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Kaper (Capparis spinosa L.)

Synonyme

Capparis spinosa: Kapernblüten
Kapernblüten
Capparis spinosa: Kapernzweig
Kapernzweig
Capparis spinosa: Kapernblüte
Kapernblüte
Capparis spinosa: Kapernblüte
Kapernblüte

www.rz.uni-karlsruhe.de

AlbanischKapra
Arabischكبر
كَبَر
Kabar
ArmenischԿապարցախ
Gabartsakh, Kaparcax
BaskischAlcaparra
BengaliKabra
BulgarischКаперси
Kapersi
Chinesisch
(Kantonesisch)
刺山柑 [chi sāan gàm]
Chi saan gam
Chinesisch
(Mandarin)
刺山柑 [cì shān gān], 酸豆 [suān dòu]
Ci shan gan, Suan dou
DänischKapers
EnglischCaper
EsperantoKaporo
EstnischTorkav kappar
FinnischKapris
FranzösischCâpre, Fabagelle, Tapana
Georgischნახტომი, ხტომა
Khtoma, Nakhtomi, Naxtomi, Xtoma
GriechischΚάππαρη
Kappari
Hebräischצלף קוצני
Tsalaf qotsani, Zlaf kotsani
HindiKiari, Kobra
IsländischKapers
ItalienischCappero
Japanischケイパー
Keipa
KannadaMullukattari
KasachischКиеуіл
Kiyewil
KatalanischTaparera
Koreanisch케이퍼
Keipeo, Keipo
KroatischKapari
LettischDzeloņainais kapers
MalaysischMelada
MaltesischKappar
NiederländischKappertjes
NorwegischKapers
PolnischKapar ciernisty, Kapary (Plural)
PortugiesischAlcaparras
ProvençalischTapeno, Tapero
Punjabiਕਬਾਰਾ
Kabara
RumänischCapere
RussischКаперсы
Kapersy
SanskritHimsra
SchwedischKapris
SlovenischKaprovec
SlowakischKapary
SpanischAlcaparra, Caparra, Tápana, Tápara; Alcaparrón (Kapernfrüchte)
SwahiliMruko, Mchezo
TagalogAlcaparras
TeluguKokilakshmu
TschechischKapara, Kapara trnitá
TürkischGebre, Kapari, Kebere
UngarischKapribogyó, Kaporna
UrduKabar
VietnamesischCáp
Cap

Capparis spinosa: Kaper, Kapernbeere (Kapernapfel)
Eingelegte Kapern und Kapernfrüchte
Capparis spinosa: Salzkapern
Mit Salz konservierte Kapern

Verwendeter Pflanzenteil

Blütenknospen, unmittelbar vor dem Erblühen in den frühen Morgenstunden geerntet und in Öl, Salzlake oder Essig eingelegt. Seltener werden sie mit grobem Salz konserviert; diese Kapern müssen vor Gebrauch abgespült werden.

Kleinere Knospen (nonpareilles und surfines mit deutlich unter einem Zentimeter Durchmesser) gelten als wertvoller als die größeren capucines und communes (bis zu eineinhalb Zentimetern Durchmesser).

Seltener kommen Kapernfrüchte (auch „Kapernäpfel“ oder „Kapernbeeren“; auf Französisch cornichon de câpres „Kaperngurke“ genannt) auf gleiche Art konserviert in den Handel. Ihr Geschmack ist sehr intensiv.

Pflanzenfamilie

Capparidaceae (Kaperngewächse) – diese Familie ist eng mit den Brassicaceae (Kreuzblütengewächsen) verwandt.

Geruch und Geschmack

Der Geruch ist leicht würzig und durch die Lake säuerlich, der Geschmack leicht herb und scharf. Kapernbeeren schmecken viel stärker und etwas dominant, sonst aber ähnlich.
Capparis spinosa: Kapernknospe
Kapernknospen
Capparis spinosa: Fruchtende Kapernpflanze
Kapernpflanze mit Kapernbeeren

perso.wanadoo.fr

Inhaltstoffe

Kapern enthalten naturgemäß hauptsächlich (etwa 85%) Wasser. In der Trockensubstanz findet man außer bitter schmeckenden Flavonoidglycosiden ein Senfölglucosid, das Glucocapparin (Methylglucosinolat). Durch Einwirkung des Enzyms Myrosinase wird daraus das scharf schmeckende Prinzip der Kapern, Methylisothiocyanat, freigesetzt. Damit schließen die Kapern eng an senföglycosidhaltige Gewürze aus der Familie der Kreuzblütengewächse an (schwarzer und weißer Senf, Wasabi, Kren und Kresse).

