dort nicht beheimatet ist, sondern lediglich über Südindien nach Zentralasien und Europa gelangte. In vergangenen Jahrhunderten waren solche Namen in wesentlich mehr Sprachen üblich, wurden aber später aufgegeben; heute findet man diese Benennung noch im türkischen hindistancevizi, im bulgarischen indijsko orekhche [индийско орехче] und im persischen jowz hendi [جوز هندی]. Ein analoger Name im Armenischen bedeutet allerdings nicht Muskatnuß sondern Kokosnuß; im modernen Englisch wird der Ausdruck Indian nut vorwiegend für zentralasiatische Pinienkerne verwendet, und im Deutschen sind mit Indischen Nüssen häufig Cashew-Nüsse gemeint, obwohl diese aus Südamerika stammen. Siehe auch Curcuma für die Etymologie von „Indien“.

    Macis und verwandte Formen (englisch mace, estnisch maasis, spanisch macia, hebräisch mays [מייס]) gehen zurück auf griechisch makir [μάκιρ] oder makeir [μάκειρ], was bei Dioskurides ein Produkt orientalischen Ursprunges bezeichnet, das als „Rinde“ beschrieben wird und kaum Muskatblüte gewesen sein kann, da aus derselben Zeit keine Berichte über Muskatnuß vorliegen. Es könnte auch eine Beziehung zu Sanskrit magha [मघा] bestehen, das eine Art Kräutermedizin bezeichnet. Andere leiten den Namen vom antiken Handelsplatz Malao (heutiges Somalia) ab.
    Myristica fragrans: Muskatfrucht
    Aufgebrochene reife Muskatfrucht

    pharm1.pharmazie.uni-greifswald.de

    Namen wie Muskatblüte, schwedisch muskotblomma, tschechisch muškátový květ oder französisch fleur de muscade spiegeln die falsche mittelalterliche Vorstellung wider, das Gewürz sei die Blüte des Muskatbaums. Marco Polo tradierte diesen Fehler noch im 14. Jahrhundert.

    Der Gattungsname Myristica kommt vom griechischen myron [μύρον] „Balsam, Wohlgeruch“, möglicherweise eine semitische Entlehnung und mit hebräisch mor [מר] „Myrrhe“ verwandt, das von einer semitischen Wurzel MRR „bitter“ abgeleitet wird. Einige andere aromatische Pflanzen tragen ähnliche Namen, z.B. Myrtus (Myrte), Myrrhis (Süßdolde) oder Myrica (Gagel). Möglicherweise gehört auch „Rosmarin“ in diese Reihe. Vergleiche auch den arabischen Namen der Bittermandeln, lawz murr [لوز مر].

    Auch der Artname fragrans verweist auf den Wohlgeruch: Es ist ein lateinisches Partizip „(wohl)riechend“ zu fragrare „riechen“.

    Ausgewählte Links

    A Pinch of Nutmeg (www.apinchof.com) A Pinch of Mace (www.apinchof.com) The Epicentre: Nutmeg The Epicentre: Mace Medical Spice Exhibit: Nutmeg and Mace Production, handling and processing of nutmeg and mace and their culinary uses (fao.org) Nature One Health: Nutmeg Transport Information Service: Nutmeg Transport Information Service: Mace Sorting Myristica names (www.plantnames.unimelb.edu.au) chemikalienlexikon.de: Myristicin chemikalienlexikon.de: Elemicin Extreme Nausea … The Economist: A Taste of Adventure The Nutmeg FAQ (Factfile) Safrole from Plants Recipe: Bechamel Sauce (White Sauce) (www.meilleurduchef.com) Recipe: Moussaka [μουσακά] (www.premiersystems.com) Recipe: Vegetarian Moussaka [μουσακά] (www.care2.com) Recipe: Greek and Turkish Mousaka [μουσακά] (stigmes.gr) Recipe: Lasagna Bolognese (www.wchstv.com) Recipe: Lasagna Verdura (www.globalgourmet.com) Recipe: Quatre épices (www.recipesource.com) Recipe: Quatre épices (www.dlc.fi)


    Myristica fragrans: Muskatbaum
    Muskatbaum mit fast reifen Früchten
    Bandaneira / Maluku / Indonesia
    Blick auf Banda Neira vom Hafen
    Muskatnuß und -blüte wurden in Europa wegen der sehr geringen natürlichen Verbreitung des Muskatbaums erst recht spät (erstmals im 11. Jahrhundert) durch arabische Händler bekannt; es wurde zuerst vor allem zum Aromatisieren von Bier verwendet (siehe Gagel). Man nahm an, das Gewürz stamme aus Indien.

    Obwohl Muskatgewürze ab dem 13. Jahrhundert in Europa regelmäßig verfügbar war, so wurde der Handel doch erst im 16. Jahrhundert wirklich bedeutend, als nämlich portugiesische Schiffe nach Indien und noch weiter, zu den berühmten Gewürzinseln (Molukken, heute die Provinz maluku in Ostindonesien), segelten. Im 17. Jahrhundert konnten die Holländer ähnlich wie bei Gewürznelken ein vollständiges Monopol erlangen, das wegen der Abgelegenheit der Banda-Inseln, dem einzigen natürlichen Vorkommen des Muskatbaums, leicht aufrechtzuerhalten war.

