Die Wurzel, vor allem die Wurzelrinde, enthält 4% Glycyrrhizin, das Kalium-
oder Calciumsalz der Glycyrrhizinsäure. Letztere ist ein Glycosid aus einer
pentacyclischen Triterpencarbonsäure (18β-Glycyrrhetinsäure)
mit zwei Molekülen Glucuronsäure. Glycyrrhizin ist etwa
fünfzigmal süßer als Rohrzucker.
Weiters finden sich noch Flavonoidglycoside: Liquiritin mit dem Aglycon
Liquiritigenin. Das Aglycon, das sich beim Trocknen der Wurzel teilweise
spontan bildet, ist für die krampflösende Wirkung der Lakritze
verantwortlich.
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Blühende Süßholzpflanze (G. glabra)
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Süßholz enthält nur Spuren von ätherischem Öl, in
dem bicyclische Monoterpenketone (Fenchon, Thujon) und Coumarine (Herniarin,
Umbelliferon) identifiziert wurden.
Lakritze und ähnliche Formen in anderen Sprachen leitet sich im
wesentlichen von griechisch glykeia rhiza [γλυκεῖα ῥίζα]
„süße Wurzel“ ab; vgl. den neugriechischen Namen
glikoriza [γλυκόριζα].
Für das erste Element glykys [γλυκύς] „süß“
siehe Mandel; im zweiten Element
rhiza [ῥίζα] „Wurzel“ findet man
die indoeuropäische Wortwurzel WRD (vgl. Deutsch Rettich und siehe auch Kren).
Im Lateinischen wurde das griechische Wort zu liquiritia
verändert, wahrscheinlich unter Anlehnung an liquere
„fließen“ wegen der flüssigen Konsistenz des Lakritzsaftes;
die britische Schreibweise liquorice hat diesen Zusammenhang
gut bewahrt. Von liquiritia stammen die Bezeichnungen in
vielen modernen europäischen Sprachen ab, z.B. deutsch Lakritze,
englisch licorice, tschechisch
lékořice und ukrainisch
lokrytsya [локриця].
In den meisten romanischen Sprachen trat Metathese zwischen L und R ein
(provençalisch recalicé, französisch
réglisse, spanisch ragaliz).
Durch Entlehnung entstand daraus das baskische erregaliz.
Das deutsche Süßholz ist, wie niederländisch
zoethout, als Lehnübersetzung des griechischen Namens zu
werten. Süß hat Verwandte in vielen germanischen Sprachen,
z.B. niederländisch zoet, englisch
sweet, dänisch sød und
altnordisch sætr; die zugrundeliegende germanische Wurzel
ist SWOTJA. Außergermanisch kommen
altgriechisch hedys [ἡδύς]
(siehe auch Minze), Sanskrit
svadu [स्वादु],
lateinisch suavis sowie griechisch
hedone [ἡδονή] „Freude, Genuß“
hinzu. Die indoeuropäische Wurzel läßt sich zu SWADU
„süß; Freude“ erschließen; möglicherweise ist diese
aus zwei Komponenten zusammengesetzt: SWA-DU „Saft geben“.
Deutsch „Holz“ hat ebenfalls viele Verwandte in anderen Sprachen:
Altenglisch (heute poetisch) holt „Wald“ sowie walisisch
celli „Wald“, russisch
koloda [колода] „Holzblock“
und griechisch klados [κλάδος] „Zweig“.
Die Grundbedeutung der Wortsippe scheint „brechen, abschneiden“ zu sein,
vgl. griechisch klan [κλᾶν]
„brechen“, litauisch kalti „schlagen, schmieden“ und
lateinisch clades „Verletzung, Schaden“.
Auch in den indischen Sprachen wird die Pflanze nach ihrem charakteristischen
Geschmack benannt. Im Sanskrit bedeutet madhu [मधु] „süß, angenehm“;
diesen Stamm findet man als Bestandteil der Namen von Süßholz
sowohl im Sanskrit (madhuka [मधूक] oder
yashtimadhu [यष्टिमधु] von
yashti [यष्टि] „Stengel“)
als auch in modernen Sprachen Nord- und Südindiens Sprachen, z.B.
Marathi jestamadha [ज्यष्ठमध],
Bengali yashthimodhu [যষ্ঠিমধু],
Telugu atimadhuramu [అతిమధురము]
oder Kannada yashthimadhu [ಯಷ್ಠಿಮಧು].
Außerindisch schließen sich litauisch saldymedis
und armenisch madudag [մատուտակ] an.
Siehe Bärlauch für die Wurzel
MEDHU und weitere sonstige linguistische Verwandtschaft.
Weitere Beispiele für das Benennungsmotiv „süß“ findet man
bei ungarisch édesgyökér,
estnisch magusjuur,
ukrainisch solodkyj korin [солодкий корінь]
und bulgarisch sladuk koren [сладък корен],
die alle vier „süße Wurzel“ bedeuten. Siehe auch
Mandel für die slavischen Bezeichnungen
für „süß“.
Zuletzt ist noch der chinesische Name gan cao [甘草]
„süßes Stroh“ oder „süße Pflanze“
für Gl. uralensis zu erwähnen. Dieser Name
wurde als cam thao [cam thảo]
ins Vietnamesische,
als kamcho [감초] ins Koreanische
und als kanzō [甘草, かんぞう]
ins Japanische entlehnt; die japanischen Kanji können dabei wörtlich
als „süßes Gras“ oder „süße Pflanze“ gelesen
werden.
Der lateinische Artname glaber „kahl“ bezieht sich auf die
Früchte (Hülsen), die bei der echten Lakritze glatt, bei vielen anderen
Arten der Gattung aber behaart sind.