Von allen Senfölen ist Methylisothiocyanat am flüchtigsten und am empfindlichsten gegenüber Wasser und hohen Temperaturen.

Unter den Flavonoiden dominiert das Rutin, das nach seinem Vorkommen in der Weinraute benannt ist. Angeblich sind die weißen Flecken, die manchmal die ganze Oberfläche der Kapern bedecken, Rutinkristalle, die sich während des Einlegens bilden.
Capparis spinosa: Zwei Kapernblüten
Kapernblüten

Ob Kapern wirklich, wie in manchen Büchern (Stobart) angegeben, die bockartig riechende Caprinsäure enthalten, sei dahingestellt; in neuerer Literatur wird jedenfalls nichts mehr darüber gesagt. Der Name der Caprinsäure ist jedenfalls nicht mit „Kaper“ verwandt, sondern leitet sich von lateinisch capra „Ziege“ her.

Auch Kaperfrüchte verdanken ihre Schärfe aliphatischen Isothiocyanaten (Methylisothiocyanat, Isopropylisothiocyanat, sec-Butylisothiocyanat). Weiters wurde ein Pyridinalkaloid namens Stachydrin gefunden.

Herkunft

Kapern wachsen heute wild im ganzen Mittelmeergebiet und werden dort auch ausgiebig kultiviert (die wichtigsten Anbaugebiete liegen im westlichen Mittelmeergebiet: Frankreich, Spanien, Italien und Algerien; daneben produzieren auch Griechenland, Zypern und neuerdings auch Iran größere Mengen), stammen aber wahrscheinlich aus Trockengebieten in West- oder Zentralasien.
Capparis spinosa: Kapernpflanze
Kapernpflanze mit Blüte

www.rz.uni-karlsruhe.de

Etymologie

Der Name Kaper geht auf den klassisch-lateinischen Pflanzennamen capparis zurück. Dieser stammte wiederum aus dem Griechischen, wo die Pflanze kapparis [κάππαρις] hieß der Ursprung dieses Wortes, wie auch der der Kaperpflanze selbst, ist jedoch nicht klar; es stammt wahrscheinlich aus dem nah- bis mittelöstlichen Raum. Eine andere Theorie leitet den Namen von dem der Insel Zypern (Kypros [Κύπρος]) ab, wo Kapern reichlich wachsen.

Die Namen von Kapern in den meisten Sprachen Europas gehen ebenfalls auf lateinisch capparis bzw. sein griechisches Pendant zurück, z.B. italienisch cappero, französisch câpre, estnisch kappar, schwedisch kapris, tschechisch kapara, russisch kapersy [каперсы] und griechisch kappari [κάππαρη]. Der englische Name der Kapern wurde zuerst als capers entlehnt, was aber später als Plural aufgefaßt wurde und zur Neubildung eines Singulars caper führte.
Capparis spinosa: Kapernblüte
Kapernblüten (kleinwüchsige Ziersorte)

www.ruehlemanns.de

Spanisch tápana und einige Verwandte in anderen westmediterranen Sprachen gehen ebenfalls auf lateinisch capparis zurück, auch wenn mir die Details dazu nicht klar sind. Provençalisch tapeno gab der berühmten französischen Vorspeise tapenade ihren Namen (siehe Olive).

Der botanische Artname spinosa „dornig“ bezieht sich auf die vielen kräftigen Dornen der Pflanze, die allerdings bei manchen Kultursorten fehlen; letztere werden oft als Abart var. inermis („waffenlos“) bezeichnet.

Die iberischen Namen (spanisch alcaparrón „Kapernfrucht“, portugiesisch alcaparras „Kaper“) stammen nicht direkt aus dem Lateinischen, sondern wurden vom arabischen al-kabara [الكبر] „die Kaper“ entlehnt, wobei der Artikel al fälschlich als Wortbestandteil interpretiert und mitübernommen wurde. Natürlich ist arabisch kabara [كبر] letztlich ebenfalls mit lateinisch capparis verwandt.