    Die Eingeborenen waren nicht willens, mit der Kolonialverwaltung unter dem Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen zu kooperieren, und wurden nahezu ausgerottet: Nur ein paar hundert der zuvor 15000 Bandanesen überlebten den Krieg 1621 und flohen auf den südlich gelegenen Tanimbar-Archipel. Arabische Händler und chinesische Arbeiter wurden angesiedelt und die Plantagen teilweise von Sklaven bewirtschaftet; damit blieb das Muskatgeschäft trotz der großen Kriegsausgaben immer noch enorm lukrativ, zumal Muskatnüsse im Europa des 17. Jahrhunderts äußerst gefragt waren und die Preise von der holländischen Ostindien-Gesellschaft (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC) nach Belieben diktiert werden konnten. Die Preise verfielen erst im 18. Jahrhundert, als die Franzosen einige geschmuggelte Muskatpflanzen weiterzüchten konnten und somit das holländische Monopol zu Fall brachten.

    Die wechselhafte Geschichte des Muskats läßt sich noch erahnen, wenn man die Banda-Inseln heute besucht: Eine ethnisch bunt gemischte Bevölkerung, ein chinesischer Tempel gleich neben der Moschee, Straßenlaternen mit Sockeln in der Form von Muskatnüssen, schöne koloniale Villen, ein das Stadtbild beherrschendes holländisches Fort (benteng belgica) und das Stadtmuseum mit im gemütlichen Kolonialstil eingerichteten Stuben einerseits und Bildern der holländischen Kriege andererseits erzählen aus einer Zeit, als Banda Neira (die Hauptinsel des Archipels) Zentrum holländischer Machtentfaltung in Ostindien war – und nicht ein verträumtes, wunderschönes Inselchen abseits jeglicher Aktualität und Bedeutung, wie heute.

    Heute ist auch die Bedeutung der Muskatnuß als Gewürz gesunken, und sie wird heute hauptsächlich in arabischen Ländern, dem Iran und Nordindien geschätzt. Die nordindische Gewürzmischung garam masala kann, besonders in ihrer mogulischen Variante, Muskatnuß oder Muskatblüte enthalten (siehe Kreuzkümmel), und man findet Muskatgewürze auch in den Gewürzmischungen Marokkos (ras el hanout, siehe Kubebenpfeffer) und des benachbarten Tunesien (gâlat dagga, siehe Paradieskörner) sowie im saudiarabischen baharat (siehe Paprika).
    Straßenlaterne in Bandaneira / Maluku / Indonesia
    Straßenlaterne in Banda Neira

    In westlichen Ländern bevorzugt man Muskat für süße Speisen, z.B. Kuchen, Kekse (Lebkuchen) und Kompotte; Muskatnuß verträgt sich auch gut mit Käse, etwa im Schweizer Fondue. Ein besonderer Klassiker ist mit Muskat gewürzter Spinat, wie man ihn beispielsweise in Italien für Nudelfüllungen verwendet. Am beliebtesten ist Muskat jedoch in Holland geblieben, wo man Muskat und Macis gerne für Kohl, Kartoffeln und anderes Gemüse verwendet, aber auch für Fleisch, Suppen, Eintöpfe und Saucen.

    Muskat ist die typische Würze für sauce Béchamel (Weiße Sauce), die trotz ihres französischen Namens heute in vielen europäischen Küchen eine Rolle spielt. Man dispergiert Mehl in geschmolzener Butter (dabei darf die Temperatur nicht so hoch steigen, daß das Mehl bräunt), gießt mit warmer Milch auf und kocht, bis die Sauce andickt; die einzigen Gewürze sind geriebene Muskatnuß und gemahlener weißer Pfeffer. Béchamel-Sauce wird selten als selbständige Sauce serviert; stattdessen findet sie oft in überbackenen Speisen Anwendung. Dafür eignet sie sich besonders gut, weil sie beim Backen eine delikate goldgelbe Kruste entwickelt, besonders, wenn man sie mit etwas Käse (z.B. parmigiano) bestreut.

    In Italien versteht man unter lasagna eine geschichtete Speise aus Nudelblättern und einer Fülle, die mit einer Sauce übergossen und überbacken wird. Die meisten Rezepte verwenden dazu Béchamelsauce, aber es gibt auch lasagne, die stattdessen mit einer fruchtigen Tomatensauce zubereitet werden. Typische Füllungen für lasagne sind eine Fleischsauce (ragù alla Bolognese) oder gekochter Spinat. Griechisches mousaka [μουσακά], ist eine ähnliche Speise aus einer feingewürzten Fleischmasse und Gemüse, zumeist Auberginenscheiben, die mit einer speziellen Béchamel-artigen Sauce übergossen und danach überbacken wird. Die Sauce enthält gegenüber dem Grundrezept noch Ei und Käse, was sie weniger flüssig macht und beim Backen eine phantastisch schmackhafte Kruste ergibt.

    Die klassische französische Gewürzmischung quatre épices („Vier Gewürze“) enthält Muskatnuß neben Ingwer, Gewürznelken und größeren Mengen an weißem Pfeffer (manche Rezepte nehmen schwarzen Pfeffer), mitunter auch etwas Zimt oder Piment. Die Komponenten werden fein miteinander vermahlen. Mit diesem Pulver würzt man meist Fleischspeisen, besonders solche, die längere Zeit geköchelt werden, wie etwa Eintöpfe und Ragouts, sowie Würste und Pasteten. Der Charakter dieser Mischung ist der eines durch andere Gewürze „verstärkten“ Pfeffers; man kann sie daher immer verwenden, wenn schwarzer Pfeffer vorgeschrieben ist, man jedoch ein volleres Aroma erreichen möchte.

    Da heutzutage ein beträchtlicher Teil der Muskaternte in Grenada eingebracht wird, haben auch etliche karibische Küchen die Muskatnuß adoptiert. In Grenada selbst ist dieses Gewürz allgegenwärtig – es gibt sogar Speiseeis mit Muskatgeschmack (siehe dazu auch Vanille)! Muskat ist ein optionaler Bestandteil einer bekannten karibischen Würzpaste, dem jamaicanischen jerk (siehe Piment).



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    Zuletzt modifiziert am 6 May 2004
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