Das Präfix al (zuweilen auch el) tritt in Fremdwörtern arabischen Ursprungs sehr häufig auf; man findet es oft in wissenschaftlichen Termini, von denen viele während der maurischen Besetzung der iberischen Halbinsel zuerst ins Lateinische und später in andere Sprachen übernommen wurden, was auch die große Bedeutung arabischer Wissenschaft für das mittelalterliche Europa demonstriert. Andere Beispiel eines verkappten arabischen Artikels findet man in Fremdwörtern wie Alkali, Alkohol, Alchemie, Algebra, Elixier und Sternnamen wie Algol oder Altair. Entsprechend der Bedeutung arabischer Medizin und Kräuterkunde haben sich gerade bei Pflanzennamen viele arabischstämmige Bezeichnungen in den iberischen Sprachen erhalten:
Pflanze arabisch spanisch portugiesisch
Kaper al-kabara [الكبر] alcaparrón alcaparras
Kümmel al-karawya [الكراويا] alcaravea alcaravia
Safloral-usfur [العصفر]alazor  
Safranaz-zafran [الزعفران]azafránaçafrão
Süßholz al-(h)irq as-sus [العرق السوس] orozuz alcaçuz
Lavendel al-khuzama [الخزامى] alhucema alfazema
Myrte ar-raihan [الريحان] arrayán  
Basilikumal-habaqa [الحبق]albahacaalfavaca
Olive az-zaytun [الزيتون] aceituna azeitona
Rosmarin al-iklil al-jabal [الإكليل الجبل]   alecrim
Bockshornklee al-hulbah [الحلبه] alholva alforba

Umgekehrt wurden in iberischen Sprachen gelegentlich nichtarabische Pflanzennamen, die zufälligerweise mit A beginnen, volksetymologisch mit einem arabisch anmutenden Präfix versehen, z.B. Mandel oder Majoran.

Ausgewählte Links

San Marcos Growers: Caper Factsheet: Capers (purdue.edu) Recipe: Vitello Tonnato (italianfood.about.com) Recipe: Vitello Tonnato (recipecottage.com) Rezept: Königsberger Klopse (www.rezepte.li) Recipe: Königsberger Klopse (home.wanadoo.nl)


Capparis spinosa: Kapern-Zweig mit Blüten
Kapernzweig mit Blüten
Capparis spinosa: Kapern-Blüte
Kapernblüte
Die zarte Schönheit der Kapernblüten ist so empfindlich und vergänglich wie die der sprichwörtlich kurzlebigen Mohnblüten: Die hauchzarten cremeweißen Blütenblätter und die intensiv violetten Staubgefäße überdauern nur wenige Stunden. In kommerziellen Kaperngärten wird man die Blüten nur selten sehen, da die Kapern vor dem Erblühen geerntet werden müssen, aber blühende wilde Kapernbüsche sind in allen Mittelmeerländern ein häufiger Anblick; sie dringen sogar tief in die nordafrikanische Sahara und zentralasiatische Trockengebiete ein, wo man ihren Ursprung vermutet.

Kapern sind ein essentieller Bestandteil einiger Mittelmeerküchen und werden besonders stark mit italienischen (und auch zypriotischen) Gerichten assoziiert. Man würzt mit ihnen Tomaten- oder Weinsaucen, besonders bei Geflügel- und Fischgerichten; weiters reicht man sie gerne zu kalten Platten und verfeinert mit ihnen italienische Pizza (siehe Oregano). Kapern vertragen sich gut mit anderen mediterranen Gewürzen (Basilikum, Oregano und Knoblauch) und werden oft zusammen mit eingelegten Oliven verwendet.

Ein bekanntes Rezept der italienischen Küche ist vitello tonnato, Kalbfleisch in Thunfischsauce (wörtlich „gethuntes Kalb“). Dazu wird ein Stück Kalbsschulter in einer feinwürzigen Mischung aus Brühe und Weißwein gekocht, dünn aufgeschnitten und in salsa tonnata mariniert. Bei letzterer handelt es sich grundsätzlich um eine mayonnaise-artige emulgierte Sauce (siehe dazu auch Estragon) aus Eidotter, Weißwein oder Weißweinessig, Zitronensaft und Olivenöl, die mit einem Püree aus Dosen-Thunfisch, Sardellen (anchovis) und Kapern gewürzt wird. Vitello tonnato wird kalt, als Vorspeise oder Zwischengang, gegessen.

Auch in die Küchen Nordeuropas mit ihrer Vorliebe für ganz leicht gewürzte Speisen haben Kapern Eingang gefunden, und zwar besonders für kalte Speisen (Fischsalate, faschiertes Fleisch und pikante Gemüsesalate). Viele Saucen erhalten durch Zugabe kleiner Kapernmengen eine besondere Note; doch ist dabei zu beachten, daß das empfindliche Kapernaroma kein längeres Kochen verträgt. Am besten fügt man gehackte Kapern erst der bereits erkaltenden Sauce zu. Sie lassen sich gut mit Kerbel oder Estragon kombinieren.
Capparis spinosa: Kapernzweig mit Kaperngurke
Kapernzweig mit Kapernfrucht
Capparis spinosa: Junge Kapernblüte
Junge Kapernblüte

Eine besondere Spezialität sind Königsberger Klopse (Keenichsberje Kochklepse), die nach der ehemaligen Hauptstadt von Ostpreußen, Königsberg (heute das russische Kaliningrad) benannt sind. Man bereitet eine Masse aus faschiertem Fleisch (die besten Rezepte schlagen Kalb oder eine Mischung aus Kalb- und fettem Schweinefleisch vor), Weißbrot, Milch, Eiern, pikanten anchovies und Gewürzen (Zwiebel, Knoblauch, Kren, Petersilie) und formt daraus Knödel, die man in einer gutgewürzten Brühe kocht und mit einer cremigen, mit etwas Zitronensaft gesäuerten Sahne-Kapern-Sauce serviert. Während das Rezept durch die Verwendung von anchovies und Kapern eindeutig mediterrane Züge trägt, so erinnert die milchbasierte Sauce doch an andere Speisen aus dem Baltikum. Es gibt allerdings viele Rezepte für Königsberger Klopse, die statt der Sahnesauce eine sehr helle Mehlschwitze (roux) vorschreiben.

Die Knospen etlicher anderer scharf schmeckender Pflanzen wurden in Notzeiten als Kapernersatz gehandelt, haben heute als Lebensmittelverfälschungen aber kaum noch Bedeutung. In diesem Zusammenhang werden besonders häufig Kapuzinerkresse (die am besten zu schmecken scheint), Portulak, Besenginster und die Sumpfdotterblume genannt, von denen aber keine besonders an die etwas unsymmetrisch vierzählige Kapernknospe erinnert.

Kapernbeeren sind die Früchte des Kapernstrauches, die auf dieselbe Weise wie die Knospen eingelegt werden. Die oliven- bis gurkenförmigen Früchte weisen ein viel stärkeres Aroma als die Knospen auf. Ihre Verwendung ist nicht so weitverbreitet, sondern beschränkt sich im wesentlichen auf Spanien, das auch der Hauptproduzent ist. Das Aroma der Kapernfrüchte verträgt Hitze viel besser als das der Kapernknospen, und daher verwende ich die Früchte besonders gerne anstelle der Knospen zu allen Speisen, die länger als eine oder zwei Minuten gekocht werden, etwa zu pasta-Saucen oder risotto.

Außerhalb des Mittelmeerraums und des Kaukasus sind Kapern kaum bekannt. Allerdings werden die eingelegten Früchte zentralasiatischer Arten (z.B. Capparis aphylla), in Afghanistan, Pakistan und Nordwestindien gelegentlich als Gewürz verwendet. Kapern wurden von den Spaniern nach Mittelamerika eingeführt und tauchen daher gelegentlich in Rezepten aus México auf, besonders solchen mit rein spanischem Charakter, die ohne neuweltliche Zutaten auskommen; von der indianischen Bevölkerung wurden sie dagegen bisher nicht in erkennbarem Umfang angenommen.



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Zuletzt modifiziert am 26 Oct 2002
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